Was ging für ein Aufschrei durch die eingeschworene Pepper-Fangemeinschaft, als Weinsberg mitteilte, sein überaus beliebtes Sondermodell einstellen zu wollen. Doch nun steht eine neue Edition Pepper bereit. Wir haben den CaraCompact 600 MEG in der gepfefferten Version getestet.
Sondermodelle sind Preisbrecher, bei denen der Kunde zwar zuweilen mehr bezahlt als für das Serienfahrzeug, dafür aber erhält er eine teils deutlich aufgewertete Ausstattung, manchmal kombiniert mit einem speziellen Innen- und Außendekor.
Weinsberg spielt dieses Thema seit Jahren mit seinem Sondermodell Edition Pepper. Umso mehr überraschte die Ankündigung, die beliebte Sonderedition einstellen zu wollen. Nun aber der nächste Knaller: Der Pepper ist wieder da! Und zwar in der Baureihe CaraCompact für schmale Teilintegrierte. Weinsberg hat die drei Modelle des CaraCompact gründlich und umfangreich überarbeitet: Unter anderem ziert die nur 2,20 Meter breiten Teilintegrierten nun ein komplett neues, optisch sehr ansprechendes Heck, das dank seiner Abschrägung einige Zentimeter mehr in der Heckgarage verspricht.
Mit nur 6,38 Meter Länge das kürzeste Modell des neuen Trios ist der CaraCompact 580 MEG mit Einzelbetten über der Heckgarage, Küche und Bad in der Mitte und Halbdinette im Bug. Der 6,75 Meter lange CaraCompact 600 MF hält neben seinem Heck-Längsbad ein französisches Bett bereit. Und unser Test-Mobil CaraCompact 600 MEG entspricht vom Grundriss her dem 580 MEG, ist jedoch wie der 600 MF 6,75 Meter lang. Dank der beiden Dreipunkt-Sicherheitsgurte an der Sitzbank ist er wie seine Geschwister zwar für vier Reisende zugelassen, bietet jedoch nur zwei Schlafplätze.
In der Basisversion kosten die drei 3,5-Tonner auf Fiat Ducato ab 63.590, 64.590 und 65.390 Euro. In der Variante Edition Pepper, die unter anderem mit 103 kW/140 PS statt 88 kW/120 PS sowie mit vielen weiteren Extras zum Kunden rollt, kommen nochmals 3.400 Euro beim 580 MEG und 600 MF sowie 3.600 Euro beim 600 MEG hinzu. Unser Weinsberg CaraCompact 600 MEG Edition Pepper hat also einen Grundpreis von 68.990 Euro und kommt mit weiteren Extras auf 81.553 Euro.
Den neuen CaraCompact erkennt man auf Anhieb an seiner neu gestalteten Heckpartie. Die 31 Millimeter starke Rückwand mit Alu-Außenseite geht bündig in den dreiteiligen Heckstoßfänger mit hierin ebenfalls plan eingelassenen, dunkel getönten LED-Rückleuchten über. Das sieht schick aus und schafft auch einige zusätzliche Zentimeter in der Heckgarage. Beim Testfahrzeug aus der Vorserie schlug der Heckstoßfänger hörbar an der Heckwand dahinter an. Das sollte Weinsberg aber leicht in den Griff bekommen.
Der übrige Aufbau des CaraCompact 600 MEG Edition Pepper ist vertraut. Die Seitenwände bestehen aus ebenfalls 31 Millimeter dickem Sandwich mit Alu-Außenseite, und beim gleich starkem Dach spendiert der Hersteller eine Oberseite aus GfK zum besseren Schutz gegen Hagel.
Isoliermaterial in Dach, Wänden und Boden ist offenzelliges EPS, das bei einer Undichtigkeit Wasser aufnehmen könnte. Allerdings ist der Weinsberg sehr gut verarbeitet und abgedichtet. Aus diesem Grund geht auch die 41 Millimeter starke Sandwich-Bodenplatte mit Sperrholz-Ober- und -Unterseite in Ordung, welche die Weinsberg-Mitarbeiter auf das bewährte Tiefrahmenchassis des Fiat Ducato mit 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse montieren. Erfreulich stabil: die solide befestigten Alu-Aufbauschürzen.
Die Kunststoff-Fender am Übergang vom Aufbau zum Fahrerhaus laufen an ihrem unteren Ende zu Trittschwellern aus, die partiell am Blech des Fiat Ducato anliegen. Hier wäre eine Dichtnaht ebenso sinnvoll wie am Übergang von der GfK-Dachhutze zum Fiat-Dach. Das Aufstellfenster in der Hutze ist Serie wie auch das Panorama-Dachfenster über der Sitzgruppe. Alle Dachfenster und Klappen und beide serienmäßigen Garagentüren sowie die optionalen Rahmenfenster sind akkurat eingebaut. Erfreulich auch, dass Weinsberg den Schacht für die Fäkalkassette des Dreh-WC von Thetford gewissenhaft abdichtet.
Beim ansonsten unveränderten, bewährten Servicefach mit sehr gut bedienbaren Hähnen für Frisch- und Abwassertank hat Weinsberg die an sich praktische Bodenöffnung für den CEE-Stromanschluss aufgegeben und stattdessen einen CEE-Einspeisestecker in der Seitenwand installiert. Immerhin wurde hierdurch eine Kältebrücke beseitigt.
Auch beim Interieur des Weinsberg CaraCompact 600 MEG Edition Pepper hat sich einiges getan. Sehr ansprechend ist etwa die indirekte LED-Beleuchtung rund um die Oberschrankklappen, welche dann nebenbei auch die unterteilten Oberschränke ausleuchten.
Auch die neue zweistufige Treppe zwischen den Längsbetten kommt gut an: Sie lässt sich nach vorne ziehen, dabei folgt ihr der ausziehbare Holzlatten- rost für die Mittelpolster zwischen den Einzelbetten. Will der Camper dann bei fertig bezogenem Doppelbett an die Kleiderschränke in den Bettfußenden gelangen, schiebt er die Treppe einfach wieder nach hinten, während das Bett darüber so bleibt, wie es ist.
Die neue, ausgesprochen solide Schwenkwand im variablen Bad steht ebenso auf der Habenseite des Innenausbaus wie die nun in einer Nische der Heckgarage sehr gut zugängliche Elektrik. Dass einige Umleimer an den Möbeln sauberer verputzt sein könnten, mag dem Vorserien-Status des Testexemplars geschuldet sein. Dass in den Oberschränken jedoch nach wie vor die bereits beim Vorgänger kritisierten scharfkantigen Kunststoff-Schließbleche zum Einbau kommen, ist unverständlich. Davon abgesehen, liefert Weinsberg aber auch beim Innenausbau sehr gute Arbeit ab.
Die Halbdinette im Weinsberg CaraCompact 600 MEG ist guter Standard: Die rund 95 Zentimeter breite Zweier-Sitzbank mit voluminösen Kopfstüzen und Dreipunkt-Sicherheitgurten bietet guten Sitzkomfort, allerdings steht die Rückenlehne relativ steil – eine Lösung, die viele Hersteller wählen, um einige Zentimeter für Bad oder Schlafzimmer zu gewinnen.
Der stabile, 85 mal 50/45 Zentimeter große Einhängetisch lässt sich mit einem Schwenkteil erweitern, so dass auch der Urlauber auf dem gedrehten Beifahrersitz vernünftig an seinem Teller sitzt. Auch der Fahrersitz ist mühelos drehbar. Beide Sitze sind zudem höhenverstellbar. In der Sitzbanktruhe kommen Gas-Luft-Heizung Truma Combi 6 und Frischwassertank unter. Letzerer reicht zudem in das 13 Zentimeter hohe, beheizte Sitzgruppenpodest, mit dem Weinsberg den Übergang zum Fahrerhausboden schafft.
Im Schlafzimmer über der Heckgarage warten zwei Längs-Einzelbetten mit bequemen, nicht allzu festen Matratzen auf Holzlattenrosten auf zwei Urlauber. Die Liegeflächen, die sich wie beschrieben zum Doppelbett erweitern lassen, sind bequem über die stabile verschiebbare Treppe erreichbar. Zwei Schwanenhalslampen schaffen gutes Leselicht, wahlweise lassen sie sich auch auf blaues Licht schalten. Sie reagieren auf Berührung, allerdings auch, wenn man im Schlaf dagegen kommt. Vor dem Einschlafen sollte man sie daher aus dem Weg biegen.
Ansonsten sind im Schlafzimmer nur Betthaupt und Oberschrank indirekt beleuchtet, so dass der hintere Teil des CaraCompact 600 MEG recht dunkel ist. Auch ist das mit Absturzsicherung ausgestattete Fenster auf der Beifahrerseite ziemlich klein. Hier empfiehlt sich das für 395 Euro erhältliche Fenster auf der Fahrerseite.
Die Küche gefällt mit gut auch zum Fensterspiegel hin abgedichteter Arbeitsplattte, die sich zudem per Klappbrett erweitern lässt. Der unterteilte Oberschrank sowie der Unterschrank mit zwei breiten, stabilen Auzügen nehmen spielend Proviant und Geschirr der Reisenden auf. Große Spüle, elektrisch zündender Zweiflammherd mit 23 Zentimeter Brennerabstand und der mit 153 Litern Volumen üppig bemessene Kühlschrank runden die gute Ausstattung der Küche ab.
Das Bad punktet mit einer sehr stabilen, schwenkbaren Waschtischwand, einer Duschwanne mit drei Abläufen und einer raumsparenden Kunststoff-Gliedertür. Auf dem Dreh-WC bleibt genügend Platz und auch beim Duschen kommt keine Enge auf. Die Dachhaube könnte größer sein – ansonsten ist auch hier fast alles gut.
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