> Corigon Pure T70 S im Profitest: Nur billig oder auch gut?

Nur billig oder auch gut? Corigon Pure T70 S im Profitest

Premium-Badge von Reisemobil Caravan
10.04.2026
Text: Mathias Piontek | Bild: Hardy Mutschler

2025 stellte die Erwin Hymer Group ihre neue Marke Corigon vor. Die günstigen Fahrzeuge orientieren sich an Modellen von Etrusco. Besonders scharf kalkuliert: die Teilintegrierten Corigon Pure T70 LS und Corigon Pure T70 S. Letzterer stellt sich dem Profitest. Ist er nur billig oder auch gut?

In den vergangenen Jahren ist vieles teurer geworden. Das betrifft auch die Reisemobilbranche. Umso schöner, dass es immer noch Hersteller gibt, die Freizeitfahrzeuge zu günstigen Tarifen anbieten. Ganz vorn bei den Preiskrachern dabei: Corigon, die im letzten Jahr gegründete Marke der Erwin Hymer Group EHG. Produziert bei Laika in der Toskana, orientieren sich die Modelle technisch und optisch an jenen von Etrusco, die im selben Werk vom Band laufen. Etrusco und Corigon wiederum sind weitgehend baugleich mit den im sächsischen Neustadt gebauten Reisemobilen von Carado und Sunlight.

Die Produktpalette von Corigon ist momentan noch kleiner als bei den EHG-Schwestermarken. So sind bislang zum Beispiel keine Integrierten im Angebot.

Dafür aber zwei Teilintegrierte der Super-Günstig-Baureihe Pure. Der Kunde hat die Wahl zwischen zwei je 6,99 Meter langen Modellen auf Fiat Ducato mit 140 PS (103 kW) mit Einzelbetten über der Heckgarage und Bad und Küche beiderseits des Mittelgangs davor. Den Unterschied macht die Sitzgruppe: Beim Corigon Pure T70 LS ist es eine Face-to-Face-Sitzgruppe, während der Pure T70 S auf eine Halbdinette mit Seitensitz setzt.

Beide Modelle locken mit sehr attraktivem Grundpreis: 59.999 Euro. Was man dafür bekommt? Das soll unser Profitest des Corigon Pure T70 S zeigen.

Grundriss: Corigon Pure T70 S

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1. Karosserie

Beim Aufbau des Corigon Pure T70 S gibt es keine großen Überraschungen. Auf das originale Fiat-Tiefrahmenchassis mit 3,80 Meter Radstand montieren die Italiener eine 42 Millimeter starke Sandwich-Bodenplatte mit unempfindlicher GfK-Unterseite. Die Wände aus Sandwich-Platten mit GfK-Außenseiten sind 34 Millimeter dick, das Dach in Sandwich-Bauweise und GfK-Oberseite kommt auf 33 Millimeter. Diese Werte sind so auch bei teureren Fahrzeugen zu finden. Dass im Aufbau Holzleisten zum Einbau kommen und Corigon als Isolierung EPS verwendet, das im Falle eines Schadens am Aufbau Wasser aufnehmen könnte, ist angesichts des Grundpreises verständlich. Das Gleiche gilt für die einfach verriegelnde, fensterlose Aufbautür, die mit 58 Zentimetern aber angenehm breit ist sowie für die serienmäßigen vorgehängten Fenster. Für 799 Euro montieren die Arbeiter in San Casciano in Val di Pesa besser isolierende Rahmenfenster von Dometic – so auch beim Testwagen. Für 549 Euro lässt ein Aufstellfenster in der Dachhutze mehr Licht ins Innere.

„Auffälliges Merkmal der Super-günstig-Baureihe Pure ist die einfacher gestaltete Dachhutze. Von der Konstruktion her nicht schlecht, sollte Corigon sie aber nicht so lieblos abdichten.“ (Rudi Stahl, Karosseriebaumeister)

Dach, Wände und Boden sind zueinander sauber abgedichtet. Die einfachere Dachhutze des Pure entsteht aus der Verlängerung der Seitenwandteile und des Dachs und ist gut konstruiert, aber stellenweise lieblos abgedichtet. Auch stoßen die Fender am Übergang vom Aufbau zum Fahrerhaus teils direkt auf die Karosserie des Ducato. Die Aufbauschürzen unterlegt Corigon mit Gummi gegen Scheuern. Der mehrteilige, reparaturfreundliche Heckstoßfänger hat keinen Scheuerschutz, ist aber solide fixiert und passgenau. Mit dem nicht abgedichteten WC-Schacht befindet sich der Pure T70 S in bester Gesellschaft mit teils deutlich teureren Reisemobilen. Typisch im Einsteigersegment: der Garagenboden aus robuster, aber nicht isolierter Siebdruckplatte.

Alles in allem hinterlässt der Aufbau des Corigon einen soliden Eindruck.

Corigon T70S

2. Innenausbau

Wer den Corigon Pure T70 S betritt, erblickt einen Innenraum, der nahezu identisch ist zu jenem eines Etrusco Base. Einerseits wirkt das Interieur des unbepackten Fahrzeugs vielleicht etwas nüchtern, andererseits machen Bettzeug und Inventar oder ein gedeckter Tisch den Wohnraum ohnehin bunt und lebendig. Weniger ist manchmal mehr.

Fakt aber ist: Mit Ausnahme der etwas schwach verschraubten Aufnahme für den Einhängetisch ist das gesamte Mobiliar sehr stabil und vertrauenswürdig. Auch die Verarbeitung übertrifft teilweise jene deutlich teurerer Fahrzeuge. Und das variable Bad mit integrierter Dusche? Das bewährt sich schon seit Jahren so auch bei anderen Marken der EHG. Sehr erfreulich: Die Erweiterung der beiden Einzelbetten über der Heckgarage zum Doppelbett ist bereits im Grundpreis enthalten. Und so überzeugt der Innenraum des Corigon noch mehr als sein Aufbau.

„Das Mobiliar des Corigon Pure T70 S ist einfach konstruiert, aber stabil und überwiegend sehr gut verarbeitet. Nichts für schwache Hände ist der recht schwer zu drehende Knauf an der Innenseite der Badtür.“ (Götz Locher, Elektromeister)

3. Sitzen und schlafen

Im Gegensatz zum Schwestermodell T70 LS mit Face-to-Face-Sitzgruppe bietet der Corigon T70 S eine Halbdinette. Sie besteht aus einer Zweiersitzbank mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten, höhenverstellbaren Kopfstützen und Isofix-Befestigungen, den dreh- und höhenverstellbaren Vordersitzen mit je zwei Armlehnen, einem Seitensitz mit Staufach in der Sitztruhe sowie dem an der Seitenwand eingehängten Tisch. Der Sitzkomfort auf den gedrehten Vordersitzen ist gut und der Winkel der Rückenlehne der Sitzbank nicht zu steil. Die bis zu fünf Freunde umfassende Runde genießt auf allen Plätzen genügend Raum für Beine und Füße. Die Ausleuchtung der Sitzgruppe ist gut.

Auch das kann beim Test passieren: Durch einen Bedienfehler des Redakteurs drückte die Rückenlehne des zu weit nach hinten geschobenen Fahrersitzes die Tischplatte beim Drehen nach hinten, und hebelte so eine Schraube aus der Seitenwand. Die Halterung ließe sich vergleichsweise einfach mit einem Winkel, befestigt am massiven Raumteiler zum Fahrerhaus hin, deutlich stabilisieren.

Wer mehr als zwei Schlafplätze benötigt, bestellt die Sitzgruppe für 399 Euro umbaubar zu einem zusätzlichen Einzelbett oder, so wie im Testfahrzeug, das manuelle Hubbett für zwei Personen für 1.699 Euro. Einfach am zentralen Schieber entriegeln, herunterziehen und die Leiter einhängen – schon steht einer Nacht im Oberstübchen nichts mehr entgegen. Die Matratze ist zwar nur acht Zentimeter dick, ruht aber auf Federtellern. So ist der Liegekomfort ganz passabel. Was der findige Camper aber bestimmt nachrüsten wird, sind ein oder zwei Leseleuchten, denn die spart sich Corigon.

„Die Konsole des Fahrersitzes wählen viele Hersteller als Einbauort für Netzteil, Booster und Zwölf-Volt-Sicherungen. Corigon platziert die Geräte zudem auf einem Holzbrettchen: So stehen sie bei nassem Boden nicht gleich im Wasser.“ (Götz Locher, Elektromeister)

Reist man zu weit, sind aber ohnehin die beiden bequemen Einzelbetten über der Heckgarage die erste Wahl. Deren zwölf Zentimeter starken Matratzen auf gut unterlüfteten Holzlattenrosten bieten Schlafkomfort wie zu Hause und lassen sich serienmäßig mit Holzlade und Zusatzpolster zum vollwertigen Doppelbett erweitern. Dann erreicht man die Liegefläche statt über zwei Stufen über eine Einhängeleiter. Das Schlafzimmer ist recht schmucklos, aber mit zwei warmweißen LED-Lichtleisten unterm Oberschrank sehr angenehm ausgeleuchtet. Als Abtrennung nach vorn hängt Corigon im Pure T70 S eine halblange Gardine auf.

4. Küche und Bad

An der Küche gefallen das mit 135 Litern große Volumen des Kompressorkühlschranks, das gute Stauraumangebot sowie die vorbildliche Platzierung der Gasabsperrhähne unterhalb der mit Keder abgedichteten, recht großen Küchenarbeitsplatte. Einfacher Standard: die Herd-Spülen-Kombination unter zwei Glasdeckeln. Der Abstand der beiden per Piezokristall zündenden Gasbrenner beträgt 20 Zentimeter, reicht also eher für kleineres Kochgeschirr. Auch ist die Rechteckspüle mit neun Zentimetern nicht sonderlich tief.

Im variablen Bad auf der anderen Seite des Mittelgangs entsteht die Duschkabine durch Schwenken des Waschtischs samt Spiegel vor die Dreh-Toilette von Thetford. Diese EHG-Konstruktion bewährt sich seit Jahren. Das Waschbecken ist groß genug, und auf dem WC hat man genügend Platz. Einzig die Dachhaube könnte größer sein, und der Knauf an der Innenseite der Badtür ist schwer zu drehen. Ansonsten überzeugt auch das Bad.

„Hinsichtlich der Vorschrif- ten ist beim Corigon Pure T70 S alles im grünen Be- reich. Sehr gut: Die Schraubenköpfe am Gurtbock der Sitzbank sichert der Hersteller mit einem Schweißpunkt.“ (Achim Niethammer, Dekra-Sachverständiger)

5. Auf der Teststrecke

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Redaktion
Mathias Piontek
Mathias Piontek ist seit Juli 2006 im Team von Reisemobil Caravan und für die Fahrzeugtests zuständig.
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