Auf dem Caravan Salon erregte Pilote mit seiner frisch überarbeiteten Baureihe Galaxy einiges an Aufsehen. Die Bugpartie polarisiert und ist unbestritten das neue Gesicht der Marke. Ob der schmucke Franzose auch sonst überzeugt, das soll der Pilote Galaxy G740FGJ Evidence im Profitest zeigen.
Immer wieder bleiben Messebesucher stehen, gehen in die Hocke und betrachen die kantige Front mit ihren weit außen liegenden, eckigen Scheinwerfern und der kurzen, markanten Motorhaube. Einige winken ab, vielen aber gefällt der ungewöhnliche Auftritt der jüngst erneuerten Baureihe Galaxy von Pilote.
Die Serie umfasst neun Grundrisse mit Außenlängen von 7,07 bis 7,94 Metern. Modelle mit Einzelbetten über der Heckgarage sind ebenso im Angebot wie mit Queensbett oder mit Bad im Heck. Basis ist der Fiat Ducato mit originalem Tiefrahmen-Chassis oder bei den größeren Integrierten auch mit Chassis von AL-KO. Preislich besonders attraktiv sind die Evidence-Modelle, die zwar 10.000 Euro teurer sind als die Standardmodelle, jedoch Mehrausstattung im Wert von 16.340 Euro bieten.
Und so stellt sich dem Profitest der Pilote Galaxy G740FGJ Evidence ohne ein einziges zusätzliches Extra: Der Testwagenpreis entspricht also, abgesehen von Fracht und COC-Papier, dem Grundpreis: 97.900 Euro. Der 7,57 Meter lange Integrierte rollt auf Fiat Ducato mit originalem Tiefrahmenchasssis mit 4,4 Tonnen zulässiger Gesamtmasse, 2,2-Liter-Turbodiesel mit 132 kW/180 PS, Achtgang-Wandlerautomatik und vielen weiteren Dingen zum Kunden. So sind etwa auch ein 200-Ah-Lithium-Bordakku, 200-Wp-Solaranlage, 2.000-W-Wechselrichter und die Diesel-Luft-Heizung Truma Combi D 6E mit Elektro-Heizpatrone eingebaut.
Innen finden die bis zu vier Reisenden eine Face-to-Face-Sitzgruppe samt Hubbett darüber, eine Winkelküche mit separatem Kühlschrank, Raumbad mit WC-Raum und Duschkabine beiderseits des Mittelgangs sowie zwei Längs-Einzelbetten über der Heckgarage vor.
Auf das Fiat-Chassis montieren die Franzosen einen Aufbau, bei dem Dach und Wände aus Sandwichplatten mit GfK-Außenseite bestehen. Die Wände sind 30, das Dach 29 Millimeter stark. Die untere Bodenplatte mit GfK-Unter- und -Oberseite kommt auf 25 Millimeter. Ein 25 Millimeter dicker Laufboden darüber macht das Ganze zum technischen Doppelboden. So egalisiert Pilote die Höhendifferenz der unteren Bodenplatte zum Fahrerhausboden. Isoliermaterial ist Styropor, das im Falle einer Undichtigkeit des Aufbaus Wasser aufnehmen könnte.
Die sehr gut verarbeitete Bugppartie fertigt Pilote aus GfK. Motorhaube und Vorbau sind sehr stabil. Die markanten, kleinen Scheinwerfer geben helles, homogenes Abblendlicht und Fernlicht ab.
Auch die Kunststoffteile des Heckstoßfängers sowie die Applikationen am Heck sind sehr passgenau. Doch verzichtet der Hersteller auf Anti-Scheuer-Keder, sodass die Teile direkt an der Wand anliegen. Die stabilen Alu-Aufbauschürzen am unteren Ende der Seitenwände hingegen sind entsprechend geschützt.
Keine Hilfe beim Rückwärts-Rangieren für den Fahrer sind die an der Heckwand statt an den Seitenwänden installierten roten Umrissleuchten sowie die orangen Seitenbegrenzungsleuchten. Ihre Position ist aber vorschriftskonform.
Die Fahrertür mit Zentralverriegelung und elektrischem Fensterheber verriegelt doppelt und mit 54 Zentimeter hoher Schwelle ab der Straße kommt der Einstieg noch ohne zusätzliche Trittstufe aus.
Auch die Aufbautür ver- und entriegelt elektrisch. Das Türfenster hilft dem Fahrer beim Einsehen des Verkehrsgeschehens hinten rechts und dank elektrischer Trittstufe ist der Einstieg in den Wohnraum komfortabler als auf den Fahrerplatz. Rahmenfenster, Klappen und Dachhauben sind akkurat und ohne vorquellende Dichtmasse eingebaut.
Beim Eintritt durch die Aufbautür erwartet den Urlauber ein großzügiger Innenraum mit hellem Holzdekor. Das Mobiliar ist stabil, stellenweise aber von der Konsruktion her eher einfach: So setzt der Hersteller etwa Möbelklappen vor dem Korpus auf, statt sie einzupassen. Auch die planen Oberschrankklappen lassen sich vergleichsweise einfach herstellen, sind aber gleichzeitig auch modern.
Der Laufboden ist im Bad und zwischen den Einzelbetten um zwölf Zentimeter aufgedoppelt. Hier kommt ein Teil des Frischwassertanks unter. Der Abwassertank ist ebenfalls durch einen Bodendeckel erreichbar. Dieser Zugang befindet sich im vordersten Bodenstaufach des technischen Doppelbodens.
Die Face-to-Face-Sitzgruppe mit sich an den Seitenwänden gegenüberliegenden Sofas und zentralem Tisch mit dreh-, verschieb- und hälftig umlegbarer Tischplatte bezieht die dreh- und höhenverstellbaren Vordersitze mit je zwei Armlehnen ein. Hinsichtlich der Polsterung ist der Sitzkomfort gut, allerdings ist das fahrerseitige Sofa mit 51 Zentimetern rund zwei Zentimeter niedriger als das beifahrerseitige, sodass man hier etwas tiefer hinter der Tischplatte sitzt. Die Ausleuchtung der Sitzgruppe ist gut, allerdings gibt es keine Leseleuchten.
Beide Sofas lassen sich im Nu zu je einem Sitz in Fahrtrichtung und mit Dreipunkt-Sicherheitsgurt und genügend Fußraum umbauen. Hier hapert es bei vielen Konkurrenten an der Beinfreiheit.
Über der Sitzgruppe baut Pilote ein manuelles Hubbett für zwei Leute ein. Um es einsatzbereit zu machen, klappt der Urlauber beide Vordersitzlehnen um, entfernt die vorderen Rückenlehnenpolster der beiden Sofas, öffnet das Schloss vom Haltegurt und zieht das Hubbett herunter. Weil die Konstruktion im abgesenkten Zustand nirgends aufliegt, schwingt sie bei unruhigen Schläfern leicht zu den Seiten. Das tut der Stabilität des Hubbetts aber keinen Abbruch und man gewöhnt sich auch schnell daran. Die neun Zentimeter dicke Matratze ruht auf einem Holzlattenrost und ist über eine Einhängeleiter einfach zu erreichen – beides guter Standard.
Sehr schön: der umlaufende Baldachin aus hellem, durchleuchtendem Stretch-Stoff und die angenehm homogene, indirekte, zum Lesen geeignete Beleuchtung. Bei auffahrendem Hubbett erlischt diese dank Mikroschalter automatisch und entzieht so dem Bordakku im Verborgenen nicht versehentlich wertvolle Amperestunden.
Je eine schwenkbare LED-Leselampe installiert Pilote beiderseits des vorstehenden Betthaupts mit offenen Fächern zwischen den Kopfenden der Einzelbetten im Schlafzimmer. Die hier deutlich komfortableren zwölf Zentimeter dicken Matratzen liegen mit ihrem oberen Teil auf Holzlattenrosten, mit ihrem unteren Drittel auf je einem Holzdeckel. Klappt man diese, unterstützt von Gasdruckdämpfern, auf, gelangt man leichter an die Wäsche als über die jeweilige Schranktür.
Den Reedkontakt für die Schrankbeleuchtung sollte Pilote aber versetzen: Im Testfahrzeug schaltet sich die jeweilige Lampe ein, wenn man den Deckel öffnet, von oben also ohnehin Licht in den Schrank fällt. Bei geöffenter Schranktür aber bleibt alles dunkel. Die Einzelbetten erreicht man bequem über zwei je 22 Zentimeter hohe Stufen, bei Erweiterung zum Doppelbett per Einhängeleiter. Privatsphäre schafft die Holzschiebetür.
Statt einer bei diesem Grundriss oft verwendeten Winkelküche baut Pilote im Galaxy G740FGJ Evidence eine Küche mit gerader Front und rechteckiger Arbeitsplatte ein. Der Küchenspiegel um das Fenster ist stabiler als bei vielen Mitbewerbern.
In die Arbeitsplatte lässt der Hersteller einen zweiflammigen Herd von Thetford mit Glasdeckel und pflegeleichter Glas-Grundplatte ein. Mit 27 Zentimetern ist der Brennerabstand ganz passabel, auch für eine mittelgroße Pfanne.
Kochgeschirr und Proviant finden in einem der stabilen Auszüge im Unterschrank Platz. Zusammen mit dem unterteilten, durch die LED-Ambientebeleuchtung gut ausgeleuchteten Oberschrank reicht das Stauraumangebot gut aus.
Der separate Kompressorkühlschrank von Thetford mit Gefrier-Auszug und 158 Litern Rauminhalt ist für vier Camper ebenfalls praxisgerecht dimensioniert. Unterm Oberschrank leuchtet eine LED-Lichtleiste Herd und Spüle gleichmäßig aus.
Das Raumbad punktet mit viel Platz und guten Details: So fällt die Radkastenüberbauung der Duschwanne mit nur drei Zentimetern so niedrig aus, dass man sie beim Abbrausen kaum wahrnimmt. Duscharmatur und Brause machen einen soliden Eindruck und die Duschkabine ist akkurat mit weißer Dichtmasse verfugt. Die faltbare Acrylglas-Duschkabinentür schließt zu den Seiten und zur Duschwanne hin dicht ab. Unterwegs bleibt sie zuverlässig arretiert.
Über Dusche und WC-Raum mit Dreh-WC von Thetford und ausreichend großem Waschbecken, Spiegel und unterteiltem Kosmetikschrank baut Pilote ein Dachfenster ein. Die Tür mit stabilen Scharnieren und Magnetriegel dient geöffnet als Abtrennung zur Küche, zum Schlafzimmer hin übernimmt das die bereits genannte Holzschiebetür.
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