Teilintegrierte für Familien mit Face-to-Face-Sitzgruppe, Hubbett und Querbett über der Heckgarage sind momentan bei nur wenigen Herstellern zu finden. Einer davon ist Benimar aus Spanien. Der Tessoro T 444 auf Ford Transit stellt sich dem Profitest.
Wer ein Reisemobil für Familien und mit Doppel-Querbett über der Heckgarage sucht, landet oft beim Alkovenmobil – vielleicht nicht jedermanns Sache. Eine Alternative hat Benimar mit dem teilintegrierten Tessoro T 444 im Programm. Der Hersteller aus dem spanischen Peñíscola gehört zum französischen Trigano-Konzern und wird von Trigano Haus bei Euramobil im rheinhessischen Sprendlingen betreut. Der 7,35 Meter lange 3,5-Tonner basiert auf dem Ford Transit mit 2,0-Liter-Turbodiesel mit 130 PS (96 kW), Sechsgang-Schaltgetriebe und Frontantrieb.
Im vorderen Fahrzeugteil bringt Benimar eine großzügig bemessene und zur Liegefläche umbaubare Sitzgruppe mit elektrisch höhenverstellbarem Tisch unter. Darüber wartet ein elektrisch angetriebenes Hubbett auf seinen Einsatz und über der Heckgarage installiert der spanische Hersteller ein manuell höhenverstellbares Doppel-Querbett. Hinter der Aufbautür bleibt genügend Platz für die Küche und ihr gegenüber betritt der Urlauber das Bad mit abgeteilter Dusche.
Serienmäßig bietet der Benimar Tessoro T 444 vier Sitzplätze mit Dreipunkt-Sicherheitsgurt. Entsprechend den fünf Schlafplätzen ist als Option ein fünfter Sitzplatz im Angebot.
Der Basispreis für den großen Teilintegrierten beträgt 67.490 Euro. Mit 165 statt 130 PS (121 statt 96 kW), zwei Ausstattungspaketen und weiteren Extras kommt unser Testfahrzeug auf 76.020 Euro.
Abgesehen von den schlecht passenden, teils nicht verfugten Fendern zum Fahrerhaus hin macht der Aufbau des Benimar Tessoro T 444 einen sehr guten Eindruck: Auf das originale, an korrosionsgefährdeten Stellen gut gewachste Tiefrahmenchassis setzen die Spanier eine 62 Millimeter starke Sandwich-Bodenplatte mit schwarzer GfK-Unterseite. Die 29 Millimeter dicken Wände bestehen aus Sandwichplatten mit GfK-Außenseite. Für das Dach verwendet der Hersteller ein 54 Millimeter starkes Sandwich mit GfK-Oberseite. Somit ist der Aufbau vergleichsweise unempfindlich gegen Hagel oder Steinschlag. Als Isoliermaterial kommt geschlossenzelliges XPS zum Einsatz, das bei einem Schaden am Aufbau kein Wasser aufnimmt. Zudem ist der Aufbau, abgesehen von der oberen Sperrholzplatte des Fußbodens, holzfrei. Das alles verspricht eine lange Haltbarkeit der Kabine. Sehr gut: Die Rahmenfenster statt einfacher vorgehängter Fenster sind ebenso serienmäßig wie das Fenster in der doppelt verriegelnden Aufbautür. Die stets zweitürige Heckgarage stützt sich auf einer Rahmenverlängerung ab, ist vollisoliert und trägt bis zu 225 Kilogramm. Abgesehen von den erwähnten Fendern, sind alle Anbauten wie Heckstoßfänger, Aufbauschürzen und hintere Radläufe passgenau und solide befestigt. Zwei Leisten an der Heckwand erleichtern den Anbau eine Fahrradträgers. Die Rückfahrkamera liefert ein übersichtliches Bild ans Display im Armaturenbrett.
Beim Innenausbau des Benimar Tessoro T 444 gibt es viel Licht und etwas Schatten: Einerseits ist das stabile Mobiliar mit vielen technischen Details ausgestattet, die es anderswo nicht einmal gegen Aufpreis gibt. Hierzu gehören das manuell höhenverstellbare Querbett im Heck, der elektrisch absenkbare Tisch und der stabile Apothekerauszug mit zwei Pushlocks als Verriegelung. Die Einhängeleiter zum stabilen Hubbett lässt sich sicher fixieren und zudem für eine höhere Position der Liegefläche ausklappen. Andererseits könnte die Verarbeitung der Möbel etwas mehr Feinschliff vertragen. Die wenigsten Möbelumleimer sind entgratet und an weniger offensichtlichen Stellen finden sich teils unversiegelte Sperrholz-Schnittkanten. Diese Dinge lassen sich aber mit wenig Aufwand beheben und schränken weder Alltagstauglichkeit noch Haltbarkeit des Mobiliars nennenswert ein, sind also in erster Linie optischer Natur.
Schlafen und Sitzen sind Paradedisziplinen des Benimar Tessoro T 444. Das Doppel-Querbett mit 200 mal 132 Zentimeter großer und elf Zentimeter dicker, relativ weicher Matratze ist an vier Gurten aufgehängt und in vertikalen Schienen geführt und lässt sich mit einer Kurbel von der Heckgarage aus um 33 Zentimeter in der Höhe verstellen. Hierbei bleibt stets genügend Abstand zum Oberschrank an der Heckwand. Die Liegefläche erreicht man über zwei Stufen mit Staufächern unter den Trittflächen oder über eine Einhängeleiter. Etwas Privatsphäre entsteht nach Zuziehen der Gardine. Zum Lesen installiert Benimar zwei LED-Schwenkspots.
Zwei weitere Schlafplätze hält das elektrisch stufenlos höhenverstellbare Hubbett mit 190 mal 140/120 Zentimeter großer, elf Zentimeter starker Matratze auf Holzlattenrosten bereit. Zwei Camper entern es über eine ausklappbare und arretierbare Einhängeleiter. Sehr gut: Die stabile, an vier Gurten aufgehängte, in zwei vertikalen Schienen geführte, wackelfreie Konstruktion trägt beachtliche 230 Kilogramm. Nicht so gut: Der Schalter für das Hubbett lässt sich ohne Schlüsselsicherung auch von Kindern bedienen. Prima: Die hintere rechte Kante des Hubbetts, die, wie üblich bei abgesenkter Liegefläche, in die Öffnung der Aufbautür reicht, rundet Benimar ab. Bei manchem Mitbewerber kann man sich hier verletzen.
Die Face-to-Face-Sitzgruppe, bestehend aus L-Sitzbank, großem Tisch, Seitensitzbank und den dreh- und höhenverstellbaren Vordersitzen, lässt sich mit zwei Zusatzpolstern, die in den Kleiderschrank passen, zu einer weiteren 210 mal 90 Zentimeter großen Liegefläche umbauen. Hierzu ist der Tisch elektrisch stufenlos absenkbar. Das funktioniert gut, doch sind auch für diesen Antrieb die Schalter für Kinder leicht zu erreichen. Sehr gut: Die verschieb- und drehbare Tischplatte arretiert sich selbst. So kann sie unterwegs nicht ungewollt hin und her rutschen. Zum Lösen hebt der Urlauber eine Klinke unter der Tischplatte. Das Platzangebot der Sitzgruppe ist für vier Leute sehr gut, für fünf gut. Die Ausleuchtung mit direkter und indirekter LED-Beleuchtung ist hell – manchem mag sie etwas zu kaltweiß erscheinen. Die L-Sitzbank stattet Benimar mit zwei Dreipunkt-Sicherheitsgurten aus. Für mehr Beinfreiheit unterwegs lässt sich der mittlere Teil des L-Schenkels mühelos entfernen. Während in der Sitzbanktruhe der Frischwassertank frostgeschützt unterkommt, nimmt der vordere Teil des L-Schenkels den Gas-Warmwasserboiler auf. Den Innenraum erwärmt eine unterflur montierte Dieselheizung. Ein fünfter Sitzplatz entgegen der Fahrtrichtung entsteht, indem man den hinteren Teil der beifahrerseitigen Sitzbanktruhe über den vorderen schiebt, Polster umarrangiert und eine Kopfstütze am seitlichen Raumteiler zum Fahrerhaus anklettet. Das Rückenpolster ohne stabilisierende Einlage und ohne Fixierung stützt sich nach vorn an der Rückenlehne des Beifahrersitzes ab. Diesen Sitz mit Beckengurt sollte man höchstens als Notlösung nutzen.
Die homogen ausgeleuchtete Küche bietet eine große, an den Rändern per Keder abgedichtete Arbeitsplatte, die sich mit einer seitlichen Ablage zum Einhängen erweitern lässt. Während die Rundspüle schön groß ist, eignet sich der elektrisch zündende Zweiflammherd eher für kleineres Kochgeschirr. Das Stauraumangebot ist sehr gut, zudem sind Besteckschublade, Auszug und der nebenstehende Apothekerauszug mit zwei Verriegelungen sehr stabil. Der 137-Liter-Absorberkühlschrank reicht für vier Leute gut aus.
Im Bad, das der Urlauber durch eine stabile Badtür und über eine 20 Zentimeter hohe Stufe betritt, räumt Benimar der Dusche eine abgeteilte, geräumige Kabine mit gut schließenden Acrylglastüren ein. Das Wasser findet seinen Weg in den Abwassertank durch zwei große Abläufe. Auch auf der Drehtoilette ist genügend Platz und das Waschbecken gut bemessen. Den Waschtisch dichtet Benimar sauber ab, doch kann Wasser zwischen Waschtisch und Duschkabine laufen. Ansonsten aber überzeugt auch das Bad des Benimar Tessoro T 444.
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