Eribas Mittelklassecaravan heißt nun Novaline und ist innen massiv überarbeitet. Dabei ist ein sehr schlichter, sehr moderner Entwurf herausgekommen, in dem doch alte Tugenden weiterleben. Mit dem Novaline 495 ist hier ein klassischer Paargrundriss im Test.
In jeder Hinsicht neu durchdacht will der Eriba Novaline neue und alte Kunden ansprechen. Außen zeigt der Aufbau die typischen PUAL-Attribute mit integrierten Rundungen statt aufgesetzter Kantenelemente, PU-Isolierung und Glattblech. Klare Linien im Dekor und moderne LED-Heckleuchten mit angedeutetem Bridge-Light runden den eleganten Auftritt in Weiß ab. Das Mobiliar soll ein wohnliches warmes Ambiente schaffen. Im Testwagen ist das neue Möbeldekor Biarritz mit warm-dunkler Holzoptik und hellen stoffbespannten Wänden kombiniert mit Polstern in Cinnamon, das ist aber eher beige. Es gibt noch Dunkelgrau und Grün. Abgerundet wird das Interieur durch Marmor- und Betonoptik in Küche und Bad sowie mattschwarze Armaturen. Die indirekt beleuchteten Dachstauschränke unterstreichen den hohen Anspruch.
Der Novaline bietet zahlreiche technologische Highlights, die das Reisen entspannter machen sollen, das meiste aber als Extra. Der Wagen lässt sich auf Wunsch mit jeder Menge digitaler und autarker Technik ausstatten. Schon die serienmäßig integrierte Eriba Connect App ermöglicht eine intuitive Überwachung von Wasserstand und Batteriestatus via Smartphone.
Der fast komplett aufgerüstete Testwagen zeigt, was geht: Das Autarkiepaket mit AGM-Batterie und die Solaranlage sorgen für netzunabhängige Stromversorgung. Statt der serienmäßigen Truma Vario Heat heizt diesen Novaline digital gesteuert die Truma Combi 4, inklusive 10 Liter großem Boiler. Die Dachklimaanlage und das voll integrierte Entertainmentsystem mit 22-Zoll-TV und DAB-Radio machen gute Laune, eine Markise sorgt bei Bedarf für Schatten. All das hat aber auch seinen Preis: gut 16.000 Euro kosten die Extras im Testwagen. Damit kommt der Novaline 495 auf fast 50.000 Euro – ein stolzer Preis, der erst einmal gerechtfertigt sein will.
Der neue Novaline hat den einzigartigen Pual-Aufbau, der keine Feuchtigkeit aufnimmt, was nach wie vor beste Voraussetzungen in Sachen Dauerhaltbarkeit schafft. Das edle Glattblech passt bestens dazu, es sieht einfach wertiger aus, und der Novaline ist auch nahezu frei von irgendwelchen sichtbaren Wellen in den Wänden. „Das ist bei Glattblech fast unvermeidbar, und man muss hier schon genau hinsehen, um das festzustellen“, stellt Karosseriemeister Rudi Stahl fest.
Die Qualität des Eriba-Aufbaus zeigt sich auch in anderen Details. So ist weder an den Kantenprofilen noch sonst wo vorquellende Dichtmasse sichtbar.
Der Flaschenkastendeckel schwingt an seiner Mechanik leicht nach oben und gibt den ausreichend großen Zugang zum aufgeräumten und gut abgedichteten Raum für die Flaschen frei. Zuvor muss aber der optionale Fahrradträger nach vorn geklappt werden, nachdem zwei Schnappverschlüsse gelöst sind.
Der Toilettenschacht, ein von Feuchtigkeit bedrohter Bereich, ist weniger gut abgedichtet, „das dürfte besser aussehen, hier gibt es zu viele offene Schnittkanten.“
Eriba verzichtet auf Karosserieschürzen, so sind das Chassis und die unterm Wagen verbaute Technik sichtbar. Die Kurbelstützen sind trotzdem vor allem hinten unter dem Heckleuchtenträger nur mäßig gut erreichbar. „Die Fenster sind vorgehängte Ausführungen“, so Stahl, „dafür sind aber die Komfort-Plissee-Rollos top.“ Die einteilige Tür des Novaline ist normalbreit, punktet im Testwagen mit Fliegenschutz, zwei Haken, schicker Griffleiste und Einhängeschiene für zusätzliche Utensilienboxen oder derlei. Der Heckleuchtenträger mit dem teilweisen Leuchtband zwischen den neuen LED-Leuchten schafft einen sehr modernen Abschluss für den dezent modern gestalteten Aufbau.
Nach einer Runde um den „schlichten und wertigen Novaline“ so TÜV-Ingenieur Roman Heinzle, gilt sein Blick dem Flaschenkasten. Die Gasbehälter sind doppelt gesichert und die Entlüftung reicht aus, da ist alles in Ordnung. Etwas unpraktisch sind die mit dem Halter verschraubten Gurte für die Flaschen, „wenn man diese schon fixiert, dann doch so, dass alle Schnallen gut erreichbar sind“, tadelt Heinzle.
An Kantenradien und Beleuchtung hat der Profi am Novaline nichts auszusetzen. Natürlich fällt ihm die umfangreiche Ausstattung auf. „Außenanschlüsse für Gas, Wasser, Strom und TV, dazu die Klimaanlage, der Rangierantrieb samt Batterie und die APP-Anbindung mit diversen Sensoren – da bleibt wenig bis nichts zu wünschen übrig.“
Innen punktet bei ihm die LED-Beleuchtung mit viel indirektem Licht. Der Rest der Ausstattung wie Boiler, Batterie oder Entertainmentsystem sind gut verbaut. Ein Lob bekommt der 154 Liter große Kompressorkühlschrank, „da fällt der Zweiflammkocher fast etwas aus der Reihe“, meint der TÜV-Mann, „aber im Grunde reichen zwei Kochstellen den Allermeisten aus.“
Auch die Stromversorgung ist im Novaline 495 fast überall top. „Fast überall nur deshalb, weil es im Schlafabteil nur USB-Anschlüsse gibt und keine 230-Volt-Steckdose gibt. USB-A und USB-C gehen zum Handyladen völlig in Ordnung.“ Mit dem Movingpaket kommen zusätzliche Steckdosen in der Sitzgruppe. Im Bad ist eine Steckdose im rechten Deckenschrank verborgen, und in der Küche gibt es davon zwei an der erhöhten Stellfläche rechts. Zwei mal 230 Volt und einmal 12 Volt finden sich auch am TV-Platz.
„Wer gern minimalistisch modern wohnt, findet die Einrichtung ganz sicher klasse“, urteilt Schreinermeister Oli Pfisterer beim Blick in den Novaline. Die Mischung der Klappen und Stautruhen in dunklem Holzdekor mit den grauen Küchenfronten und der hellen Wandbespannung zum ebenfalls hellgrauen Bad-Kleiderschrankblock zeigt ein klares Gestaltungskonzept, „da passt alles sehr gut zusammen“. Wie weit die Möbeltechnik mit der Optik mithält, zeigt der weitere Rundgang.
Die Verarbeitung ist anstandslos, so viel wird schnell deutlich. Kanten, Umleimer, Stoßfugen, das alles ist sauber ausgeführt. Die Abdichtung in den Nassbereichen ist ebenfalls gut, Schwächen findet der Möbelprofi aber in der Konstruktion und der Montage. So schleifen die Türen von Bad und Kleiderschrank an der Klimaanlage, „das muss nicht sein, kann natürlich an der Vorserie liegen.“ Und mit dem gerafften Duschvorhang an der Wand bleibt die Toilette nicht offen. „Auch das ein Unding, wenn jedoch leicht zu ändern. Und die unschön an die Wand geschraubte Radlaufverkleidung im Bad über dem schicken Boden ist auch ein optischer Ausreißer.“
Konstruktiv fallen ihm die Sitztruhen negativ auf. Deren Deckel sind in die Sitzpolster integriert. Damit lassen sie sich öffnen, ohne die Rückenlehne wegzunehmen. „Eine gute Idee, hier aber schlecht umgesetzt. Die lose liegenden Sitzflächen rutschen jedes Mal in die Truhen, weil die Auflagefläche fehlt. Da sowas bei Eriba ungewöhnlich ist, dürfte das in der Serienfertigung später anders aussehen“, ist sich Pfisterer sicher, „so ist es lästiger, als wenn man ganz klassisch die Rückenlehne wegnehmen muss.“
Die Beschläge sind teilweise top, teilweise einfach. Die Klappen und Schubladen schließen sanft per Softclose-Mechanik. Die Schranktüren fallen aber ungebremst laut zu. Auch die Lattenroste ohne Härteverstellung findet der Schreinermeister in dieser Preisklasse eher unpassend. Die Bettaufsteller sind kraftvoll und halten die Lattenroste samt Matratzen und Bettzeug sicher offen.
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