Ein Wohnwagen, der sich hinter dem Auto klein macht und erst am Zielort groß wird: Damit kommt ein E-Zugfahrzeug weiter. Der Dethleffs c.fold, Dethleffs Idee eines aerodynamischen Campers im Check.
Die Kombination von E-Auto und Caravan schafft bekanntermaßen Zielkonflikte. Die elektrische Reichweite schwindet massiv mit Anhänger am Haken. Und das umso schneller, wenn sich der Caravan mit breiter Brust in den Wind stemmt. Klein und leicht ist mithin die Devise, das ruft nach neuen Lösungen mit leichtem Material und unkonventionellen Ideen. Das geht nur mit innovativem Aufwand in der Konstruktion und modernem Material. Herausgekommen ist der Dethleffs c.fold. Doch der Reihe nach.
Monika und Peter Machart wollten den optimalen Caravan für ihr E-Auto. Im Spannungsfeld zwischen Wohnraum, Stauraum, Gewicht und Komfort entwickelte Peter Machart seine eigene Idee vom Klappcaravan. Wobei der gar nicht auf- und zuklappen sollte, sondern die obere Hälfte über die untere absenken. Mit der Grundidee in Form eines feinen handgemachten Modells machte er sich auf die Suche nach einem Hersteller, um daraus ein echtes Projekt zu machen. Bei Dethleffs wurde er fündig. Die Isnyer haben mit ihrem Coco nicht nur Erfahrung beim Einsatz modernen Leichtbaumaterials und neuer Techniken im Caravanbau. Sie haben zudem das Innovation Camp hinter sich – die Spezialisten der Erwin Hymer Group für neue Denkansätze.
Über ein Jahr später war der c.fold-Prototyp fertig. Der soll mit dem unterwegs niedrigen Aufbau 100 Kilometer mehr Reichweite beim E-Auto bringen können. Aufwendig ist schon der Unterbau. Einzelradaufhängung und Luftfederung mit integrierter Wiegefunktion und automatischer Nivellierung mit elektrischen Hubstützen sind wahrlich kein Standard.
Unerwartet umfangreich bei all dem Augenmerk aufs Gewicht ist die Bordtechnik mit zwei 150-Ah-Lithium-Ionen-Batterien und Solarpanels, die über den 2.000-Watt-Wechselrichter nicht nur die Klimaanlage versorgen.
Für den Leichtbau sorgen Wände aus Alucore, einer leichten, stabilen Aluminium-Wabenstruktur mit einer Isolierung aus recyceltem PET. Mit Filz verkleidete Innenwände sorgen für angenehmes Raumklima, nichts sieht hier nach Sparprogramm aus.
Wie so oft steckt der Teufel aber im Detail. Nicht nur ist für das angepeilte Gewicht ein Aufbau aus Aluwabenmaterial mit spezieller Klebetechnik gefragt. Die Abdichtung zwischen den beweglichen Aufbauteilen gegen Sogwirkung ist mindestens so wichtig wie gegen einfachen Regen. Die übereinander gleitenden Wände funktionieren nicht mit den üblichen Rollos an den Fenstern, die tragen viel zu sehr auf. Es sind deutlich flachere Lösungen für Verdunkelung und Fliegenschutz gefordert.
Sollen die Dachschränke im Heck immer waagerecht hängen, müssen sie sich bewegen, wenn der Aufbau zusammenfährt. Auch sollte der Aufstellmechanismus komfortabel elektrisch funktionieren, ohne Handkurbeln oder dergleichen. Und so kam eine Herausforderung nach der nächsten bei der Entwicklung des wohl innovativsten Caravans der letzten Jahre. Ein großes Projekt, das nicht nur im Innovation Camp in Baienbronn Anklang fand, auch die diversen Zulieferer haben sich wirklich engagiert, um neue Lösungen für die spannenden Fragen zu finden.
Das Resultat beeindruckt, und mit etwas Glück ist für die Vermarktung eine technisch reduzierte und noch leichtere Variante denkbar, die preislich in die Nähe dessen kommen könnte, was auf der Messe CMT Anfang des Jahres bei der Umfrage als akzeptabler Preis herauskam.
Mehr Infos: www.dethleffs.de