Seit März 2026 haben wir einen neuen Dienstwagen: den Tourne Cruise 6.4 mit Längsbetten und einer zusätzlichen Schlafmöglichkeit im eigentlichen Essbereich. Die Redaktion nimmt ihn ein halbes Jahr lang mit auf Tour – hier lest Ihr unsere Eindrücke.
Die noch junge slowenische Marke Tourne bietet mit der Modellreihe Cruise zwei gut ausgestattete Einstiegsmodelle: den 6.0 und den 6.4 – beides auf Peugeot Boxer. Die Wahl des Basisfahrzeugs ist nicht verwunderlich, wenn man die Firmenhistorie kennt: Der Inhaber von Tourne führte zuvor eine Peugeot-Niederlassung in Vrhnika, nahe Ljubljana. Der Wunsch, Camper auszubauen, entstand vor zehn Jahren mit der Aufnahme der Peugeot-Nutzfahrzeuge ins Portfolio. 2025 folgte dann der Umzug der Camping-Sparte nach Pivka im Süden des kleinen Landes. Hier, ins neue Werk, lud man auch CamperVans ein – und im Anschluss durften wir einen Cruise 6.4 mit in den Dauertest nehmen.
Hier findet Ihr unsere Eindrücke in Form eines Dauertesttagebuchs – laufend aktualisiert.
Ausgestattet ist der Cruise 6.4 mit Längsbett im Heck und dem Dream4System, einem Umbaubett in der Dinette, das eine zusätzliche 185 x 115 Zentimeter große Liegefläche bietet. Sonst ist der Grundriss klassisch: Küchenzeile in Fahrtrichtung rechts, links hinter der Sitzbank ist das Bad untergebracht. Eine Thetford-Drehtoilette und das optionale Duschpaket sorgen hier für maximalen Komfort. Gegenüber ist die Küche, sie punktet mit dem hochgesetzten Kühlschrank und den aufgeteilten Schubladen.
27.03.2026 – Tibor
Die Aufgabe war klar: Tibor fliegt nach Zagreb, wird dort vom Kontaktmann abgeholt und nach Ljubljana kutschiert. Abendessen, Übernachtung im Hotel, dann geht’s ins Werk in Pivka. Gesagt, getan und nicht schlecht gestaunt. Mein Kontaktmann Miha war eine lustige Gesellschaft auf dem Weg von Zagreb nach Ljubljana, das Essen im Michelin-Sterne-Restaurant hat vorzüglich geschmeckt und das Hotelzimmer war fast so komfortabel wie eine Nacht im Camper.
Die richtige Überraschung kam aber erst am nächsten Tag: Im neuen Werk von Tourne kann man fast vom Boden essen. Geschäftsführer David erklärt es mir folgendermaßen: „If you have a clean workplace, your mind will be clean as well. And your product, too.“
Dass die Jungs und Mädels ihren ganzen Stromverbrauch über Solar decken und mit ihren Holzabfällen nicht nur die eigenen Hallen beheizen, sondern auch ins Fernwärme-Netz der Stadt einspeisen, überrascht mich nach diesem Statement gar nicht.
Nach einer kleinen Einweisung ins Fahrzeug rolle ich um 15 Uhr schon alleine durch das Tor des Werksgeländes. Das Ziel: Stuttgart. Das Navi verspricht sieben Stunden reine Fahrzeit. Der 2,2-Liter-Turbodiesel schiebt ordentlich an, die Automatik sortiert die acht Gänge souverän, das Fahren klappt. Und selbst bei 130 km/h wird das Mobiliar nicht zu laut.
Der Schlüssel zum vergleichsweisen klapperfreien Ausbau liegt vermutlich daran, dass die Innenwände sehr großzügig mit Armaflex (einem Schaumstoff) gedämmt werden. Die Möbel pressen dagegen und haben weniger Bewegungsfreiheit. Die Oberschränke werden mit angeschweißten Konsolen verschraubt, sodass sie sich beim Fahren auch nicht bewegen. Auf der langen Nachtfahrt punktet die Toilette, da ich mir die Autobahnraststätten und die WC-Gebühr sparen kann. Um 23:30 rolle ich dann vor meiner Wohnung in Stuttgart aus – der Job ist erledigt
27.04.2026 – Tibor
Wo treffen sich Jim Morrison, meilenweit gerade Straßen, Paprikawurst und Dieselgeruch? Richtig, beim Camping mit den Kindern!
Auf das Bild bin ich ziemlich stolz. Geschossen wurde es auf der M44, einer niegelnagelneuen Autobahn im Süden Ungarns. Auf 200 Kilometern wurden wir dreimal überholt – und versägten selbst drei LKWs. Warum die Autobahn so leer ist? Sie ist in Ungarn mautpflichtig. Und Ungarn ist das fünftärmste Land der EU.
Der Osterurlaub 2026 fing für meine Kids und mich am 2. April an. Losfahren wollten wir in aller Frühe, in den Ferien bedeutet das etwa 11 Uhr. Noch ein letztes Mal auf die Toilette, noch ein paar Getränke beim Aldi, einer hat doch noch plötzlich Hunger. Aber dann sangen The Doors: Keep your eyes on the road and your hand up on the wheel.
Nach Fahren kommt Schlafen: das große Längsbett im Heck des Cruise 6.4 erweist sich auch zu dritt als komfortabel. Ich selbst gelte als „gut gebauter Camper“, aber meine Kids (8 und 12) gleichen das aus. Die Liegefläche besteht aus fünf Polstern, aber der Bezug und der Topper halten das Ganze zusammen. Diesen Kompromiss geht man gerne ein, zumal so sich die Liegefläche in drei Segmenten nach oben klappen lässt. Beim Herunterklappen kommt dann die Spitzzange zum Einsatz, weil sich die Steckschnalle eines Fangbands nicht mehr lösen lässt. Übrigens, weil eBay-Kleinanzeigen auch im Urlaub nicht fehlen darf, füllt sich der Stauraum allmählich mit Fundstücken. In Franken kommt der Receiver dazu, in Österreich ein paar alte Scheinwerfer, aus denen ich zeitnah (nie) ein paar Schreibtischlampen bauen werde. In Ungarn kaufen wir dann Wurst und Räucherschinken, dieses Paket reist – und duftet – unter dem Bett mit.
Was habe ich anfangs erzählt? Ungarn sei eines der ärmsten Länder der EU? Geht man nach dem BIP pro Kopf, ist das tatsächlich so. Und der Zustand der Landstraßen bestätigt die Statistik. Weit weg vom Touristenmagneten Plattensee sind die Straßen derart von Schlaglöchern überseht, dass ich auf 70 km/h abbremsen muss. Zwei Tage später reißt der Reifen vorne rechts auf. Der nächste Reifenhändler schenkt mir einen gebrauchten. Arm, ja, aber herzlich.