> Neuer Hersteller, neues Chassis, neue Modellgeneration bei Ahorn Camp

Ahorn Camp T 690 im Profitest: Teilintegrierter auf Renault Master mit Hubbett

04.01.2026
Text: Mathias Piontek | Bild: Hardy Mutschler

Viele Jahre ließ Ahorn Camp aus Speyer seine Fahrzeuge bei Rimor fertigen. Ab sofort kommen die Modelle zwar immer noch aus der Toskana, doch produziert sie nun die Erwin Hymer Group. Und zwar auf neuem Renault Master.

Selten sind komplett neue Reisemobile so komplett neu wie beim komplett neuen Sortiment bei Ahorn Camp.
Da wäre zunächst einmal der aktuelle Renault Master. Ahorn Camp ist der erste Anbieter, der sein gesamtes Produktportfolio auf dem neuen großen Gallier anbietet. Und nicht nur das: Bediente sich der bisherige Produzent beim früheren Renault Master für seine Teilintegrierten und Alkovenmobile der Version mit Flachbodenchassis, greift der neue Produzent branchenüblich auf das besser zugängliche Tiefrahmenchassis zurück.
Neuer Produzent – weitere spektakuläre Neuheit – ist die Erwin Hymer Group (EHG). Sechs Teilintegrierte, drei Alkovenmobile sowie zwei Campervans, ebenfalls auf Renault Master, laufen im Werk von Laika, Etrusco und Corigon vom Band.

Im Profitest: der Ahorn Camp T 690 First Edition. Der 6,99 Meter lange Teilintegrierte bietet mit Einzelbetten über der Heckgarage, Bad und Küche in der Mitte, L-Sitzgruppe mit Seitensitz im Bug und optionalem Hubbett einen beliebten Grundriss. In der Basisversion mit 2,0-Liter-Turbodiesel und 130 PS (96 kW) beträgt sein Grundpreis attraktive 61.900 Euro, plus beachtliche 2.450 Euro Abwicklungspauschale für COC-Dokumente, Gasprüfung, Reinigung und Einweisung.

Grundriss: Ahorn Camp T 690 First Edition

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1. Karosserie

Auf das Tiefrahmenchassis des Renault setzen die Mitarbeiter in der Toskana eine 42 Millimeter starke Sandwichplatte mit GfK-Unterseite. Die Seitenwände des Aufbaus entstehen aus 34 Millimeter dickem Sandwich mit GfK-Außenseite und das Dach aus 33 Millimeter-Sandwich mit GfK-Oberseite. Als Isoliermaterial kommt EPS zum Einsatz, das im Falle einer Undichtigkeit Wasser aufnehmen könnte. Dies ist in dieser Preisklasse aber durchaus üblich, und zudem ist der Aufbau sehr gut verarbeitet und gewissenhaft abgedichtet. Insgesamt entspricht die Machart der Kabine weitgehend jener bei Etrusco und Corigon.

Deshalb kommt nun bei der Heckgarage ein nicht isolierter Boden aus Siebdruckplatte statt wie früher ein isolierter Sandwich-Garagenboden zum Einbau – doch das lässt sich verschmerzen. Sehr gut: Die höherwertigen, besser isolierenden Rahmenfenster von Dometic statt einfacher Vorhängefenster sind ebenso Serie wie die zweite Garagentür sowie das Fenster in der einfach verriegelnden Aufbautür von Hartal. Lediglich das Aufstellfenster in der Dachhutze ist Option. Sämtliche Fenster, Dachhauben und Außenklappen sind sehr ordentlich eingebaut.

„Beim neuen T 690 ver- wendet Ahorn Camp statt des Flachbodenchassis ein Tiefrahmenchassis, das sich bei der Wartung viel besser kontrollieren und vor Korrosion schützen lässt.“ (Rudi Stahl, Karosseriebaumeister)

Die Schürzen an den Seitenwänden unterlegt der Hersteller mit einem Gummikeder, damit sie nicht an der Kabine scheuern können. Der reparaturfreundlich mehrteilig ausgeführte Heckstoßfänger, die hinteren Radläufe und die Fender am Übergang von der Kabine zum Fahrerhaus hingegen haben direkten Kontakt zum Aufbau oder Lack des Fahrerhauses. Die Dachhutze wiederum ist zum Fahrerhausdach hin mit einer Dichtnaht versehen.

Der Gasflaschenkasten für zwei Elf-Kilogramm-Flaschen ist sauber zum Innenraum hin abgedichtet und die Bodenentlüftung mit Drahtgitter gegen Tierbesuche und darunter liegendem Spritzschutzblech vorbildlich ausgeführt. Der WC-Schacht ist nicht abgedichtet, aber immerhin setzt Ahorn Camp eine Auffangwanne für kleinere Leckagen ein. Insgesamt erhält der Käufer einen einfachen, aber sehr gut verarbeiteten Aufbau, der viele Jahre Freude bereiten dürfte. Übrigens: Sämtliche Fahrzeuge von Ahorn Camp sind technisch gesehen auf 3,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse abgelastete Viertonner, die sich ohne technische Änderungen wieder auflasten lassen.

Foto: Hardy Mutschler

2. Innenausbau

Beim Betreten des neuen Ahorn Camp T 690 huscht dem Betrachter zunächst ein Schmunzeln, dann ein Lächeln übers Gesicht. Ersteres, weil der Innenausbau viele Parallelen zu Fahrzeugen von Carado, Sunlight, Etrusco und Corigon aufweist, Letzteres, weil der Innenausbau gegenüber Ahorn Camps früherer Produktion erheblich an Qualität gewonnen hat. Nichts wackelt, alles hinterlässt einen soliden Eindruck.

Auch das Finish überzeugt: Fast sämtliche Umleimer an den Möbelkanten sind sauber entgratet und von überflüssigem Kleber befreit. Die Scharniere und Möbelaufsteller sind ebenfalls stabil. Die Arbeitsplatte der Küche ist zur Seitenwand wie zum angrenzenden Bettfußende hin mit Kunststoffkedern abgedichtet.

Dass die Holzlattenroste der Längsbetten nicht aufstellbar sind, um einfacher an die Kleiderschränke in den Bettfußenden zu gelangen, lässt sich gut verschmerzen. Lediglich den Deckel des Staufachs in der unteren Bettstufe sowie die Holzschnittkanten des Bodenstaufachs im aufgedoppelten Fußboden unter der Sitzgruppe sollte Ahorn Camp gegen Nässe schützen. Insgesamt hinterlässt also auch der Innenausbau des Ahorn Camp T 690 First Edition einen sehr guten Eindruck.

„Der Innenausbau leugnet seine Herkunft nicht: Die Erwin Hymer Group montiert im Ahorn Camp T 690 ein stabiles Mobiliar mit saube- rem Finish. Löblich: Die Ecke des Hubbetts will der Hersteller entschärfen.“ (Tilo Kiess, Sachverständiger Tischler-/Schreinerarbeiten)

3. Sitzen und schlafen

Die hell ausgeleuchtete Sitzgruppe formiert sich aus der L-Sitzbank, Seitensitz, Tisch sowie den drehbaren Vordersitzen mit Armlehnen und bietet fünf Personen Platz. Die L-Sitzbank stattet Ahorn mit zwei Dreipunkt-Sicherheitsgurten und höhenverstellbaren Kopfstützen aus. Isofix-Befestigungen sind in Vorbereitung.

Für mehr Beinfreiheit während der Fahrt lässt sich der L-Schenkel im Nu demontieren. In der Sitzbank kommen die Gas-Luft-Heizung Truma Combi 4 CP Plus sowie ein solides Metallgestell für den Bordakku mit Platz für eine zweite Batterie unter. Die Truhe des Seitensitzes mit seitlicher Klappe steht als Stauraum bereit. Die große Tischplatte lässt sich verschieben und drehen.

Weniger überzeugend: Zum Drehen der Vordersitze muss der Camper die Fahrerhaustüren öffnen, und bei geschlossenen Türen müssen die gedrehten Sitze fast 180 Grad zur Fahrtrichtung stehen. Das funktioniert im Fiat Ducato deutlich besser.

Zur Nacht genügt ein Druck auf den Knopf, dann fährt das optionale elektrische Hubbett herunter. Hierzu muss der Urlauber an der Sitzgruppe nichts umbauen. Aber: Er muss sicherstellen, dass weder in der 230-Volt-Steckdose noch in der USB-/USB-C-Steckdose über dem L-Schenkel der Sitzbank ein Kabel eingesteckt ist – sonst ist es danach kaputt. Hier prüft Ahorn Camp, ob es möglich ist, die Steckdosen etwas tiefer zu platzieren.

„Netzteil und 12-V- Sicherungen sind in der Fahrersitzkonsole geschützt und bei nach hinten geschobenem Ge- stühl leicht zugänglich. Auch die übrige Elektrik ist gut verlegt. Doch die Steckdosen unterm Hub- bett sollte man verlegen.“ (Götz Locher, Elektromeister)

Sitzt das Hubbett in unterster Position, entert eine Person die acht Zentimeter starke Matratze auf Holzlattenrosten über eine Einhängeleiter mit Verriegelungen. Hierbei wackelt an der Konstruktion nichts. Zwei LED-Spots und ein Dachfenster erhellen das Oberstübchen.

Noch bequemer als das Hubbett sind die beiden Einzelbetten über der Heckgarage. Die zwölf Zentimeter dicken Matratzen liegen auf Holzlattenrosten und lassen sich wie bereits beschrieben zum Doppelbett erweitern. Oberschrank und Betthaupt illuminiert Ahorn Camp indirekt mit LED-Bändern, und zwei LED-Leisten spenden Licht zum Lesen, ohne dabei die Kopffreiheit einzuschränken. Als Abtrennung des Schlafzimmers fungiert eine halblange Gardine.

4. Küche und Bad

Die Küche mit robuster, gut abgedichteter Arbeitsplatte stattet Ahorn Camp mit zweiflammigem Gasherd mit Piezozündung und großer Rundspüle aus, beide mit Glasdeckeln. Weil der Absorberkühlschrank im Unterschrank verbaut ist, fällt sein Volumen mit 89 Litern nicht übermäßig groß aus. Recht viel Stauraum bietet der unterteilte Oberschrank, von dessen Unterseite aus eine LED-Leiste die Küche hell und gleichmäßig ausleuchtet.

Das variable Bad im Ahorn Camp T 690 ist ein guter Bekannter aus dem EHG-Regal. Zum Duschen schwenkt der Waschtisch samt Spiegel vor die Drehtoilette von Thetford. Sowohl beim Duschen als auch bei weggeklappter Dusche hat der Urlauber im Bad genügend Platz. Einziges Manko im Bad: die kleine Dachhaube.

„Zusätzlich zu den her- kömmlichen Verschraubungen und Verklebungen fixiert Ahorn Camp die Bodenplatte am Chassis des Renault mit Halteprofilen. Und auch sonst: alles im grünen Bereich.“ (Achim Niethammer, Dekra-Sachverständiger)

5. Auf der Teststrecke

Dank seines großen Radstands von 421 Zentimetern fällt der Hecküberhang des Ahorn Camp T 690 recht kurz aus. 

Der Renault Master punktet mit sicherem Fahrwerk, niedrigem Fahrgeräusch und geringem Verbrauch.

Weil der Ahorn Camp T 690 technisch gesehen ein Viertonner ist, bietet er bei Beladung auf 3,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse gute Sicherheitsreserven. Und so durchfährt der Proband mit serienmäßigem Tiefrahmenchassis den doppelten Fahrspurwechsel mit 55 km/h den 18-Meter-Slalom in 13,9 Sekunden. Beide Werte sind etwas besser als der Durchschnitt. Ursächlich hierfür ist in erster Linie der recht lange Radstand in Verbindung mit einem dadurch vergleichsweise kurzen Hecküberhang.

Das ESP greift gut dosiert, bei abruptem Eintreten eines Grenzbereichs entsprechend beherzt ein. Sämtliche Reaktionen des Teilintegrierten sind vom Fahrer gut zu beherrschen.

Bei der Komfortmessung, unter anderem bei Fahrt über Kopfsteinpflaster Belgisch Block, absorbiert die Vorderachse an McPherson-Federbeinen Fahrbahnstöße gut, die Hinterachse an einlagigen Stahl-Längsblattfedern passabel.

Bei der Geräuschmessung gefällt der Ahorn Camp T 690 First Edition mit geringem Motorengeräusch, moderaten Roll- und Windgeräuschen sowie geringen Geräuschen aus dem Innenausbau. Leicht zu beseitigende Haupt-Geräuschquelle: die klappernde Glasplatte des Gasherds.

Das Basisaggregat des Renault Master mit 130 PS (96 kW) und 1.997 cm³ Hubraum wirkt in Verbindung mit der langen Getriebeübersetzung an Steigungen und bei niedrigen Motordrehzahlen etwas zugeschnürt, gefällt aber mit sparsamem Verbrauch und relativ niedrigen Drehzahlen bei hoher Endgeschwindigkeit. Optional ordert der Kunde 170 PS (125 kW).

Die Rundumsicht für den Fahrer ist nach vorn wegen der wuchtigen Motohaube mäßig, zu den Seiten und nach hinten gut. Die optionale Rückfahrkamera liefert ein leicht unscharfes, aber brauchbares Bild.

6. Innenleben auf einen Blick: Schnittbild

7. Testfazit

8. Technische Daten und Ladetipps

Hersteller

Ahorn Camp GmbH
Franz-Kirrmeier-Straße 8
67346 Speyer
06232/100280
www.ahorn-camp.de

Basisfahrzeug: Renault Master mit originalem Tiefrahmenchassis; vorn: Einzelradaufhängung mit McPherson-Federbeinen; hinten Starrachse an einlagigen Stahl-Längsblattfedern; Frontantrieb; Reifen vorn/
hinten: 215/75R16C

Motor und Getriebe: Vierzylinder-Turbodiesel mit AdBlue; Hubraum: 1.997 cm3; Leistung: 130 PS (96 kW) bei 3.500/min; max. Drehmoment: 350 Nm bei 1.400-2.500/min; Sechsgang-Schaltgetriebe
Abgasnorm: Euro VI; E; M, N

Maße und Massen

Zul. Gesamtmasse: 3.500 kg; Masse in fahrber. Zustand: 2.917 kg; Außenmaße (L x B mit/ohne Außenspiegel x H): 699 x 270/232 x 285 cm; Radstand: 421 cm; zul. Anhängelast gebremst/ungebremst: 2.000/750 kg

Karosserie: Boden: Sandwich 42 mm mit GfK-Unterseite; Seitenwände: Sandwich 34 mm mit GfK-Außenseite; Dach: Sandwich 33 mm mit GfK-Oberseite; Isoliermaterial: EPS; Fahrerhaus mit originaler Verglasung; Aufbau mit Rahmenfenstern; Aufbautür 58 x 187 cm, mit Fenster, einfacher Verriegelung und vertieftem Einstieg; Garage zweitürig; nicht isolierter Garagenboden aus Siebdruckplatte; Rahmenverlängerung unter Heckgarage

Wohnraum: Innenmaße (L (B-Säule bis Heckwand) x B x H): 446 x 218 x 209 cm; Stehhöhe unter Hubbett: 187 cm; Höhe Sitzgruppenpodest: 14 cm; variables Bad mit integrierter Dusche und 1 Dachhaube; Möbel aus Sperrholz/Multiplex; Metallaufsteller; Besteckschublade und Klappen mit Soft-Close

Ausstattung im Testwagen (Auszug)

  • Frontairbags, ABS, ESP, ASR: Serie
  • Start-Stopp-Automatik: Serie
  • 130 PS (96 kW): Serie
  • Basis abgelastet von 4,0 t: Serie
  • 80-Dieseltank: Serie
  • Aufbau mit GfK-Außenseiten: Serie
  • Isolierung EPS: Serie
  • Rahmenfenster: Serie
  • Aufbautür mit Fenster: Serie
  • Heckgarage zweitürig: Serie
  • Frischwassertank frostsicher: Serie
  • Abwassertank nicht isol./beh.: Serie
  • Gas-Luft-Heizung Combi 4: Serie
  • Zweiflammkocher mit Piezo: Serie
  • 89-l-Absorberkühlschrank: Serie
  • Batterieladegerät 22 A: Serie
  • Renault Chassis Pack u. a. m. Fahrerhausklimaanlage, LED-Scheinwerfern, Tempomat/-limiter, Reifendrucksensoren und Allwetterreifen (10 kg): 1.900 €
    Comfort Pack u. a. m. Ladebooster, Aufbaubatterie 96 Ah, 230-V-Steckdose in
  • Küche und Garage, LED-Außenleuchte, Insektenschutztür, Vorbereitung für Klima-, Sat- und Solaranlage (43 kg): 1.490 €
  • Assistance Pack Renault: Spurhalte-, Notruf-, Notbremsassistent und Müdigkeitswarner (0 kg): 390 €
  • Fenster in Dachhutze (7 kg): 690 €
  • Markise (40 kg): 1.290 €
  • Solaranlage 120 W (10 kg): 1.190 €
  • obligatorische Abwicklungspauschale (0 kg): 2.450 €

Fahrzeugpreis

Grundpreis: 61.900/64.350 €
Testwagenpreis: 75.460 €

Ladetipps

Der getestete Ahorn Camp T 690 First Edition ist mit Extras ausgestattet, die insgesamt 174 kg wiegen. Mit 100 % Frischwasser, Gas und Diesel sowie mit 70 kg Inventar an Bord bleiben bei zwei Campern samt Gepäck 136 kg Restzuladung. Mit vier Erwachsenen an Bord wäre das Fahrzeug in dieser Konfiguration um 34 kg überladen. Da jedoch das Hubbett für eine Person ausgelegt ist, dürfte die Zuladekapazität für die meisten Käufer ausreichen. Mit etwas weniger Gepäck oder etwas weniger Extras geht die Rechnung auch bei vier Reisenden auf. Oder man lastet den Ahorn Camp auf 4,0 Tonnen zulässige Gesamtmasse auf.

Redaktion
Mathias Piontek
Mathias Piontek ist seit Juli 2006 im Team von Reisemobil International und für die Fahrzeugtests zuständig.
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