Die Tessoro-Baureihe von Benimar spielt mit dem spanischen Wort für Schatz. Kürzester Vertreter ist der Sechs-Meter-Teilintegrierte T 481.
Die Marke Benimar hat sich einen Ruf erarbeitet als Anbieter besonders familienfreundlicher Reisemobile. Die Teilintegrierten mit Hub- und Querbett plus Heckgarage kommen gut an. Da reibt man sich verwundert die Augen, was beim Tessoro T 481 aus diesem erfolgreichen Grundkonzept geworden ist. Denn der ist nur sechs Meter lang und damit 135 Zentimeter kürzer als beispielsweise der in unserer Ausgabe 8/2025 getestete Tessoro T 444.
Um es vorwegzunehmen: Auch der 481er erfreut mit einem äußerst wohnlichen Innenraum mit genügend Platz, um sich dort gerne mal längere Zeit aufzuhalten, etwa an einem verregneten Urlaubstag. Geblieben ist die großzügig bemessene und zur Liegefläche umbaubare Sitzgruppe im vorderen Fahrzeugteil. Auch das darüber befindliche elektrische Hubbett ist weiterhin an Bord.
Durch die Innenbreite von 2,18 Meter, in Kombination mit einer Innenhöhe von 2,10 Meter ergibt sich ein komfortables Raumgefühl. Selbst unter dem hochgefahrenen Hubbett können noch 1,87 Meter große Menschen stehen. In der Küche mit 150-Liter-Kompressorkühlschrank, Rundspüle mit hochwertiger Armatur, zweiflammiger Kochstelle und großen, gut erreichbaren Staufächern herrscht ebenfalls kein Platzmangel.
Der Aha-Moment kommt, wenn man ins Heck das Fahrzeugs gehen will. Da läuft man nämlich buchstäblich gegen die Wand. Auf 6 Meter Gesamtlänge kann eben auch Benimar keine Wunder vollbringen. Eine Heckgarage sucht man im T 481 ebenso vergeblich wie ein zusätzliches Querbett. Von außen betrachtet verleihen die ungewöhnlichen Abmessungen dem kurzen Benimar eine knuffige Optik, irgendwo zwischen Paketlaster und Raumkapsel. Vielleicht mit dem Unterschied, dass die Cupola, das Aussichtsfenster auf der Raumstation ISS, beim Benimar „Skyview“ heißt und sich nicht im Unity-Modul, sondern über dem Fahrerhaus befindet. Als „Beobachtungsstand für die Erderkundung“ taugen beide. Womit wir im Schlafgemach des Tessoro angekommen wären. Hat man das Hubbett per Knopfdruck herabgelassen und per Leiter erklommen, steht einer entspannenden Nacht mit seitlichem Blick in den Sternenhimmel nichts mehr im Wege. Die dicke Matratze bietet angenehmen Liegekomfort, einzig das grelle Licht der Deckenspots ist der Gemütlichkeit abträglich.
Ein paar gewöhnungsbedürftige Details: Die Stufe zum Badezimmer ist mit 20 Zentimeter recht hoch; die Handbrause lässt sich nur senkrecht in der Halterung fixieren; die Bedieneinheit für die Warmwasserbereitung ist unglücklich platziert, tief hinter dem Fahrersitz; das Hochziehen des Frontrollos ist etwas fummelig. Die hellen Bezüge der Vordersitze schließlich machen einen sehr schmutzempfindlichen Eindruck, zudem warfen sie in unserem Testfahrzeug bereits unschöne Falten.
An die Adresse des Chassisherstellers Ford möchten wir den Wunsch formulieren, die Empfindlichkeit des Müdigkeitswarners nachzujustieren. Schon nach kurzer Zeit ermahnt die Technik, man möge beide Hände ans Lenkrad nehmen oder besser gleich eine Pause einlegen. Das nervt. Ansonsten darf sich der Fahrer aber auf eine zeitgemäße Assistenz verlassen. Serienmäßig an Bord sind unter anderem eine Berganfahrhilfe, ein Kollisionswarner und ein adaptiver Tempomat, der die eingestellte Geschwindigkeit auch bei Bergabfahrten hält.
Materialqualität und Verarbeitung des Tessoro T 481 hinterlassen einen positiven Eindruck. Beispielhaft seien die soliden Scharniere der Stauklappen erwähnt oder das ansprechend gestaltete Bad mit stabiler Holzeinlage in der Dusche. Unser Testfahrzeug verfügte über das optionale Plus-Pack für 2.795 Euro, eine empfehlenswerte Investition. Darin enthalten sind neben dem erwähnten Skyview-Fenster (68 x 91/106 cm) Annehmlichkeiten wie Verdunkelungsplissees und Rollos, aber auch ein 200-Watt-Solarpanel und eine Aufbautür mit zwei Verriegelungsbolzen.
Als leistungsstark und angenehm simpel in der Bedienung erwies sich die 4-kW-Webasto-Dieselheizung (zum Starten einfach am Drehregler die Temperatur einstellen). Das Upgrade auf die 5,5-kW-Version kann man sich diesseits der Antarktis sparen. Zwar hat der Benimar nur 29 Millimeter dicke Sandwich-Wände, dafür aber eine mit 62 Millimetern sehr starke Sandwich-Bodenplatte. Und zudem ist der Innenraum ja auch nicht allzu groß. Mit dem Aufpreis für die von uns gefahrene 160-PS-Version mit 8-Gang-Automatikgetriebe (1.490 Euro, Standard: 130 PS Handschaltung) ergibt sich ein Testwagenpreis von 69.175 Euro (Grundpreis: 64.890 Euro). Über das Fahrverhalten des Ford ist nur Positives zu berichten.
Lenkung und Feder-/Dämpfersysteme sprechen gut an, was Komfort und Sicherheitsgefühl zugutekommt. Nur beim Spurwechsel ist Vorsicht geboten, im toten Winkel auf der Beifahrerseite übersieht man leicht ein ganzes Fahrzeug, trotz Zusatzspiegel und Blick durchs Seitenfenster. Die Windgeräusche haben wir als vergleichsweise leise wahrgenommen, auch das Mobiliar verhielt sich angenehm ruhig während der Fahrt. Mit dem kultivierten, starken 160-PS-Motor ist man im T 481 an Steigungen und beim Beschleunigen jederzeit souverän unterwegs – wenn’s sein soll auch mal schneller als 130 km/h, selbst voll beladen. Und beladen kann man diesen Benimar.
Denn selbst bei unserem üppig ausgestatteten Testfahrzeug bleiben mit vier Personen, vollem Kraftstoff- und Wassertank noch 210 Kilogramm Ladereserve. Eher könnte der vorhandene Stauraum ein Problem werden. Denn davon gibt es im Tessoro T 481 erwartungsgemäß nicht allzu viel. Eine tolle Idee mit hohem praktischem Nutzwert ist der große Kleiderschrank in der Fahrzeugmitte, dessen untere Hälfte obendrein von innen und außen zugänglich ist, ideal für Kabeltrommel und Auffahrkeile. So gerüstet, möchte man den Tessoro T 481 eigentlich gleich auf eine Reise in seine spanische Heimat entführen.
Mit dem Tessoro T 481 ist Benimar ein clever konstruiertes Reisemobil gelungen. Der Grundriss erzeugt trotz des vergleichsweise kurzen Aufbaus dank hohem Dach und breitem Innenraum ein bestechendes Raumgefühl mit komfortabler Bewegungsfreiheit. Die Verarbeitung ist gut, der Ford als technische Basis auf der Höhe der Zeit. Mit Details wie der hohen Stufe zum Bad oder dem nervigen Müdigkeitswarner werden sich die meisten Käufer arrangieren können.
Weil auch der Preis stimmt, bietet Benimar hier ein attraktives Gesamtkonzept, das vor allem Paare ansprechen dürfte, die einerseits die Wendigkeit eines Sechs-Meter-Teilintegrierten schätzen, aber zugleich nicht auf ein üppiges Raumangebot verzichten wollen. Der Clou ist die beruhigende Ladereserve: Selbst mit vier Personen und vollen Tanks wird dieser Tessoro kaum an seine Grenzen stoßen. Damit empfiehlt er sich als echter 3,5-Tonner für sichere Reisen ohne Reue.
Serienausstattung u. a.: Fahrer- und Beifahrerairbag, ABS, ESP, Traktion Plus, Berganfahrhilfe, elektrische Fensterheber, Rahmenfenster, holzfreier Aufbau, Dach, Boden und Wände, Bugmaske und Heck GfK-Sandwich, Fahrerhaus-Klimaautomatik, elektrische Parkbremse, adaptiver Tempomat, Verkehrszeichenerkennung, Spurhalteassistent, Aufbautür mit doppelter Verriegelung, höhenverstellbarer elektrischer Teleskop-Esstisch, 150-l-Kompressorkühlschrank, 80-Ah-Batterie.
Extras erhältlich: Motor 165 PS mit Automatik 1.490 €, Plus-Pack 2.795 € u. a. mit Dachfenster Skyview, Solarpaneel 200 W, Verdunkelungsplissees, Halogen-Kurvenlicht, Rückfahrkamera; Winter-Pack u. a. mit erhöhter Heizleistung, Northautokapp-Pack u. a. mit Bi-Xenon-Scheinwerfer, beheizter Frontscheibe;
Heavy Chassis 4.100 kg Grundpreis: 64.890 € Testwagenpreis: 69.175 €
www.benimar.es/de/
Bereits in der 3,5-Tonnen-Basis-Version bietet der Benimar Tessoro T 481 absolut praxisgerechte Zuladekapazitäten für zwei und auch für vier Camper. Allerdings ist der Stauraum knapp bemessen.