> Ratgeber: Feste Shampoos, Duschgels und Spülmittel

Fest statt flüssig

10.04.2024
Text: Maren Siepmann | Bild: Hersteller, Maren Siepmann

Plastikfrei, sparsam, biologisch abbaubar: Feste Shampoos, Duschgels und Spülmittel halten Einzug in immer mehr Badezimmern und Campern. Sind sie wirklich so umweltfreundlich, wie sie versprechen?

Zehn Flaschen Shampoo und elf Flaschen Duschgel – so viel verbraucht jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr. Klingt nicht viel? Hinzu kommen noch mehrere Flaschen Flüssigseife sowie Spülmittel. Multipliziert mit 83 Millionen Einwohnern macht das: mehr als 2.000 Millionen Plastikflaschen. Jedes Jahr. Nur in Deutschland. Müll, der sich vermeiden lässt. Denn feste Shampoos, Duschgels und Spülmittel bilden längst keine kleine Öko-Nische mehr.

Immer mehr Anbieter konventioneller Flüssigprodukte haben mittlerweile feste Alternativen im Sortiment. Diese sind vor allem auch für Camper interessant, denn sie schonen in mehrfacher Hinsicht Umwelt und Ressourcen und helfen so dabei mit, sich als Urlauber im Ausland verantwortungsvoll zu verhalten. Wenn die Produkte auch noch zertifizierte Naturkosmetik sind und auf Inhaltsstoffe wie Mikroplastik, Palm- und Erdöl oder Silikone verzichten – umso besser.

Die Vorteile: Feste Mittel …

• … benötigen keine Plastikverpackung
• … sind klima- und ressourcenschonend: aufgrund von Verpackung und niedrigeren Gewichts sparen sie CO2, das bei Herstellung und Transport anfällt
• … ersetzen laut Stiftung Warentest zwei bis drei Flaschen mit flüssigem Mittel, da sie seltener überdosiert werden
• …kommen in der Regel ohne Konservierungs-, Farb- und Duftstoffe aus, da sich Bakterien und Pilze ohne Wasser nicht vermehren können
• … sind praktisch auf Reisen, da sie nicht auslaufen können

Flüssige Produkte hingegen schneiden in allen oben genannten Punkten schlechter ab. Sie verursachen Millionen Tonnen Plastikmüll, verursachen mehr CO2, werden häufig überdosiert, benötigen Konservierungsmittel und laufen – wenn man Pech hat – unterwegs auch noch aus. Und was genau soll der Vorteil davon sein, dass in ihnen bereits 70 bis 90 Prozent Wasser enthalten ist? Unter der Dusche ist das doch überhaupt nicht nötig.

Ein schneller Blick ins Badezimmer – bei einem Vier-Personen-Haushalt kommen ganz schön viele Plastikflaschen zusammen.
Foto: Maren Siepmann

Undurchsichtige Inhaltsstoffe

Wer länger darüber nachdenkt, muss vor allem als Camper zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass feste Mittel in jeder Hinsicht die bessere Alternative sind. Einzig der Preis mag zunächst abschrecken: Fünf Euro für ein Stück Duschgel? Doch denken Sie noch einmal daran, dass ein festes Mittel zwei bis drei Flaschen flüssiges Produkt ersetzt. Da relativiert sich der Betrag ganz schnell. Und am Ende ist das feste Mittel möglicherweise sogar günstiger.

Allerdings – ganz so einfach ist es nicht. Denn was genau in den festen Shampoos, Duschgels und Spülmitteln enthalten ist, ist für den Endkunden kaum zu durchschauen. Beim Blick auf die Inhaltsstoffe wird einem schwindlig. Begriffe wie Aqua, Glycerin oder Parfum mögen noch selbsterklärend sein. Doch dass sich hinter Guar Hydroxypropyltrimonium Chloride einfaches Guarkernmehl verbirgt – wer soll das wissen?

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Seifen versus seifenfrei

Viele feste Shampoos und Duschgels werben – neben zahlreichen weiteren Versprechen – auch damit, „seifenfrei“ zu sein. Doch was genau bedeutet das? Seifen entstehen, wenn Öle oder Fette mit Laugen verkocht werden. Sie besitzen einen basischen pH-Wert von mehr als 9. Seifenfreie Produkte enthalten hingegen waschaktive Substanzen, die durch chemische Synthese gewonnen werden, und werden deshalb auch als Syndets (synthetic detergents) bezeichnet. Sie lassen sich beliebig auf den mit 5,5 leicht sauren pH-Wert der Haut einstellen. Zusätzlich zu festen Shampoos gibt es jedoch auch feste Haarseifen. Hierbei handelt es sich tatsächlich um Seife – sie enthalten die Salze von Fettsäuren als waschaktive Substanz. Diese reagieren in Wasser alkalisch und bewirken, dass die Schuppenschicht der Haare aufquillt – die Haare wirken stumpf. Außerdem können sich in Verbindung mit hartem Wasser schwer lösliche Kalkseifen bilden. Bei Verwendung einer Haarseife empfiehlt es sich daher, nach der Wäsche eine saure Spülung (ein bis zwei Esslöffel Essig mit einem Liter Wasser) über die Haare zu gießen, um die Schuppenschicht wieder zu glätten.

Feste Spülmittel lassen sich ganz einfach mit einem feuchten Schwamm oder einer Spülbürste aufnehmen und schäumen anschließend gut auf. Ihre Handhabung unterscheidet sich kaum von der flüssiger Mittel.
Foto: Foto: Maren Siepmann

Je weniger, desto besser

Grundsätzlich gilt in Sachen Inhaltsstoffe: je weniger, desto besser. Je länger die Liste, desto wahrscheinlicher sind problematische, potenziell allergieauslösende oder umweltschädliche Stoffe enthalten. Und: Je weiter vorn in der Liste ein Inhaltsstoff auftaucht, desto größer ist sein Anteil am Gesamtprodukt. Inhaltsstoffe am Ende der Liste sind in der Regel nur mit einem minimalen Anteil enthalten. Hinzu kommt: Der Begriff „Bio“ ist bei Kosmetik – anders als bei Lebensmitteln – nicht geschützt. Es ist also durchaus möglich, dass er als Namensbestandteil verwendet wird, obwohl längst nicht alle Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau stammen.

Problem Greenwashing

Und damit sind wir bei einem großen Problem: Greenwashing. Noch nie gehört? Greenwashing bezeichnet die Tatsache, dass Hersteller ihre Produkte umweltfreundlicher erscheinen lassen, als sie tatsächlich sind. Wie sie das tun, wo die Grenze zur Verbrauchertäuschung liegt und wie die EU dagegen vorgehen will – mehr dazu im Interview mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband.

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff Naturkosmetik, auch dieser ist nicht gesetzlich geschützt. Wer Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs bevorzugt, sollte sich laut Verbraucherzentrale nicht auf die Werbung verlassen, sondern sich an Naturkosmetiksiegeln orientieren. Denn diese sind strenger als das Gesetz und verbieten mehr Inhaltsstoffe als die EU-Kosmetik-Verordnung.

Hersteller von zertifizierter Naturkosmetik müssen daher folgende Standards einhalten:

• Inhaltsstoffe auf Erdölbasis, Silikone und PEG (Polyethylenglykole, in konventionellen Produkten als Emulgatoren oder Schaumbildner eingesetzt) sind verboten.
• Problemstoffe für Umwelt und Gesundheit wie Mikroplastik und zahlreiche Konservierungsstoffe sind verboten.
• Es gelten strengere Verbote für Tierversuche.

In Deutschland sind vor allem das NATRUE-Siegel sowie das COSMOS/BDIH und das COSMOS/Ecocert-Siegel auf zertifizierter Naturkosmetik zu finden. Daneben findet sich auf einigen Produkten außerdem noch das Vegan-Label der Vegan-Society. Allerdings bedeutet Naturkosmetik nicht automatisch auch „Bio“. Sowohl beim NATRUE- als auch bei den COSMOS-Siegeln gibt es die Zertifizierungsstufen Naturkosmetik (Natural) und Biokosmetik (Organic). Bei letzterer muss zumindest ein hoher Anteil der Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau stammen.

Fazit

Naturkosmetik, Bio, Vegan: Den Durchblick zu behalten, ist extrem schwierig. Wer kein Experte ist, erkennt kaum, welche Inhaltsstoffe in festen Shampoos, Duschgels und Spülmitteln wirklich enthalten sind. Und kann damit auch nicht einschätzen, wie umweltschonend die Produkte sind. Eine gute Orientierung bieten jedoch Siegel wie das NATRUE- oder COSMOS-Siegel, die höhere Standards haben als der Gesetzgeber. Doch selbst wer ein festes Produkt erwischt, das sich grüner gibt, als es tatsächlich ist – die Plastikflasche spart der Nutzer damit auf jeden Fall. Und das ist ja auch schon jede Menge wert.

Einen Test von insgesamt 13 festen Shampoos, Duschgels und Spülmitteln lesen Sie hier.

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Tipps zum Gebrauch

• Festes Duschmittel/Shampoo zwischen den nassen Händen aufschäumen und auf Kopf und Körper verteilen.
• Beim Aufschäumen nicht mit Wasser sparen und vor allem bei Shampoos und Haarseifen, falls nötig, auch immer wieder etwas Wasser auf die Haare geben. • Gleiches gilt beim Ausspülen: Vor allem bei Haarseifen den Nacken und die Ansätze hinter den Ohren
nicht vergessen.
• Alle Mittel nach Gebrauch gut trocknen lassen und vor Durchfeuchtung schützen.
• Sinnvoll ist eine Seifenbox oder ein Säckchen, in dem die Mittel gelagert werden und nach Gebrauch trocknen können.
• Feste Spülmittel am besten mit einem feuchten Schwamm aufnehmen. Dieser funktioniert besser als eine Spülbürste, weil er mehr Spülmittel aufnimmt.
• Da die meisten Hersteller von Spülmitteln in ihre Produkte eine Überfettung einbauen, die die Haut vor Austrocknung schützen soll, empfiehlt es sich, sowohl Geschirr als auch Hände nach der Anwendung mit warmem Wasser gut abzuspülen.
• Kleine Reststücke lassen sich in einer sauberen, leeren Flasche mit warmem Wasser auflösen. Diese Lösung sollte jedoch möglichst bald verbraucht werden – fehlende Konservierungsstoffe ermöglichen eine schnelle Vermehrung von Bakterien oder Pilzen.

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Redaktion
Maren Siepmann
Maren Siepmann ist seit August 2014 bei der Reisemobil International und für die Themen Praxis & Zubehör zuständig.
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