Bei Bürstner gibt es wieder Mittelklasse-Caravans. Der Bürstner Averso Plus 520 TL mit Hubbett und Einzelbetten für Familien und Paare im Profitest.
Drei Jahre hatte Bürstner bei den Caravans keine Mittelklasse im Programm. Seit einiger Zeit gibt es den Averso und Averso Plus mit Hubbett wieder. Letztere ist eine Variante, die in der Mittelklasse einzig ist. Alle Aversos wurden komplett neu konstruiert, sind bis auf die Seitenwände mit GfK beplankt. Als Averso Plus mit Hubbett über der Sitzgruppe bietet er 208 Zentimeter Stehhöhe. Innen zeigt sich das Mobiliar mit Oberschrankklappen in Mattweiß, der Möbelkorpus in warmem Holzdekor und der Küchenblock in einem rötlichen Terrakotta-Braun. Die Serienausstattung ist mit einer Truma-S-Heizung, Dreiflamm-Kocher und 131-Liter-Kompressor-Kühlschrank für die Klasse Standard.
Den Averso Plus gibt es in zwei Varianten – beide gleich groß. Der siebeneinhalb Meter lange Averso Plus 520 TL kombiniert Einzelbetten im Bug mit der Rundsitzgruppe und Hubbett im Heck – gilt als Mehrgenerationen-Fahrzeug, das Hubbett ist für Kinder, Enkel oder Freunde. Der 510 TK ist mit Stockbett und Dinette im Bug für Familien ausgelegt, die Eltern schlafen im Hubbett. Beide starten bei 32.790 Euro und mit 1.600 Kilogramm Gesamtmasse.
Unser Testwagen, der Averso Plus 520 TL ist mit diversen Paketen und Einzelextras deutlich aufgerüstet. So ist er fast komplett für den komfortablen Urlaub. Kostet aber auch gut 11.000 Euro mehr als die Basisversion, der doch einiges fehlt. Er hat von der Dachklimaanlage über das Winterpaket mit hochwertiger Gasanlage und aufwändiger Heizung samt Fußbodenerwärmung bis zum Fahrradträger, Abwassertank, zweiter Stauklappe, indirektem Licht und TV-Halter für 43.944 Euro so ziemlich alles Wichtige an Bord, was heute beim Camping für viele dazugehört.
„Das Dekor vom Averso Plus sieht nicht nur gut aus, es kaschiert auch clever die höheren Wände. Vor allem der schräg angesetzte Keil zwischen Fenstern und Dachlinie erzeugt diese Wirkung“, findet Karosseriemeister Rudi Stahl. Die Qualität passt zur Mittelklasse, Dach, Bug, Heck und vor allem auch der Unterboden sind mit GfK beplankt. So sind die hagelgefährdeten Teile robust, der Boden ist besser gegen Feuchtigkeit geschützt.
„Das Heck mit den perfekt an die Leuchten angepassten Griffen und vor allem mit dem tief nach unten gezogenen Kennzeichenträger ist schon eher oberklassemäßig gestaltet.“ Die ovalen über den Schürzen aufgesetzten Seitenmarkierungsleuchten passen nach wie vor nicht wirklich zum Gesamtbild.
Dafür sind die Qualität und die Verarbeitung der Karosse weitgehend anstandslos, „den Kassettenschacht der Toilette – ein klassischer Kritikpunkt – füllt nach unten eine Wanne.“ Die Rangiergriffe sehen nicht nur gut aus, sie sind stabil und gut zu greifen, die Stützkurbeln sind gut erreichbar. Ein lohnendes Extra ist die zweite Serviceklappe links vorn – damit lässt sich unter den Einzelbetten quer über die ganze Wagenbreite von beiden Seiten durchladen. „Wenn denn innen auch der Platz für große Teile reicht.“
TÜV-Prüfingenieur Roman Heinzle urteilt: „Karosserieradien und die Beleuchtung sind vorschriftsmäßig.“ Schon im Flaschenkasten gefällt die aufwändige Gasanlage mit „automatischer Flaschenumschaltung und Crashsensor“. Die Leitungen für Gas, Abwasser und Elektrik sowie die Bremsbowdenzüge sind unterflur ebenso gut installiert wie die Gasleitungen. Warmluftleitungen sollten in Staukästen aber besser geschützt sein.
Innen fällt der Rauchmelder im Eingang positiv auf. Und gleich als Nächstes die praktischen Leuchten in der Sitzgruppe. „Die lassen sich auf ihren halbkugeligen Sockeln frei ausrichten und im Leuchtwinkel verstellen. Außerdem kann man sie als Tischleuchte nutzen.“ Eine feine Sache. Man würde sich nur wünschen, dass Bürstner beim Preis des Averso Plus doch vier statt zwei dieser Leuchten dazulegt.
Ein Fehlerstromschutzschalter gehört in der Elektrik natürlich dazu, die zusätzlichen Steckdosen aus dem Paket lohnen sich. Der 131 Liter fassende Kompressorkühlschrank ist in dieser Klasse ebenso guter Standard wie der Dreiflammkocher mit Taktfunkenzündung.
Die optionale Combiheizung mit integriertem Boiler ist korrekt verbaut wie alle anderen Installationen. „Und sie lässt sich, anders als eine S-Heizung, digital steuern. Die Bürstner-App macht da ja schon einiges möglich, bis hin zur Anzeige von Stützlast, Reifendruck und Wasserfüllstand. Auch die Dachklimaanlage im Averso Plus ist digital ansteuerbar, da ist schon feine Technik verbaut, wenn auch eine Steckdose im Bad fehlt“, meint Heinzle zum Abschluss.
Die Gestaltung des wieder aufgelegten Averso Plus findet Schreinermeister Oli Pfisterer „gut durchgängig und eher unaufgeregt. Die Farbe der Küchenfronten polarisiert, passt aber gut zu den Polstern und zum Fußboden.“
Den Möbelprofi interessiert die neue Hubbettmechanik. „Das lief in der Vergangenheit ja gern mal hakelig.“ Die aktuelle Lösung im Averso Plus erweist sich als problemlos im Handling. Statt einen schwergängigen Knopf zu drücken und sich dann quasi an das Bett zu hängen, um es nach unten zu bekommen, zieht man jetzt einen Hebel unter dem Bett leicht nach vorn und schon lässt sich das Bett relativ leicht absenken.
„Das funktioniert besser als früher – nur wo ist denn die Leiter?“, wundert Pfisterer sich. In diesem Averso Plus gibt es keine, der Hersteller findet für die Höhe des abgesenkten Bettes eine Einstiegshilfe unnötig. „Das werden manche Kunden sicher anders sehen.“ In den Längsbänken darunter sind die Truhendeckel in die Polster integriert, damit gehen die Deckel leichter auf. Die Kanten der Konstruktionshölzer sind ordentlich bearbeitet, und die Unterbauten sind solide konstruiert.
Die Küche dominiert mit ihrer Farbe den Gesamteindruck der Einrichtung. Die Oberschränke im Anschluss unterstreichen die zusätzliche Innenhöhe, das lässt den Küchenblock sehr groß wirken. Die breiten Auszüge unter der Arbeitsplatte punkten mit Metallzargen und Selbsteinzügen. Auch die Scharniere der Klappen und Türen gehen qualitativ völlig in Ordnung. Zudem sind die Aufsteller für die Lattenroste kräftig und passend montiert, auch der Rollrost dazwischen läuft gut.
In der Nasszelle zeigt sich der Averso Plus doch sehr schlicht eingerichtet und „sagen wir mal, kaum wirklich gestaltet mit einem Spiegel, einem Spiegelschränkchen und ein paar Ablagen zum weißen Waschtisch.“ Dieser Bereich ist so gut abgedichtet wie die Küche. Ein Profil zwischen Waschtisch und Wand ist hier wie da gut gemacht.
Die Verarbeitung der Möbel ist allgemein gut, auch die weniger sichtbaren Kanten von Unterbauten und Truhendeckeln sind ordentlich nachbearbeitet. Nur fiel im Testwagen vorn das Panel über den Betten von der Wand, „hier hat wohl jemand ein paar Tackerklammern vergessen.“
Negativ merkt der Möbelprofi an, dass mit der zweiten Stauklappe der Raum zum Durchladen unter den Betten zwar perfekt erreichbar ist, eine Stützwange mitten im Ladebereich aber keinen Platz lässt, um etwa einen großen Tisch unter dem Gang zwischen den Betten durchzuschieben. „Dieser Gang muss natürlich abgestützt werden, aber da wäre eine Konstruktion besser, die den Raum auch offen lässt.“
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