Mit seiner neuen Baureihe Noctra will Frankia das Niveau bei Teilintegrierten auf ein neues Level heben. Erstes Modell ist der Frankia Noctra Cruiser 7.6 L Edition One, wahlweise auf Fiat Ducato oder Mercedes-Benz Sprinter. Eine Besonderheit ist das optionale Panorama-Heckfenster im Schlafzimmer.
Seit einiger Zeit feilt Frankia mit Schwung an seinem Portfolio. Nach dem Neo kam der Now. Jüngster Wurf: die Baureihe Noctra. Neues Design außen und innen, mehr Komfort und einige technische Besonderheiten sollen die Serie auf ein neues Level heben. An den Start gehen Franken vorerst mit dem Frankia Noctra Cruiser 7.6 L. Die erste Serie hört als Sondermodell auf den Beinamen Edition One. Bei der Basis wählt der Kunde: Fiat Ducato mit 180 PS (132 kW), Automatik und 7,55 Meter Gesamtlänge oder Mercedes-Benz Sprinter mit 170 PS (125 kW), Automatik und 7,71 Meter Außenlänge. So oder so – der neue Teilintegrierte ist eine imposante Erscheinung: wegen seiner Länge, aber auch seiner Höhe und seines extravaganten Designs mit markantem Heck. Der Grundriss mit Längsbetten über der Garage, Raumbad, Küche und L-Sitzgruppe ist in der Basisversion auf zwei Urlauber ausgelegt. Unser Testfahrzeug auf Mercedes-Benz bietet aber zwei weitere Schlafplätze im optionalen Hubbett.
Frankia Noctra Cruiser 7.6 L Edition One
Basis: Mercedes-Benz Sprinter / Fiat Ducato mit VSC-Tiefrahmenchassis von Al-Ko, 170 / 180 PS (125 / 132 kW) und Automatik Grundrisse: vorerst ein Teilintegrierter mit Längsbetten im Heck Länge: 7,71 / 7,55 m Grundpreis: 167.900 / 157.900 €
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Frankia ist für seinen hochwertigen Aufbau bekannt. Auf das VSC-Chassis von Al-Ko, beim Testfahrzeug mit optionaler luftgefederter Hinterachse X2, setzen die Oberfranken einen Unterboden, bestehend aus einer 32 Millimeter starken Sandwichplatte mit GfK-Unterseite, Isolierung aus geschlossenzelligem XPS, das im Falle eines Schadens am Aufbau kein Wasser aufnimmt, und einer Oberseite aus Aluminium. Die gleich dicken Seitenwände sind analog aufgebaut mit GfK-Schicht außen, XPS und Alu-Innenseite. Auch das 32 Millimeter starke Dach mit GfK-Oberseite, XPS und Alu-Unterseite ist in dieser Art konstruiert. Anstelle von Holzleisten kommen unverrottbare PU-Leisten, mit GfK verstärkte PU-Leisten sowie mit Aluprofilen verstärkte PU-Leisten zum Einsatz. Das verspricht lange Haltbarkeit. Über der Bodenplatte nimmt der isolierte, beheizte, über Fußbodendeckel und Außenklappen zugängliche 35 Zentimeter hohe Stauraum-Doppelboden Gepäck, Elektrik, die Alde-Warmwasserheizung sowie Frisch- und Abwassertank auf.
Den Laufboden darüber bildet eine 30-Millimeter-Multiplex-Platte. Viele weitere Details zeigen, in welcher Liga der große Teilintegrierte spielt. Die Aufbautür verriegelt doppelt, hat ein Türfenster mit LED-Leuchtstreifen an der Außenseite, Zentralverriegelung und einen beleuchten Türgriff innen; die geräumige, vollisolierte Heckgarage ist über zwei Türen zugänglich. Die beiden Elf-Kilogramm-Gasflaschen zieht der Urlauber auf einem Schlitten aus dem Gasflaschenkasten. Besonderes Schmankerl aber: das mutig gestaltete Heck. Ordert der Käufer als Ergänzung zu den Seitenfenstern im Schlafzimmer das optionale starre Heckfenster, genießt er eine gigantische Aussicht. Dass die extravagant geformten hinteren Radläufe, wie die Aufbauschürzen, mit Gummi gegen Scheuern am Aufbau unterlegt und die Fender am Übergang zum Fahrerhaus akkurat abgedichtet sind, spricht ebenfalls für den Noctra.
Im Inneren des Frankia Noctra Cruiser 7.6 L Edition One fallen mehrere Dinge auf: das geradlinige, elegante, partiell recht dunkle Mobiliar, die ungewöhnliche L-Sitzbank der Sitzgruppe und das Fenster in der Heckwand, welches den hinteren Teil des Innenraums im Zusammenspiel mit den Seitenfenstern schön hell macht. Dank des isolierten, von einer Gas-Warmwasser-Heizung von Alde wohltemperierten Doppelbodens schreitet man von den gedrehten Vordersitzen bis zum Schlafzimmer ohne störende Stufen – und mit warmen Füßen.
An so manchem Detail ist zu erkennen, dass Frankia immer wieder Standards hinterfragt. Bestes Beispiel hierfür ist die L-Sitzbank: Eben noch als ungewöhnlich bezeichnet, ist sie ein kleines Raumspar- und Komfort-Wunder. Statt den L-Schenkel wie sonst üblich zu demontieren und einen Platz für die dann überschüssigen Polster zu suchen, entriegelt der Camper hier das auf einer Konsole montierte Polster und schwenkt es neben die raumsparend schmale Sitzfläche der Sitzbank. Schnell noch die Rückenlehne um ein Mittelteil erweitern – fertig ist der Umbau der zum Wohnen raumsparenden L-Sitzbank zur breiten Zweiersitzbank für die Fahrt.
Abgesehen von den für diesen Zweck ungeeigneten Einrast-Arretierungen an den Schlafzimmer-Schiebetüren, die Frankia aber ändern wird, gibt es am Innenausbau des Frankia Noctra Cruiser 7.6 L Edition One hinsichtlich Funktion, Verarbeitung und Ideen kaum etwas zu kritisieren.
Die Sitzgruppe formiert sich aus der beschriebenen L-Sitzbank mit zwei Dreipunkt-Sicherheitsgurten, höhenverstellbaren Kopfstützen und Isofix-Befestigungen sowie den dreh- und höhenverstellbaren Vordersitzen mit verlängerbarer Sitzfläche und zwei Armlehnen sowie dem Seitensitz und dem Tisch. Für letzteren lässt Frankia im Boden zwei Schienen ein, sodass dieses Möbel samt Fuß quer zur Fahrtrichtung verschiebbar ist. Auch dank dreh- und hälftig umlegbarer Tischplatte gelangt man einfach nach vorn.
Dank der Dacherhöhung bleibt unterm optionalen Hubbett 1,95 Meter Stehhöhe. Die helle, tendenziell kaltweiße Beleuchtung der Sitzgruppe lässt sich partiell dimmen. Der Sitzkomfort ist auf allen Sitzplätzen sehr gut und die Beinfreiheit mehr als ausreichend. Oberhalb der Sitzbank bringt Frankia in einer Nische einen Flachbild-TV mit Schwenk-Halter unter.
Über der Sitzgruppe hängt das elektrisch angetriebene Hubbett für 2.490 Euro. Um es abzusenken, entfernt der Camper die Kopfstützen der Sitzbank, drückt einen Schalter an der Bettkante und achtet darauf, dass die herabgleitende Konstruktion nicht am oberen Rand des eingefahrenen TV hängen bleibt.
Hier wäre etwas mehr Abstand besser. In zwei vertikalen Alu-Schienen geführt und an zwei Gurten und vier Seilen aufgehängt, ist die über eine Einhängeleiter zu enternde Liegefläche wackelfrei. Die für ein Hubbett recht dicke Matratze auf Holzlattenrost ist sehr bequem. Ein großes Panorama-Dachfenster lässt viel Licht ins Oberstübchen. Praktisch: die zwei LED-Schwanenhals-Leuchten und die beiden USB-C-Buchsen.
Erste Wahl aber sind die Längs-Einzelbetten im Schlafzimmer mit toller Aussicht. Die Kopfenden sind über eine Quer-Matratze verbunden. Diese und die beiden übrigen sind gut gepolstert und ruhen auf Federtellern. Mittels Holzlade und Zusatzpolster entsteht ein Doppelbett. Der Urlauber erreicht es bequem, indem er die zweistufige Treppe nach vorn zieht. Eine platzsparende Einhängeleiter hätte aber ein längeres Mittelpolster ermöglicht. Die Fußenden lassen sich, aufstellen, sodass man auch von oben an die beiden geräumigen, beleuchteten Kleiderschränke gelangt, von denen der fahrerseitige mit Auszügen ausgestattet ist.
Die Küche gestaltet Frankia sehr praxisgerecht: Ober- und Unterschrank bieten viel Stauraum; die Auszüge im Unterschrank verriegeln automatisch bei Fahrtantritt. Dank an ihren Ränden hochgezogener Arbeitsplatte aus Mineralwerkstoff sind Badwand und Seitenwand sehr gut vor auslaufender Flüssigkeit geschützt. Der Herd bietet zwei Gasbrenner, oder der Koch verwendet das Induktions-Kochfeld – am Landstrom oder dank Wechselrichter auch mal über die Bordakkus. Jenseits des Mittelgangs und neben dem Apothekerauszug mit Kapsel-Kaffeemaschine baut Frankia den 140-Liter-Kompressorkühlschrank mit separatem Gefrier-Auszug ein. Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Küche gut ausgeleuchtet ist.
Das Raumbad zwischen Schlafzimmer und Küche bietet viel Platz und dank Schiebetüren nach hinten und geöffnet als Abtrennung zur Küche hin fungierender WC-Raumtür viel Privatsphäre. Auch die Türen aus geschwärztem Acrylglas der Dusche mit schwarzer Duschtasse schließen gut.
Prima: der Handtuch-Heizkörper im WC-Raum. An der optionalen Einschweiß-Toilette von Clesana statt Kassetten-WC von Thetford scheiden sich die Geister: Das System funktioniert gut und ist hygienisch, aber mit ihren mit Exkrementen gefüllten Plastikbeuteln eine unnötige Umwelt-Belastung.
Der Frankia Noctra Cruiser 7.6 L Edition One auf Mercedes-Benz Sprinter rollt mit VSC-Chassis von Al-Ko mit optionaler Luftfeder-Hinterachse X2 auf das Testgelände. Bis an seine Lastgrenze von 4,5 Tonnen beladen, durchfährt der große Teilintegrierte den doppelten Fahrspurwechsel mit 55 km/h – ein guter Wert. Beim 18-Meter-Slalom benötigt er 15,6 Sekunden und damit etwa elf Prozent mehr als der Durchschnitt. Hauptgrund für beide Ergebnisse ist der mit 4,62 Metern sehr lange Radstand: Einerseits macht er das Fahrzeug sehr spurstabil, aber sehr träge bei den häufigen Spurwechseln im Slalom. Bei der Komfortwertung erreicht der Frankia sehr gute Werte. Sowohl die Vorderachse an McPherson-Federbeinen als auch die luftgefederte Drehstab-Hinterachse absorbieren Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster und Bodenwellen souverän und für die Insassen nur wenig spürbar.
Hieran hat auch die komfortable Polsterung aller Sitze ihren Anteil. Bei der Geräuschmessung ergeben das gut gedämmte Motorgeräusch, der steife Aufbau und der solide ausgeführte Innenausbau erfreulich niedrige Werte – und das, obwohl der Proband bereits eine ähnliche Tortur bei einem anderen Test zu durchlaufen hatte. Mit dem 2,0-Liter-Turbodiesel mit 170 PS (125 kW) ist der große Frankia für das ihm als 4,5-Tonner auferlegte Tempolimit fast schon zu gut motorisiert. Auch voll beladen an Steigungen geht ihm nicht die Luft aus. Die Neungang-Wandlerautomatik 9G-Tronic tut in jeder Fahrsituation genau das, was sie soll. Der Verbrauch ist mit 13,2 l/100 km noch angemessen. Die Sicht für den Fahrer ist nach vorn passabel, zu allen übrigen Seiten hin gut, allerdings verschmutzt die Linse für Rückfahrkamera und Rückspiegel schnell. Frankia sucht hierfür aber bereits eine Lösung.
Der brandneue Frankia Noctra Cruiser 7.6 Edition One ist ein echter Hingucker, und das als Extra erhältliche Fenster im markanten Heck schafft eine gigantische Aussicht. Aber auch die inneren Werte des Oberfranken überzeugen: beliebtes, sehr gut ausgestattetes Basisfahrzeug, komfortables Fahrwerk, hochwertiger Aufbau mit beheiztem, isoliertem Stauraum-Doppelboden, Gas-Warmwasser-Heizung und eine elektrische Ausstattung, die kaum Wünsche offenlässt. Das alles hat natürlich seinen Preis, doch angesichts der erreichten Gesamtpunktzahl ist der absolut nachvollziehbar.
Ausstattung, Ladetabelle, technische Daten und die exakte Bewertungsmatrix lesen Sie hier.