Modern gestaltet mit feiner Technik und für die Marke günstig – der neue kleine Fendt für zwei stellt sich im Test dem Urteil der Profis von Reisemobil Caravan.
Der Einstieg in die Fendt-Caravanwelt gestaltet sich seit dieser Saison neu. Apero Activ heißen die Neuheiten, und im exklusiven CCC-Test ist der 390 FH, der Kleinste in der Apero-Palette. Die Ausstattung kann sich sehen lassen: Im Apero Activ 390 FH sorgt ein 98 Liter großer Kühlschrank im Küchenblock für gekühlte Vorräte. Ihm reicht im knapp fünf Meter langen Aufbau auch die Combi-4-Heizung, deren 10-Liter-Boiler auch für warmes Wasser sorgt. Umluftanlage, Dreiflammkocher mit elektrischer Zündung, LED-Licht mit Ambientelicht und etliche Steckdosen sowie Abwasserkanister und Banktoilette mit Spültank sind serienmäßig an Bord. Da geht der Preis von unter 25.000 Euro für den Fendt wirklich in Ordnung.
Der Testwagen ist aber mit fast allem ausgerüstet, was die Zubehörliste hergibt, und schwingt sich damit in der Ausstattung wie beim Preis schon Richtung Luxus auf. Mit über 13.000 Euro kosten die Extras gut die Hälfe des Grundpreises – so kommt der Testwagen insgesamt auf gut 37.000 Euro.
Dafür macht dann von der Dachmarkise, der Klimaanlage, automatischer SAT-Antenne und Flachbild-TV, dem Rangierantrieb plus Autarkpaket über den großen Wassertank mit Citywasseranschluss und die Universalsteckdose im Vorzelt bis zum Ersatzrad viel Komforttechnik den kleinen Fendt sehr komfortabel reisetauglich. Es fehlen höchstens noch eine Gasflaschenumschaltanlage für den Komfort und Leichtmetallräder für die Optik. Im Apero Activ ist der neue Polsterstoff Brenta zu haben, der mit seiner gröberen Cordstruktur dem Ganzen einen etwas sportlicheren Anklang verleihen soll.
Der Apero 390 FH hat in der Basisausstattung 1.500 Kilogramm zulässige Gesamtmasse, aber nicht nur die solide Fendt-Bauweise, auch die üppige Ausstattung im Testwagen zwingt zu 1.700 Kilogramm – heftige Ansage für den Winzling.
Auch der Apero Activ hat das einheitliche Fendt-Familiengesicht, „die sind außen ja mittlerweile alle an den Diamant angepasst“, so CCC-Profi Rudi Stahl. „Erstaunlich eigentlich, dass bei Fendt das grobe Hammerschlagblech immer noch läuft, egal in welcher Preisklasse.“ Unter dem Blech trägt der neue kleine Fendt ganz herkömmlich EPS-Isolierung im Holzgefache unter einem Glattblechdach, „alles bestens verarbeitet, ein solideres GfK-Dach gibt es immerhin gegen Aufpreis.“
„Wichtiger als optische Details bleiben freilich das Material, die Verarbeitung und der Gesamteindruck“, meint der Karosseriemeister, und das Gesamtbild ist beeindruckend. „Mit dem eleganten Heck sieht auch der kleine 390 FH recht spektakulär aus, man sieht zwar schon, dass die Anbauten mit LFI- und Tiefziehteilen an Bug und Heck eigentlich für größere Wagen designt sind, doch das funktioniert.“
Hinten bestimmen die flachen, scharfgeschnittenen Rückleuchten mit „Glowing-Surface-Effekt“ das Bild. „Mit Alufelgen sähe das insgesamt noch kompletter aus.“ Die Alus wie die Fliegengittertür fehlen als aufpreispflichtiges Detail. Die stark getönten vorgehängten Fenster, die Tür mit integrierter Stufe, Ablage und Fenster sowie die Dachhaube sind allesamt hochwertig.
Untenrum punktet der Apero mit stabilen Blechschürzen in die Seitenmarkierungsleuchten, die, wie immer bei Fendt, perfekt eingelassen sind. Zufrieden ist der Profi mit den verlängerten Stützenkurbeln, die vorn und hinten perfekt erreichbar sind.
Das Heck punktet zudem mit einzeln tauschbaren Ecken. Der Flaschenkasten ist innen korrekt abgedichtet und mit Haltern für den Abwassertank, Gasflaschen und das Ersatzrad bestens aufgeräumt. Mit Riffelblechboden und der weit öffnenden Klappe am Parallelogrammbeschlag ist er konstruktiv top.
TÜV-Ingenieur Roman Heinzle entdeckt sofort vorab, dass der Testwagen bestens ausgestattet ist. „Da sind ja eine Menge Anschlüsse und Deckel, der hat wohl eine Menge Technik an Bord?“ Die Fahrbeleuchtung ist schnell und positiv beurteilt. Das schmale, aber langgestreckte LED-Edge-Light „sieht super aus und ist auch funktional klasse. Das Rückfahrlicht ist in der Multifunktionsleuchte integriert und die Nebelschlussleuchte mittig im Leuchtband der Heckschürze, dazu funktionieren die Begrenzungsleuchten zusätzlich als Zusatzbremsleuchten – das ist top.“
Die Einschätzung zur umfangreichen Bordtechnik bestätigt sich schon beim Blick auf den Flachbild-Fernseher im Eingang – die automatische SAT-Antenne verbirgt sich noch unter dem französischen Bett. Dazu gibt es im Testwagen die Universalvorzeltsteckdose mit Anschlüssen für Strom und Fernsehen im Vorzelt. Alles ist natürlich ordnungsgemäß verbaut und angeschlossen.
Serienmäßig kommt der Apero Activ mit der Combiheizung, die mit integriertem 10-Liter-Boiler neben Warmluft auch für heißes Wasser sorgt – der große Boiler ist fast schade in einem Grundriss, der keinen Platz für eine sinnvoll nutzbare Duscheinrichtung bietet. Sechs Warmluftauslässe reichen im 390 FH, um den Wagen schnell warm zu bekommen und zu halten. Im Testwagen sorgt die optionale Klimaanlage bei Bedarf für Kühlung.
„Der Kompressorkühlschrank ohne Gasanschluss reduziert vermutlich Kosten. Er kühlt gut, aber auch im leisen Nachtmodus vernehmlicher als ein Absorber. Die 98 Liter Kühlvolumen gibt es nur, wenn das Frostfach herausgenommen wird. „Der Kühlschrank reicht aber zu zweit auch mit dem Frostfach drin.“
Der neue Dreiflammkocher mit Taktfunkenzündung und die Frischwassertankanzeige machen die Küchentechnik komplett. Der Rauchmelder ist als Sicherheitsfeature bei Fendt obligatorisch. In allen Bereichen gibt es Steckdosen für 230 Volt und je zwei USB-C-Anschlüsse im Einstieg und am Bett. Spots und Lichtleisten, dazu eine indirekte Beleuchtung, setzen den Wagen abends ins rechte Licht. Es fehlen aber Spots oder Leseleuchten in der Dinette.
„Auch in klein sieht das Apero-Interieur gut aus und schon mutig für Fendt“, findet Schreinermeister Oli Pfisterer. „Da haben sie sich ja was getraut und ziehen das jetzt auch durch – sehr schick, modern für die Mertinger und perfekt einheitlich durchgezogen im Design. Weiße Oberschränke, helles Holz und dazu dunkle Griffe, Pushlocks, Spots, Leuchten, Armaturen und Schalter, das sieht schon gekonnt aus.“ Die Küchenauszüge sowie die Sitztruhen und der Bettunterbau sind ebenfalls dunkel gehalten, „ein spannender Mix aus Farben und Holzdekor – das dürfte hier aber vielleicht doch noch etwas moderner sein.“
Die Apero-Einrichtung ist erwartungsgemäß auch gut konstruiert und gebaut. Die nicht direkt sichtbaren Beschläge sind von guter Qualität, die Auszüge und Küchenoberschränke schließen per Softclose, alle anderen Klappen wollen von Hand sachte geschlossen werden. Der Tisch ist an der Wand eingehängt, eine sinnvolle Lösung für die kompakte Dinette. Alle Küchenmöbel und die Schranktüren schließen Pushlocks. Die weiteren Oberschrankklappen haben ordentliche Schnäpper, „die ausreichende Zuhaltekraft entwickeln für Stauraum, in dem nur eher leichte Ladung Platz finden sollte.“ Etwas unelegant findet Pfisterer die Verbindung des Regals längs über dem Bett mit den Deckenschränken über dem Kopfende, „aber ein Eckelement wiegt mehr und kostet etwas mehr.“
Die Federkernmatratze liegt auf einem Lattenrost, der sich in der Härte verstellen lässt. „Das ist bei der Qualität der Matratze aber womöglich kaum spürbar“, so Pfisterer. „Auch die Teilung des Rostes fällt nicht wirklich auf unter der Matratze.“ An der Verarbeitung des Mobiliars gibt es wenig auszusetzen. „Die Schnittkanten unter Betten und Sitzmöbeln sind in Ordnung, die Umleimer an sichtbaren Kanten von Klappen und Türen zeigen ebenso sorgfältige Be- und Verarbeitung. Die Nassbereiche in Bad und Küche sind gut abgedichtet, „das Mobiliar zeigt von vorn bis hinten die typische Fendt-Qualität.
„So klein und kompakt hatten wir noch keinen Fendt im Test, spannend zu sehen, wie die das Thema ‚kleiner Zweipersonencaravan‘ umsetzen. Außen ist er mit dem klassischen Hammerschlagblech schon etwas bieder“, findet Wohntesterin Christiane Eckl.
„Innen sieht das mit der Mischung der Farben und Dekore echt gut aus, da passt alles. Und praktisch eingerichtet ist der 390 FH auch. Schon das Bord mit Ablagen im Einstieg ist super. Man hat doch immer Sachen, die mal schnell abzulegen sind oder die man nicht erst von weiter drinnen holen möchte.“
Man entert den Wagen quasi im Wohn-Kochbereich, da Küche und Dinette im Heck positioniert sind. Mit dem TV-Bord statt des hohen Kühlschranks des Bianco Activ 390 FS wirkt der Eingang offener, „um den Preis des kleineren Kühlschranks.“ Insgesamt wirkt der 390 FH so aber erstaunlich geräumig.
Die kompakte Küche hat neben Spüle und Kocher nicht viel freie Arbeitsfläche, sie ist aber praktisch und praxisgerecht eingerichtet und ausgestattet. „Der Kompressorkühlschrank funktioniert auch bei Hitze gut, dafür hört man ihn, wer wirklich empfindlich ist, kann ihn nachts ausschalten. So schnell passiert da bei Nachttemperaturen nichts, wenn man nicht gerade rohe Meeresfrüchte lagert.“
Stauraum und Kocher sind völlig in Ordnung für zwei unterwegs im Reisecaravan. Die Dinette daneben ist klein, aber fein. Spezielle Seitenpolster bieten die perfekte Armablage, fast wie auf einem Sofa, „und man kann sich sogar regelrecht in die Ecken kuscheln“.
Das Bett im Bug ist neben der Toilette schon schmal gehalten, „das dürfte manchen Paaren kaum reichen“. Die Matratze ist aber bequem. Die Ablagen statt Oberschränken links lassen den Bereich größer wirken, ein Bord am Kopfende ist gut für Kleinteile. Lesespots und Steckdosen für 230 Volt und USB sind praktisch, Ambientelicht unterstützt auch hier die Beleuchtung sehr angenehm.
Das Bad nebendran teilt sich in den unspektakulären Toilettenraum mit genug Platz und den schicken Bereich um das separate Waschbecken. Hier finden sich ein perfekt beleuchteter großer Spiegel als Schrankfront, reichlich Ablagen, Becherhalter, Haken und gleich zwei Steckdosen. Das helle Becken im dunklen Waschtisch harmoniert gut zur schwarzen Armatur.
Größe ist Gewicht, und der Testwagen ist überraschend leicht, hätte selbst ohne die volle Auflastung mit den schweren Extras noch eine akzeptable Zuladungsreserve, da er eben sehr klein ist. Aber die Stützlast ist für den leeren Wagen schon ordentlich. Was mit der Küche im Heck aber kein Fehler sein muss.
Der leere 390 FH ist außerdem rechts deutlich schwerer als links. Das gleicht sich mit der Beladung nur teilweise aus. Die Reifen haben aber mehr als genug Tragkraftreserve, insofern ist das bei aufmerksamer Beladung nicht kritisch.
Immerhin sind der Wassertank und der große Bettstauraum ja links positioniert. Die Messwerte sind für den kompakten und für seine Größe relativ schweren Wagen nicht ganz einfach einzuordnen. Hier liegen die Ergebnisse extrem auseinander, je nachdem, ob man ihn mit gleich großen oder gleich schweren Wagen vergleicht. Deshalb finden beim Apero 390 FH Mittelwerte Eingang in die Bewertung. Anders wäre jeder Vergleich unfair. Zumal das Fahrverhalten in der Praxis unproblematisch ist, was die Werte vom Prüfstand nicht unbedingt erwarten lassen.
Ein Fendt für unter 25.000 Euro ist fast eine Überraschung. Und man sieht dem Apero Activ nicht an, dass gespart wurde. Die Serienausstattung geht in Ordnung und innen vermisst man nur Spots in der Dinette. Damit lässt sich leben. Wie weit das für die fast 38.000 Euro gilt, die unser sehr komplett ausgerüstete Testwagen kostet, wird die Kundschaft bewerten müssen.
Der Apero Activ 390 FH ist ein kleiner Caravan mit etwas anderer Technik und Philosophie. In der Basis gut ausgestattet, kann er sich so in die Einsteigerklasse einsortieren – wenn man denn überhaupt einen Fendt dort sehen will. Zumindest macht sich der Kleine gut im Test. Die Grundrissgestaltung sorgt im kompakten Zweipersonen-Caravan für ein gutes Raumgefühl. Licht, Platz in fast allen Bereichen und Stauraum gibt es genug. Nur das Bett fällt recht schmal aus. Trotzdem ein interessantes Angebot für reisende Paare – und noch viel mehr für Alleinreisende.
Fahrwerk: Al-Ko Schräglenker, Reifen 195/70 R 15 C, LI 104 = 900 kg, selbstnachst. Bremse, mech. Stabilisierung, Stoßdämpfer
Aufbau: Alu-Schaumsandwich, Dach/Wand/Boden 39/31/47 mm, Tür einteilig 180 x 53 cm, Fenster u. Ablage, Umlaufmaß 8.640 mm
Fenster: 4 Fenster vorgehängt, mit Sicherheitsriegeln und Kombi-Rollos, 1 Panoramadachhaube mittelgroß, 1 Dachlüfter Füllmengen: Gas 2 x 11 kg, Frischwasser 25 l, Abwasser 24 l
Innenausstattung: Maße (H x B x L): 198 x 218 x 423 cm, Möbelbau in Dekor Norfolk, Stoff Brenta Umbaudinette 194 x 110/90 cm, frz. Bett 196 x 137 cm, 4 Hängeschränke unterteilt, 2 Sitzstaukästen, Kleiderschrank 136 x 52 x 48/55 cm, Garderobe, TV-Platz mit Schrank im Eingang
Küchenblock: Maße (H x B x T): 94 x 109 x 70 cm, Edelstahlspüle, Dreiflamm-Kocher mit Zündhilfe, Kompressorkühlschrank Dometic 98 l, 2 Oberschränke, 3 Auszüge, 1 mit Besteckfach, Lichtleiste, Ambientelicht, 2x 230-Volt-Steckdose
Dusch-/Toilettenraum: Maße (H x B x T): 198 x 137 x 90 cm, Banktoilette Thetford mit Spültank, 2 Ablagen, 2 Staufächer, 1 Fenster, Papierhalter, sep. Waschbecken mit Spiegelschrank, 9 Ablagen, 3 Haken, 2 Becherhalter, 2 Lichtleisten, 1x 230 Volt
Heizung/Klima: Truma Combi 4 mit digitalem Bedienteil, CP plus iNet ready, 10-l-Boiler, Warmluft mit 5 Auslässen Energieversorgung/Technik: Elektroversorgung 13-polig, Schaltnetzteil 350 W, Beleuchtungssystem 12 Volt LED, 2 Lesespots an den Betten, 2 Deckenleuchten, ind. Licht, 6 Steckdosen 230 Volt, 4x USB-C, FI-Schalter
Extras im Testwagen: Fliegengittertür 285 €, Dekopaket 144 €, TV-Halter 239 €, Markise Omnistor 6300 1.469 €, Citywasseranschluss + 45 l Frischwasser 518 €, Mover 2.158 €, 24“-Flachbild-TV 730 €, Maxview autom. Antenne 1.182 €, Schlafweltpaket 390 €, Klimaanlage Aventa Comfort 3.149 €, Universalsteckdose 295 €, Teppichboden 327 €, Batteriepaket 30 Ah Lithium 1.179 €, Ersatzrad 339 €
Nebenkosten: (TÜV/Brief): 179 €
Preise:
Grundpreis: 24.650 Euro Testwagen: 37.733 Euro
Mehr Infos: www.fendt-caravan.com