Die Dethleffs Mittelklasse überarbeitet mit modernem Auftritt und neuen Ideen beim Mobiliar – Dethleffs entwickelt den Nomad weiter. Der Nomad 490 EST, ein 2-Personen-Grundriss mit Heckbad, muss sich im Profitest beweisen.
Die Isnyer haben die klassische Einteilung der Baureihen in Unter-, Mittel- und Oberklasse weitgehend aufgegeben. So steht der Nomad jetzt irgendwo zwischen der Mitte und dem oberen Ende der Skala. Außen wie innen zeigt sich der Nomad mit neuen Formen und Beklebungen aber sichtlich modernisiert. Als einer von zehn Grundrissen stellt sich der Nomad 490 EST dem Profitest. Mit Längseinzelbetten vorn und großem Querbad im Heck ein Wagen für reisende Paare, die eine eigene Dusche wollen.
Der Nomad 490 EST steigt preislich bei gut 31.700 Euro ein. Der Testwagen kostet mit etlichen Extras knapp 36.400 Euro. Dafür gibt es das Styling-Paket mit silbernen Glattblechwänden, Leichtmetallrädern, Deichselabdeckung, Stützrad mit Stützlastanzeige und den hohen Aufsatzteilen vorn und hinten plus Dachreling. Auch die maximale Auflastung ist dabei, die Duscheinrichtung kostet ebenfalls extra. Und die Auflastung ist schon mit dem fast 50 Kilogramm schweren Styling-Paket allein sinnvoll oder vielmehr nötig.
„Der neu gezeichnete Bug und das kantigere Dekor sehen wirklich gut und modern aus,“ findet Karosseriemeister Rudi Stahl, „mit Dachreling, Glattblechwänden und Alurädern ist das optisch schon eher Ober- als Mittelklasse.“ Dazu schwarze Rangiergriffe und leicht getönte Fenster, „das passt zusammen“. Die hohen Aufsatzteile bringen zwar mehr Gewicht, sehen aber gut aus, vor allem mit der schicken Dachreling, „die sonst keinen Nutzen bietet“. Das Dach ist mit hagelresistentem GfK beplankt, Bug und Heck tragen Glattblech, am Deichselkasten kommen LFI-Elemente zum Einsatz – stabil und leicht zu reparieren. Die Seitenwände kommen serienmäßig mit weißem Hammerschlagblech.
Höchst lobenswert, weil praktisch, ist die neue 65 Zentimeter breite Eingangstür mit vollflächigem Fliegenschutz, Fenster und Mülleimer. Der Deichselkasten ist mit der Busklappe und Blechboden gut ausgestattet und rundum gut abgedichtet, „im Toilettenschacht haben wir die Abdichtung aber schon deutlich besser gesehen“. Innen lobt der Karosserieprofi das große Panoramadachfenster im Mittelgang, im Schlafabteil dient eine Klarglasdachhaube als Oberlicht, „im großzügigen Bad reicht der Raum nur für eine kleine Dachhaube“.
Der Technikprofi, TÜV-Ingenieur Roman Heinzle, ist von der Ausstattung des Testwagens nur bedingt angetan. „Die Combi-4-Heizung, Abwassertank und die App-Anbindung sind schon schick. Mehr Komfort und Sicherheit kosten natürlich Aufpreis, dass aber bei diesem Grundriss das Duschpaket als Extra in der Preisliste steht, kann man schon seltsam finden.“
Die Combi-4-Heizung ist dafür mit ihrem integrierten 10-Liter-Boiler höchst sinnvoll in einem Caravan mit Duschbad. Wem zum Duschen 38 Liter Frischwasservorrat nicht reichen, der bekommt für 199 Euro einen 70 Liter großen Tank, für das Abwasser bleibt es beim 22 Liter großen Kanister. Die Leitungsverlegung ist unter dem Wagen perfekt. Innen sind dagegen in den Sitztruhen und unter dem Kühlschrank die Warmluftrohre ungeschützt. Nützliche Ideen machen das Leben einfacher: Zu den versetzbaren LED-Lesespots in Sitzgruppe und Schlafzimmer gibt es eine USB-Steckdose, die sich ebenfalls frei in den Stromschienen positionieren lässt.
„Der Zweiflammkocher mit Taktfunkenzündung ist auch im Freund der Familie für einen Paargrundriss in Ordnung“, findet Heinzle. Der große hochgesetzte Kühlschrank vervollständigt die Komfort-Ausstattung des Nomad.
Das neue Nomad-Interieur überzeugt Schreinermeister Oliver Pfisterer zumindest optisch. „Weißes Korpusmaterial, helles Holzdekor und dazu gerade graue Möbelklappen an den Oberschränken, das ist modern und schick“, befindet der Möbelprofi. Die Konstruktion ist im Wesentlichen unverändert ohne große Überraschungen.
Abgesehen von den schwebenden Rückenlehnen, „die toll aussehen und auch bequem sind. Aber die Aufhängung der Polsterteile an Schrauben sieht nun wirklich gebastelt aus.“ Und es ist gar nicht so einfach, die Rückenlehnen abzunehmen und wieder aufzuhängen. Immerhin öffnen die Truhen so, ohne die Rückenlehnen wegzunehmen.
Da kommt der neue Beschlag für die Sitztruhendeckel gerade recht. „Der rastet beim Öffnen ein und hält den Deckel offen. Beim Schließen muss man ihn aber mittig unter dem Deckel entriegeln, das ist nicht ganz einfach und wird gern vergessen. Dann geht der Beschlag schnell kaputt. Eine gute Idee, an der Umsetzung kann man noch feilen.“
Der absenkbare Tisch in der umbaubaren Dinette ist mit einem einfachen Klappfuß denkbar simpel konstruiert, „um es nicht billig zu nennen“. Die Auszüge laufen dagegen in Softclosebeschlägen und die Schranklappen hängen an sehr soliden Metallscharnieren. Die Schiebetür vor dem Heckbad gleitet gut in ihren Schienen, unterwegs fixiert sie ein Fangband.
Die Lattenroste punkten mit in Kautschukbrücken gelagerten Latten, sind aber nicht in der Härte verstellbar und sie haben keine aufstellbaren Kopfteile, die auf Wunsch gegen Aufpreis zu haben sind. Die Aufsteller öffnen die Stauräume kraftvoll und halten sie auch mit aufgelegtem Bettzeug problemlos sicher offen. Im Bad lobt Pfisterer die Einteilung mit zahlreichen Staumöglichkeiten, die Abdichtung am schicken Waschtisch aus Mineralwerkstoff und besonders in der Dusche könnte aber besser sein. „Wobei das in der Dusche hinter den Kunststoffverkleidungen möglicherweise besser ist, als es aussieht.“
Allgemein sind die Verarbeitung und das Finish der Möbel von den Konstruktionshölzern im Unterbau bis zu den Kanten von Korpus, Klappen und Türen in Ordnung. Stellenweise – wie an den Ablagen über den Betten – dürfte das besser sein.
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