Eribas Touring mal anders. Noch kompakt, aber schon mit Länge. Und vor allem mit einer großen Küche und dem Bett im Dach – so will er gut für vier sein. Der Eriba Touring 620 stellt sich dem Profitest.
Wenn ein Wohnwagen Kult ist, dann ist es der Eriba Touring. Wie von aller Zeit losgelöst scheint ihn keine Modeströmung, kein Drang nach dem Immer-Mehr und Immer-Größer zu beeindrucken. Na ja – dem Immer-Größer verschließt er sich dann doch nicht. Mit den Touringmodellen 630 und 620 kommt der Kompakte aus Bad Waldsee zumindest in der Länge normalen Caravans schon nahe. In der Breite und vor allem der Höhe hält sich der Aufstelldachcaravan aber zurück.
Sechseinhalb Meter lang und 2,19 Meter breit hat der Touring 620 im Test fast die Abmessungen eines „normalen“ Caravans. Er wirkt nur noch kompakter, als er ist, weil ihn das Hubdach flach hält. Auch in diesem Format bleibt der Touring aber schon seinem Konzept treu. „Wenig Platz für viel Geld“, mögen die Einen lästern, „knuffiger Klassiker, auf seine Weise zeitlos, wer will bei solch einer Ikone über schnödes Geld reden …“, befinden seine Fans. Und die sind ihm seit über 60 Jahren treu, der Freundeskreis scheint nicht zu schrumpfen.
Optisch und technisch gab es über die Dekaden einige eher behutsame und auch entschiedenere Veränderungen. So ist im Testwagen ziemlich unauffällig statt des normalen Hubdaches ein Schlafdach integriert, was dem Touring 620 vier Schlafplätze verschafft. Zwei davon in der großen umbaubaren Heckdinette – da ist der Touring 620 ganz bei seinen Vorfahren.
Die Preisliste beginnt für den Touring 620 fast schon überraschend günstig mit 34.990 Euro. Leider kostet aber auch hier alles, was schön ist und Spaß macht, extra. Das Schlafdach kostet knapp 4.000 Euro und da der Testwagen damit quasi ein anderes Fahrzeug ist, legen wir im Test den Preis mit diesem Dach zugrunde. Die Harbour Blue Edition mit blau-weißem Glattblech und einer Menge schicker und praktischer Extras wie Steinschlagschutzblech vorn, Chrompaket, Leichtmetallfelgen und Edelstahlstoßstangen ist schon mal 3.690 Euro teurer. Mit Rangierantrieb und Markise, um nur die teuersten weiteren Extras zu nennen, kommt der fast voll ausgestattete Testwagen auf gut 50.000 Euro.
„Der sieht einfach klassisch klasse aus, immer noch“, findet Karosseriemeister Rudi Stahl. In Harbour Blue mit Glattblechwänden, viel Chrom und Alurädern kommt der modernisierte Klassiker mit seinem Retrolook auch bei Profis gut an. Der moderne Touring hat mit höherem Dachradius zehn Zentimeter mehr Stehhöhe als die frühen Modelle. Und das Schlafdach sorgt für noch mehr Luft nach oben. Das Dach ist nicht nur praktisch, es ist mit GfK beplankt auch hagelresistent.
„Der offene Raum über der Küche schafft im Bug ein überaus großzügiges Platzgefühl. Solange die Leiter nicht für das Schlafdach nicht da steht.“ Außerdem lässt sich die Dachverriegelung besser bedienen als beim herkömmlichen Aufstelldach. Nur die beiden Sicherungsgurte baumeln nach wie vor störend über dem Küchenbereich.
Der Dachstoff wird beim Einklappen problemlos zusammengezogen und kann kaum verklemmen, „vergisst man die dafür zuständigen Gummis einzuhängen, kann der Zeltstoff Schaden nehmen, daran sollte man also unbedingt denken“.
Wo es gerade um Klappen geht – „an der Gaskastenklappe vorn mit ihren zwei Schlössern fehlt immer noch ein Griff“. Das zentrale Zugrohr des Chassis ist davor mit Tränenblech abgedeckt, doch gilt hier: „Betreten verboten“. Die Anbauten sind perfekt an die runden und in der Gürtellinie ausgestellten Wände angepasst, „obwohl es da ja keine gerade Kante gibt.“ Einziges wirkliches Manko der Karosserieverarbeitung ist nach wie vor der Toilettenschacht. „Das ist aber schon deutlich besser.“ Die Stauklappe hinten kostet extra, „da sollte doch wenigstens eine Serie sein.“ Stahls Fazit: „Der Touring 620 ist ganz klassisch, mit einem speziellen Grundriss und allem, was die Fans schätzen.“
„Bei der Ausstattung wird der Preis wohl nicht weniger beachtlich sein als die Technik“, spekuliert der campingerfahrene TÜV-Ingenieur Roman Heinzle nicht zu Unrecht. Von der Combiheizung bis zum Rangierantrieb hat der Testwagen aber auch fast alles an Bord, was die Preisliste hergibt. „Die Bordbatterie ist Serie? Super für einen ausgewiesenen Reisecaravan, nicht nur für den Mover.“
Innen nutzen der große Kompressorkühlschrank, das Warmluftgebläse und die umfangreiche Beleuchtung bei Bedarf den Strom aus der Bordbatterie. Der kleine Deichselkasten, der mit zwei Fünf-Kilo-Flaschen schon gut belegt ist, wirkt schlicht, „da ist dennoch Platz genug für die Flaschenumschaltanlage samt Crashsensor statt des simplen Druckminderers. Auch wenn kaum jemand mit dem Touring Wintercamping machen wird, ist so eine kleine Flasche doch schnell leer“.
Die weitere Komforttechnik reicht von der Vorzeltleuchte mit wählbarer Bewegungsmelderfunktion über die umfangreiche indirekte Beleuchtung bis zur Combiheizung mit Boiler und Warmluftverteilung – im 620 alles Serie.
Im Testwagen sind zudem sechs 230-Volt-Steckdosen installiert, plus zwei USB-Anschlüsse. Außen hat er die Universalsteckdose für Strom und TV-Anschluss unter der Markise. Die Technik ist gut verbaut, die Batterie hat unten im Sideboard Platz, die Mover-Elektrik sitzt geschützt hinten in der linken Sitztruhe. Zudem liegen Kabel und Leitungen in Kanälen. Die Eckelemente der Oberschränke lassen sich öffnen, dahinter sind die Kabelanschlüsse zugänglich. „Wassertank und Heizung nehmen die rechte Sitztruhe ein, die Technik braucht halt Platz.“ Außen sind speziell die Gasleitungen perfekt am Stahlrahmen gesichert verlegt. Insgesamt gute Ausstattung, gut installiert“, endet der Profi.
„Das helle Möbeldekor ist mit den blauen Akzenten der Urban-Linie perfekt auf die Außenfarbe abgestimmt – ‚lifestylig‘ kann man das nennen“, so Schreinermeister Oli Pfisterer. Mit dem Schlafdach ist der Möbelprofi zufriedener als im letzten Test. „Hier bleibt kein störender Spalt zwischen dem Bettrahmen und den Badwänden, wenn das Bett unten ist. Details wie mit Teppich ausgelegte Oberschränke und gut bearbeitete Möbelkanten zeigen schon besondere Sorgfalt bei der Herstellung.
Auch die Beschläge sind überwiegend gut und durchdacht eingesetzt, einige aber schlecht verschraubt. „Die Tischmechanik hält nicht an der Platte und in der linken Sitztruhe lösen sich die Aufsteller. Das geht in dieser Preisklasse echt nicht. Auch wenn es nur zu kurze Schrauben sind, wie auch immer die da zum Einsatz kommen.“ Der Tisch steht frei zwischen den Betten und wird unterwegs zusammengeklappt auf der rechten Bank fixiert. „Man braucht die wackelig montierte Mechanik also ständig.“
Die Sitztruhendeckel mit Lattenrosten sind schwerer als normal, schaffen so aber Schlafkomfort, „da muss die Montage dem Gewicht der Komponenten angepasst sein. Die Aufsteller an sich halten die Truhen sicher offen.“ Ansonsten sind die unten angeschlagenen Klappen an feinen Scharnieren, mit silbern gerahmten Durchgriffen und integrierten Schnäppern immer noch eine elegante und funktionale Lösung in dem niedrigen Aufbau. In der breiten Bugküche gibt es nur eine Schublade für Besteck. Den weiteren Stauraum bilden zwei Unterschränke, das Staufach unter dem Backofen und etliche offene Ablagen. Die Unterschränke sind ohne Drahtauszüge nur mit einfachen Böden.
Die Bearbeitung sichtbarer und nicht sichtbarer Schnittkanten ist gut wie auch die Abdichtung der Nassbereiche in Bad und Küche. Nur stört im Bad die rechte Ecke über der Toilettenbank das tolle Bild. „Diese Ablage ist und bleibt zu simpel und unelegant.“ Insgesamt schneidet der Touring beim Schreiner in den meisten Kategorien gut ab.
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