Zugwagen brauchen Drehmoment. Der Škoda Octavia Combi TDI hat 300 Nm, aber nur 85 kW. Wie fährt sich der Normalo?
Der Octavia ist das Brot- und Butter-Auto von Škoda und seit jeher das Paradepferd im Stall der Tschechen. Seit seiner Geburtsstunde vor 24 Jahren gilt er unter Kennern als der bessere und größere Golf. Besonders der Combi, er macht zwei Drittel im Verkauf der Baureihe aus, erfreut mit praktischen Tugenden. 32.370 Euro kostet der Octavia Combi der vierten Generation in der Ausstattungsstufe Style mit dem 115 PS starken Einstiegsdiesel. Ein Straßenfeger ist er damit natürlich nicht, wohl aber ein sehr genügsames und laufruhiges Multitalent, das vor kaum einer Aufgabe des Alltags kapitulieren muss.
Mit seinen gut verteilten Proportionen ist der 4,69 Meter lange Kombi noch handlich in der Stadt und fühlt sich auch in engen Parkhäusern wohl. Bei längeren Fahrten erfreut er mit erheblichen Nehmerqualitäten, 640 bis 1.700 Liter Gepäck können mit auf die Reise gehen. Die Zuladung liegt bei gut 520 Kilogramm, das geht in Ordnung, als Anhängelast sind 1.500 Kilogramm erlaubt.
Kategorie: Kombi MittelklasseAnhängelast: 1.500 KiloMit B-Führerschein: 1.500 KGAntrieb: FrontPreis: ab 32.370 Euro
Der Innenraum ist sachlich und aufgeräumt gestaltet. Zwar verarbeitet Škoda wieder Bauteile aus Hartplastik, aber glücklicherweise nur da, wo keiner hinfasst. Beim Bedienkonzept geht es wie beim Golf digitaler zu, immerhin sind einige Tasten erhalten geblieben. Kernstück ist neben der Auswahl am Multifunktionslenkrad der zentrale Touchscreen, dessen Menüs aber umständlich anzuwählen sind und so vom Verkehrsgeschehen ablenken.
Ablagen und Fächer gibt es in mehr als ausreichender Zahl, selbst an einen Regenschirm und einen Schneefeger ist gedacht. Induktives Laden ist in der Mittelkonsole möglich. Das Raumangebot ist ordentlich. Die vorderen Sitze lassen sich elektrisch verstellen und es gibt genügend Ellbogenfreiheit für Fahrer und Beifahrer. Auch hinten reisen zwei Passagiere überaus angenehm. Ein- und Aussteigen ist für alle dank großer Türausschnitte bequem, hierbei helfen außerdem Haltegriffe am Dach, die bei Škoda noch nicht dem Rotstift zum Opfer gefallen sind.
Der Vierzylinder-Diesel wird per Knopfdruck gestartet, seine Geräuschentwicklung ist im Leerlauf sehr verhalten. Auch bei den Vibrationen hält er sich zurück. 300 Newtonmeter Drehmoment stemmt die Maschine bei 1.600 Umdrehungen in der Minute, aus dem Stand schiebt sie den 1.447 Kilogramm wiegenden Octavia mächtig an.
Wird die Fahrt schneller, verliert der Motor aber seine Munterkeit, so werden es dann auch 10,9 Sekunden, bis er auf 100 km/h beschleunigt hat. Das ist kein Fehler, die Leistung reicht völlig aus, erlaubt sogar durchaus engagierte Gangarten. 207 km/h Höchstgeschwindigkeit sind möglich. Um die zu erreichen, braucht das Tschechomobil jedoch aufgrund seines Gewichtes einen gehörigen Anlauf. Das Windgeräusch ist verhalten, der Geradeauslauf unbeirrbar.
Was jedoch ganz oben steht, ist der äußerst verhaltene Konsum des Diesels. Obwohl wir uns nicht als Sparfüchse hinters Lenkrad geklemmt hatten, war der Wert von 4,7 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer mühelos zu erreichen. Wer noch günstiger unterwegs sein will, kommt auch mit 4,3 Litern 100 Kilometer weit, ohne zum Verkehrshindernis zu werden. Bei 45 Litern Tankinhalt kommt die 1.000-Kilometer-Grenze klar in Sicht.
Das manuelle Sechsgang-Getriebe schaltet sich hinreichend präzise und mit kurzen Wegen, die Lenkung ist nicht weniger exakt und gefühlvoll, stets lässt sich der Octavia mit ihr gut im Zaum halten, auch wenn nach schnellen Kurvenwechseln das Heck mal nach außen drängt. Dann ist das ESP in Windeseile zur Stelle und unterbindet schon den Ansatz. Die Bremsen gefallen mit feiner Dosierbarkeit und sind überaus standfest.
Nur mit der Federung hat der Combi keinen guten Vertrag. Während die Vorderräder Unebenheiten des Straßenbelags noch zufriedenstellend wegbügeln, rollen die hinteren an ihrer Verbundlenkerachse eher rüpelhaft darüber. Das sorgt auf schlechter Fahrbahn für Unruhe und nervt. Der Umfang der höchsten Ausstattungsstufe Style ist üppig, aber nicht komplett. Viele Assistenten gehören zum Serienstandard, Verkehrszeichenerkennung, Stauassistent und das Head-up-Display sind aufpreispflichtig. Auch für die elektrische Heckklappenöffnung heißt es, extra zu bezahlen.
Der Preis des Testwagens ist trotz der günstigen Motorenwahl flink über 40.000 Euro geklettert. Viele Pakete voller Begehrlichkeiten haben ihn beflügelt. Damit wird der einstige Preisvorteil zum Konkurrenten Golf nahezu hinfällig. Der Škoda taugt dennoch, denn er ist leichter zu bedienen und bietet mehr Platz als sein VW-Kollege. Und auch die 115 PS sind für den Alltag genug.
ANTRIEB:Motor: 4-Zyl.-TurbodieselHubraum: 1.968 cm3Leistung: 85 kW (115 PS) bei 2.750 U/minDrehmoment: 300 Nm bei 1.600 U/minAntrieb: FrontGetriebe: 6-Gang-HandschalterCO₂-Ausstoß: 110 g/km
KAROSSERIE:Länge/Breite/Höhe: 4.690/1.830/1.510 mmRadstand: 2.670 mmKofferraum: 640–1.700 lLeergewicht: 1.447 kgzul. Gesamtmasse: 1.970 kgZuladung: 523 kg
ANHÄNGELAST:gebremst/ungebremst: 1.500/750 kgMaximale Anhängelast mit B-Führerschein: 1.500 kgStützlast: 75 kgLeistungszuggewicht: 29,1 kg/kW
FAHRLEISTUNGEN:Höchstgeschwindigkeit: 207 km/hBeschleunigung 0-100 km/h: 10,9 Sek.Tankinhalt: 45 lVerbrauch (l/100 km): WLTP 4,7 lTest: 4,7 lReichweite: knapp 1.000 kmBasispreis: 32.370 EuroTestwagenpreis: 43.008 EuroBrink Anhängekupplung abnehmbar inkl. Trail-Tec E-Satz 13-polig: 497 Euro
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