Adria hat dem Adora eine neue Wandisolierung gegönnt und das Mobiliar modernisiert. Im Profitest der Zweipersonengrundriss mit Duschbad.
Der Adora von Adria gehört in der Mittelklasse schon lange zu den höchst erfolgreichsten Baureihen. Doch ruht man sich in Novo Mesto keineswegs auf dem Erfolg aus. Für die Saison 2026 sind die Wagen deutlich umgestylt und auch technisch weiter verbessert worden.
Innen bestimmen jetzt viel Weiß und gewellte Klappen das Bild, denn nicht zuletzt wegen ihres eleganten Mobiliars und der durchdachten Grundrisse sind die Adoras so beliebt bei Europas Caravanern. Die aktuelle Neugestaltung geht mit einer überarbeiteten Konstruktion einher. Jetzt tragen Dach, Seitenwände und Boden GfK als Deckschicht, unter der sich XPS-Schaum als Isolierung verbirgt.
Dem Profitest stellt sich der Adora 572 UT, ein komfortabler Paargrundriss mit Rundsitzgruppe, Einzelbetten und großem Heckbad mit einer separaten Duschkabine. Der 7,70 Meter lange Einachser steigt bei knapp 31.400 Euro ein. Dafür gibt es ihn wie bei Adria üblich reisefertig ausgestattet bis hin zum Ersatzrad und Abwassertank. Der Testwagen bringt noch einige Extras mit, die mehr Komfort schaffen. Ob man die Mikrowelle in der Küche möchte und ob Leichtmetallfelgen für den letzten Schliff nötig sind, kann der Kunde wählen. Das Stausystem im Flaschenkasten ist höchst praktisch. So kommt der Adria Adora 572 UT im Test dann auf gut 32.200 Euro.
Die Luftleitelemente und das große Panoramafenster vorn und die markanten LED-Leuchten gehören seit 2022 zum Adora wie der breite Einstieg. Optisch fällt er von außen auch nicht wirklich als neu auf. Innen dagegen zeigt sich der Adora zwar gewohnt geradlinig modern, aber die neuen Klappen mit ihrer Wellenstruktur weisen sofort auf die neuesten Modetrends.
„Der sieht mit all dem GfK, Alurädern und den großen Bugfenstern schon eher nach Oberklasse aus“, stellt Karosseriemeister Rudi Stahl trocken fest. Klare Linien, schmale Anbauten, flächenbündig eingesetzte LED-Rückleuchten – das macht Eindruck auf ihn. Rundum ist der Adora jetzt mit GfK beplankt. „Dazu ist er mit XPS-Schaum isoliert, was eine echte Verbesserung ist und die Wände sind zudem stärker“, lobt Stahl. Allerdings wäre ihm an den Bodendurchbrüchen weniger und dafür ordentlich geglättete Dichtmasse auch sehr gelegen: „Hier einfach jede Menge Dichtmasse hinspritzen, ist nicht optimal.“
Die Kombination von großem Bugfenster und Oberlicht darüber „schafft eine tolle Optik“. Das gerade geschnittene Bugfenster passt perfekt zum Außendesign mit den flachen getönten Fenstern. Das obere Fenster öffnet sich weit genug, um Wärme abziehen zu lassen. Die dunkel gerahmten vorgehängten Fenster und die Tür mit Fenster sind schick und technisch in Ordnung. Die breite Tür macht den Einstieg komfortabel, relativ hohe Stauklappen erleichtern die Beladung.
Die GfK-Wände sind sehr glatt, „das ist wirklich sehr gut gemacht. Leider sind die Kurbelstützen unter dem Aufbau – vor allem hinten – nicht gut erreichbar, dafür punktet der Heckleuchtenträger mit auswechselbaren unteren Ecken. Die Verarbeitung der Karosserie ist vom Toilettenschacht über die Bodendurchführungen bis hin zum Flaschenkasten gut bis sehr gut.
„Die vorgeschriebene Beleuchtung ist komplett mit LED bestückt, und natürlich ist außen von der Beleuchtung bis zu Kantenradien alles vorschriftsmäßig“, bestätigt TÜV-Ingenieur Roman Heinzle. Unter dem Wagen lobt er die gute Aufhängung beziehungsweise Verlegung der Leitungen für Elektrik, Gas und Wasser. Der Gaskasten ist mit dem durchbrochenen Blechboden perfekt entlüftet, die Klappe öffnet weit, „so kommt man gut an das serienmäßige Ersatzrad und die Stauboxen im Testwagen.“ Innen gefällt ihm die gemischte Beleuchtung mit Spots und indirektem Licht. Die Minispots als Deckenlicht in der Sitzgruppe und im Gang zwischen den Betten muss man fast suchen, „sie sind aber tatsächlich hell genug“, staunt Heinzle. Im Bad findet der Ingenieur die Ausleuchtung mit zwei Spots über der Schiebetür und indirektem Licht hinter dem Spiegel über dem aufgesetzten Waschbecken und auch in der Dusche „ziemlich perfekt“. Die Steckdose neben der Toilette muss auch er suchen, „die dürfte besser zugänglich sein, auch wenn mit der Dusche grundsätzlich Vorsicht geboten ist“.
Neben dem 230-Volt-Anschluss im Bad gibt es zwei in der Küche und je eine in der Sitzgruppe und am TV-Platz, wo sich aber leicht noch drei weitere installieren ließen. Dazu gibt es drei Doppel-USB-Steckdosen, jeweils mit USB-A und USB-C. Zwei Lautsprecher sind in der Sitzgruppe vorgerüstet, aber ohne Soundpaket funktionslos. Die weitere Technik ist nicht weniger überzeugend. Der Kocher punktet mit seiner Taktfunkenzündung, und der schmale hohe Kompressorkühlschrank fasst großzügige 150 Liter. Die Truma-Combi-4-Heizung mit dem 10-Liter-Boiler ist im Bettstaukasten verbaut, die Wasser- und Warmluftleitungen sollten besser verlegt sein.
Im Adora setzen die Slowenen weiter auf ein helles Holz am Korpus. Die gerade geschnittenen Klappen kommen ohne Griffleisten oder sonstiges andersfarbiges Dekor aus. Auffällig ist die gewellte Oberfläche aller Klappen außer an den Küchenoberschränken. Der Tisch ist wie die Küchenarbeitsplatte in einem hellgrauen Marmordekor gehalten, der TV-Schrank neben der Tür trägt oben das gleiche Dekor. Schreinermeister Oli Pfisterer empfindet die neue Gestaltung der Adria-Mittelklasse „modern und gelungen“. Es sind auch weniger Verbinder und Abdeckkappen sichtbar als im letzten Adora. Die Kanten der Möbel sind dafür gut verarbeitet, „nur in den Bettstaukästen finden sich ein paar raue Kanten an Konstruktionshölzern, das war schon besser bei den Slowenen“.
Auch die Abdichtungen in Bad und Küche sind gut gemacht. Die nach innen gewölbten Klappen im Küchenblock bringen Kopffreiheit über der Arbeitsfläche, ohne das Schrankvolumen allzu sehr zu begrenzen. Die Beschläge im Adora sind überwiegend gut. Die aufwendigen Scharniere halten zum Beispiel die Oberschränke so gut zu, dass die Schnäpper im Grunde überflüssig sind. Die geteilten Küchenschubladen laufen in guten Auszügen und auch die Schiebetür vor dem Bad funktioniert tadellos. Die Lattenroste sind zwar nicht in der Härte verstellbar, dafür mit aufstellbaren Kopfteilen komfortabel. Allerdings halten die kleinen Aufsteller die Roste schon ohne Bettzeug drauf nicht offen, „das ist echt unpraktisch“.
„Eine große Rundsitzgruppe ist einfach gemütlich, und mit dem lichtdurchfluteten Bereich dank des Panoramabugfensters wirkt der Wagen gleich nochmal großzügiger und offener – das gefällt mir“, so Wohntesterin Christiane Eckl. Als praktisches Detail im Einstieg fällt ihr sofort das kleine Schubfach rechts im Sitzstaukasten auf, „sowas ist immer gern gesehen“.
Der Mix unterschiedlicher Polsterformen für die Rückenlehnen unterstreicht den Eindruck von Gemütlichkeit und „die verstellbaren Kopfteile sind wirklich klasse, wenn man sich hier ausstrecken will“.
Die Küche gegenüber der Tür überzeugt mit Dunstabzug und der schicken Einheit von Spüle und Dreiflammkocher, „so lässt sich das Kochfeld leicht reinigen.“ Außerdem gibt es von Adria ein auf die Spüle passendes Abtropfbrett, das auf den Kocher passt. Den linken Oberschrank teilt ein Fachboden, den rechten nimmt die Mikrowelle ein, „die ist aber ein Extra, serienmäßig gibt es hier Stauraum.“ Mit dem schmalen Korbauszug eignet sich der Schrank unter dem TV-Halter bestens für Vorräte. Die geteilten Auszüge unter der Arbeitsfläche machen es leicht, Ordnung zu halten. Im 150-Liter-Kompressorkühlschrank kommt jede Menge Kühlgut bestens organisiert und erreichbar unter.
Es gibt im 572 UT keinen hohen Kleiderschrank. Stattdessen schweben sozusagen zwei Schränkchen über den Fußenden der Einzelbetten. „Die reichen aber völlig für urlaubsgerechte Kleidung.“ Die Betten sind breit genug, das linke ist mit 195 Zentimeter Länge etwas kürzer als das rechte Bett. Die eher simplen Lattenroste und die Matratzen sind in Kombination recht bequem. Aufstellbare Kopfteile sorgen hier wie in der Sitzgruppe für variablen Liegekomfort. Bei diesem Grundriss zu bedenken: Die Betten lassen sich nicht verbinden, weil ja der Gang ins Bad frei bleiben muss. Eine Schiebetür trennt das Bad vom Schlafbereich. Das Querbad im Heck punktet mit der separaten Dusche. „Die ist ja der eigentliche Grund, überhaupt ein Heckbad zu wählen. Wer Wert legt auf eine wirklich nutzbare Dusche in einem mittelgroßen Caravan, kommt daran kaum vorbei.“ Um die drehbare Toilette reicht der Platz. Das aufgesetzte Waschbecken und der große hinterleuchtete Spiegel verleihen dem Bad eine Gewisse Eleganz. Was die praktische Seite angeht, gibt es mehr Ablagen als Schränke, man muss also für die Reise schon immer einiges wegstauen. Über dem Fenster und in der Dusche sorgen Stangen für trockene Handtücher. „Die Einhängeschienen für variabel einsetzbare Ablagen und Körbchen sind eine super Idee, zumindest im Testwagen halten sie aber nicht so super gut.“ Auch am rechten Bett und in der Küche erweisen sich diese Schienen mit den Einhängeteilen als nicht perfekt stabil. Ein Handy zum Laden oder ein paar Gewürzdosen sind kein Problem, schwerere Dinge lassen die Aufhängung aber nachgeben. Dies und die nicht offen haltenden Lattenroste sind aber die wesentlichen Kritikpunkte für den Adora 572 UT in dieser Disziplin.
Beim Chassis ist mit Schräglenkerachse, Stoßdämpfern, mechanischer Stabilisierung und Leichtbauchassis fast alles verbaut, was die Mittelklasse braucht. Auflastungen gibt es nicht. Der Testwagen bringt es bei 1.900 Kilogramm Gesamtmasse auf 460 Kilogramm Zuladung. Leer hat der 572 UT aber schon knapp 100 Kilogramm Stützlast, allerdings mit serienmäßigem Ersatzrad im Deichselkasten. Mit dieser Gesamtmasse darf der 572 UT für seine Größe vergleichsweise schwer sein. So sind die Werte aus den Pendelversuchen nicht so einfach zu interpretieren, denn mit dem hohen Gewicht für seine Größe steht er im Vergleich der Größenklasse schlechter da als gleich große, aber leichtere Wagen. Die Auswertung der Pendelversuche zeigt denn auch: Auf seine Grundfläche bezogen liegen wesentliche Messwerte deutlich im ungünstigen Bereich. Das Gierträgheitsmoment GTM für den beladenen 572 UT ist gut zehn Prozent schlechter als der Durchschnitt seiner Größenklasse. Verglichen mit anderen Caravans seiner Gewichtsklasse ist das GTM aber gut acht Prozent besser. Die Adria-Ingenieure haben ihm eine vergleichsweise lange Deichsel spendiert, die sich positiv auf die Fahrstabilität auswirkt. So ist sein Fahrdynamikkennwert FDK nur gut sechs Prozent schlechter als der Durchschnitt gleich großer Profitestkandidaten. Im Kreise der 1.900-Kilogramm-Caravans ist sein FDK über vier Prozent besser. Auf der Straße zeigt er sich hinter dem Mercedes vorbildlich.
Hinter der gelungenen neuen Optik des Adora verbergen sich technische Feinheiten wie der XPS-Schaum und pfiffige Möbellösungen. Es sind aber neben dem aufwendigeren Aufbau und dem neuen Innendesign auch etliche bekannte Details gegenüber dem letzten Adora im Profitest verbessert worden, die weniger direkt auffallen, trotzdem wichtig sind und die kleinen Schwächen korrigieren. Wer einen soliden mittelgroßen Caravan für zwei mit Einzelbetten und Dusche sucht, sollte sich diesen Adria auf alle Fälle näher ansehen.
„Neue Möbel und neuer Aufbau, ohne außen groß aufzufallen, der aktuelle Adora ist deutlich, aber dezent verbessert. Die Karosserie bietet hochwertigen Isolierschaum und Wände aus GfK, beides deutliche Verbesserungen für den Einsatz bei Kälte und Dauerhaltbarkeit. Das neue Innendesign gefällt mit den hellen gewellten Klappen und der neuen bequemen Sitzgruppenlösung. Der Grundriss des 572 UT ist mittlerweile selten geworden, aber ein komfortabler, gut ausgestatteter Reisecaravan für Paare, die Einzelbetten und separate Dusche schätzen.“
– Volker Stallmann, Test-Redakteur
Fahrwerk: Al-Ko Schräglenkerchassis, Reifen 215/70 R 15 auf Stahlfelgen, LI 109 = 1.030 kg, Ersatzrad
Aufbau: GfK/Holz-XPS-Schaum- Sandwich, Dach 29 mm, Wand 33 mm, Boden 45 mm, Tür einteilig 170 x 60 cm, Fenster, Multifunktionseimer, Fliegenschutz, Umlaufmaß 10.320 Millimeter
Fenster: 7 Fenster vorgehängt, alle zu öffnen mit Kombi-Rollos, Sicherheitsriegel, großes Oberlicht, 1 Panoramadachhaube, 2 Klarglashauben Füllmengen: Gas 2x 11 kg, Frischwassertank 50 l, Abwasser 20 l
Innenausstattung: Maße (H x B x T): 198 x 220 x 599 cm, Umbausitzgruppe 210 x 122/129 cm, Betten 80 x 201 u. 80 x 194 cm, 9 Hängeschränke unterteilt, 3 Sitzstaukästen, 2 Kleiderschränke 88 x 58 x 34 cm, TV-Platz mit Schrank 50 x 70 cm, zwei Einlegeböden, schmaler Auszug
Küchenblock: Maße (H x B x T): 97 x 113 x 55 cm, Edelstahlspüle, Dreiflammkocher mit Zündhilfe, Dunstabzug, Kompressorkühlschrank Dometic 150 l, 2 Oberschränke, 4 Auszüge, 1 mit Besteckfach, 2 Staufächer, Rückwandverkleidung, Lichtleiste, 12 Volt LED, 2x 230-Volt-Steckdose
Dusch-/Toilettenraum: Maße (H x B x T): 198 x 143 x 83 cm, sep. Dusche 191 x 83 x 74 cm, Toilette Thetford drehbar, 2 Unterschränke, 5 Ablagen, 2 Einhängeschienen, 1 Spiegel, 2 Spots, 1x 230 Volt
Heizung/Klima: Truma Combi 4, inkl. Boiler u. Warmluft, 6 Auslässe
Energieversorgung/Technik: Umformer, Beleuchtungssystem LED 12 Volt, 2x 3 Spots asl Deckenlicht, je 2 Lesespots Sitzgruppe und Betten, 5 Steckdosen 230 Volt, 3x Doppel-USB A+C, Vorzeltleuchte 12 Volt, FI-Schalter, 2 Lautsprecher, TV-Halter
Extras im Testwagen: Leichtmetallräder 499 €, Transportboxsystem Bugkasten 169 €, Mikrowelle 179 €
Nebenkosten: (TÜV/Brief): 149 €
Gewichte Testwagen Leergewicht* 1.440 kg Herstellerangabe** 1.447 kg Zul. Gesamtgewicht*** 1.900 kg Zuladung 460 kg
Preise Grundpreis: 31.390 Euro Testwagen: 32.237 Euro