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Stellplatztipp: Bauhaus in Weimar

23.03.2024
Bild & Text: Claus-Georg Petri

Nicht einmal, wer auf den Spuren von Walter Gropius und dessen Bauhaus wandelt, kommt in Weimar an Goethe vorbei. Und das in Laufnähe vom Reisemobil.

Zugegeben, so richtig heimelig ist der Stellplatz im Herzen von Weimar nicht. Aber er ist ungemein praktisch, um das kulturelle Erbe dieser Stadt zu Fuß anzutreten: Wege durch zwei Parks führen hin zum Bauhaus-Museum, Goethes Sommerhaus und dem Haus am Horn.

Die ersten Schritte beginnen direkt am Reisemobil, das auf besagtem Hermann-Brill-Stellplatz steht. Von dem großen asphaltierten Areal, auf dem Betonblöcke die Fahrzeuge in die richtigen Bahnen leiten, verläuft ein schmaler Weg vorbei am Schwanenseebad, später am Rand des Weimarhallenparks direkt hin zum ersten Ziel der kulturellen Erkundungstour.

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Nach 550 Metern oder zehn Minuten ist das Bauhaus-Museum erreicht. Unmöglich, es zu übersehen: Den sehr minimalistisch gehaltenen Betonkubus gliedern waagerechte Glasbänder in Form klarer Linien. Das Gebäude ist das Resultat eines internationalen Wettbewerbs. Den Zuschlag für den Bau des Museums bekam die Architektin Heike Hanada in Zusammenarbeit mit Benedict Tonon. Von außen wirkt der erst am 5. April 2019 der Öffentlichkeit übergebene Neubau geschlossen, innen eröffnet er den Besuchern aber eine eigene Welt – die des Bauhauses. Dabei handelt es sich um eine Kunstschule, 1919 in Weimar gegründet von Walter Gropius. Dieser deutsche Architekt gilt neben Ludwig Mies van der Rohe, Lloyd Wright und Le Corbusier als Pionier der internationalen modernistischen Architektur.

Video

100 Jahre Bauhaus - ein Video der Klassik Stiftung Weimar über das Bauhaus Museum.

Auf seine Sammlung geht die Ausstellung im Bauhaus-Museum zurück. Die Objekte spiegeln auf mehreren Stockwerken die Vielschichtigkeit, Kreativität und Lebendigkeit des künstlerischen Wirkens in Weimar wider. Zu sehen sind 250 Exponate von Lehrern und Schülern des Bauhauses, darunter wegweisende Werke von Walter Gropius und Johannes Itten, Lyonel Feininger und Marcel Breuer. Mit dem Bauhaus ist einst ein Stil entstanden, der bis heute weit über die Grenzen von Weimar hinausreicht.

Herausragende Kunst indes hatte es schon Jahrhunderte vorher in der Stadt gegeben – als Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe hier ihre Werke verfassten. Beiden hat die Stadt vor dem deutschen Nationaltheater ein Denkmal gesetzt. Außerdem findet sich in der Innenstadt, am Frauenplan 1, Goethes Wohnhaus, das er 1782 gekauft hat. Im Sommer jedoch lebte und arbeitete der Dichterfürst lieber in seinem Gartenhaus. Das steht knapp zwei Kilometer entfernt vom Bauhaus-Museum im Park an der Ilm, die durch Weimar fließt, und gehört seit 1998 als Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“ zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Wahrzeichen: Vor dem Deutschen Nationaltheater in Weimar stehen Goethe und Schiller in trauter Zweisamkeit. Das Denkmal stammt von dem Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel aus dem Jahr 1857.

Dabei ist das Gebäude eher unscheinbar, es handelt sich möglicherweise um ein Winzerhaus aus dem 16. Jahrhundert. Goethe aber gefiel es: Als er 1775 nach Weimar kam, stand es zum Verkauf. Er erwarb am 22. April 1776 den „Garten auf dem Horne samt dem darinnen befindlichen Garten-Hause, nebst allen, was darinnen Erd-, Wand-, Band-, Nied- und Nagelfest ist“, wie es der Kaufvertrag festschrieb.

Goethe selbst legte Hand im Garten an und schuf das Innere, wie es noch heute zu besichtigen ist. Welch erhebendes Gefühl, durch seine Räume zu laufen, Stühle und Schreibtische zu sehen, Bett und Küche, die dieser herausragende Dichter einst benutzt hat, den Fluss Ilm, in dem er gelegentlich nachts ein heimliches Bad genommen haben soll. Was aber haben nun Bauhaus und Gartenhaus miteinander zu tun? Zunächst nichts. Außer, dass die sehenswerten Gebäude auf einer Linie liegen.

Wer in Weimar auf Gropius’ Spuren wandelt, kommt bei Goethe vorbei – und sollte des Dichters Refugium unbedingt besuchen. Um dann 300 Meter weiterzugehen: Am Ende des Parks an der Ilm steht das Haus am Horn. Dabei handelt es sich um ein einzelnes Musterhaus anlässlich der ersten Bauhausausstellung 1932. Entworfen hat dieses Versuchshaus der deutsche Maler, Grafiker und Bauhaus-Lehrer Georg Muche. Das flache, geradlinige Gebäude sollte verdeutlichen, wie sich das Bauhaus zukünftiges gemeinschaftliches Leben und Arbeiten vorstellte. Die einzige Architektur, die das Bauhaus in Weimar realisiert hat, wirkt noch heute zeitlos und modern.

Alle Räume des eingeschossigen Hauses sind zugänglich. Beispielhafte Rekonstruktionen der einstigen Möblierung vermitteln den Eindruck der ursprünglichen Einrichtung. Und auch hier herrscht ein gewisser Zauber – das Bindeglied zwischen Gropius und Goethe, das über die Jahrhunderte hält. Umso mehr lohnt es sich, auf den drei Kilometern durch die beiden Parks den Spuren dieser Köpfe zu folgen.

Infobox

Wohnmobil-Stellplatz Hermann-Brill-Platz

Abgetrennter Bereich auf dem Parkplatz, 0,2 km vom Stadtzentrum entfernt. 20 Stellplätze auf Pflaster. Hunde erlaubt, Wasser, Strom, Entsorgung (Chem). Keine VE im Winter. Ganzjährig geöffnet. 12 € inkl. Entsorgung, Müll-Entsorgung. Strom 1 €/6 h, Wasser 1 €/80 l. Nur Münzzahlung. www.weimar.de, 50°59’6.17″N/11°18’59.62″E.

Redaktion
Claus-Georg Petri
Claus-Georg ist seit 1995 bei der Reisemobil International und ist Experte für Reisen und Hintergründe und alles Mögliche.
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