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Städtetipp Burghausen: Jazz-Hochburg mit der längsten Burg der Welt

01.06.2026
Text: Meike Nimmesgern | Bild: Burghauser Touristik GmbH

Auf einem schmalen Bergrücken erstreckt sich oberhalb der Altstadt in Burghausen die längste Burg der Welt. Die oberbayerische Stadt ist zudem weltweit als Jazz-Hochburg bekannt. Die Street of Fame erinnert an aufgetretene Legenden.

Eine Stadt der Superlative: Seit August 2009 steht die Burg von Burghausen offiziell als längste Burg der Welt im Guinnessbuch der Rekorde und reiht sich hier neben bedeutsamen Bauwerken wie der Prager Burg ein, die als größte antike Festung der Welt gilt. Dabei ist das oberbayerische Burghausen auf dem Boden geblieben. An der Burg gibt es kostenlose Parkplätze und die Burghöfe sind, bis auf die Museen, jederzeit und kostenfrei für Besucher zugänglich.
Die weltlängste Burg ist so auch trotz Titel ein Ort für die Stadtbewohner geblieben, die zum Feierabend gemeinsam mit den Touristen auf einer der Bänke den herrlichen Ausblick über die Altstadtdächer genießen oder bei einem Bier der Sonne zusehen, wie sie über dem Wöhrsee untergeht – der türkisblaue Badesee liegt am Fuß der Burgbergs.

Foto: Burghauser Touristik GmbH

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Foto: Burghauser Touristik GmbH

Auf der anderen Festungsseite fließt die Salzach. Sie markiert die Grenze zu Österreich. Wer Burg und Altstadt aus der Ferne betrachten möchte, quert den Fluss über eine der Brücken. Von der Terrasse des Waldgasthauses Naturfreunde im österreichischen Duttendorf bietet sich ein herrlicher Panoramablick.

Unterhalb der Burg reihen sich am Flussufer in bunten Pastellfarben die Altstadthäuser, erbaut im sogenannten Inn-Salzach Stil. Jedes Gebäude unterschiedlich nach Vorliebe des damaligen Bauherrn und der Stilepochen Renaissance, Barock und Rokoko gestaltet. Die Stirnseiten der Häuser ragen als Blendfassaden weit über die Dächer hinaus. In den Jahren 1353 und 1504 kam es in Burghausen zu großen Stadtbränden. Um weitere Brände zu verhindern, entwickelte sich im Dreieck zwischen Innsbruck, Hallein und Passau im späten Mittelalter ein eigener Baustil. Die hohen Fassaden hindern die Flammen am Überspringen auf benachbarte Häuser und dienen als Brandschutz.

Über die Dächer der denkmalgeschützten Altstadt ragt mit zweifach geschnürter Zwiebel der 79 Meter hohe Turm der Pfarrkirche St. Jakob. Darüber erstreckt sich die längste Burg der Welt – 1.051 Meter lang überzieht sie mit ihren fünf Vorhöfen den schmalen Bergrücken.
Vom Waldgasthaus sind es nur wenige Minuten flussaufwärts bis zur Aussichtskanzel – von dort haben Spaziergänger ebenfalls einen wundervollen Blick auf das historische Zentrum Burghausens, auch einen Kiosk gibt es.

Symbolisch: Burghausen feierte 2025 sein tausendjähriges Bestehen. Seitdem geben an den Ampeln besondere Leuchtsignale den Weg frei.
Foto: Burghauser Touristik GmbH

Spazierwege: Neun verschiedene Perspektiven

Insgesamt neun Spazierwege weist die Stadt Burghausen aus. Zwei davon führen zur Aussichtskanzel auf der gegenüberliegenden Uferseite der Salzach.
Die klassische Route – Spazierweg Nummer 1 – führt zur Burganlage und durch die Altstadt. Auch einen Weg durch die Neustadt gibt es. Ein anderer führt einmal um den Wöhrsee, ein Weiterer durch wildromantische Natur bis zum steilwandigen Salzachdurchbruch. Sogar auf den Spuren Napoleons können Besucher wandeln, denn der französische Kaiser und Feldherr verbrachte im Jahr 1809 fünf Tage in Burghausen, um die Reparatur der von österreichischen Truppen zerstörten Salzachbrücke zu überwachen.

Der Weg kreuzt die Tittmoninger Straße. Sie führt bergauf aus der Altstadt Richtung Wohnmobilstellplatz. Der liegt etwa drei Kilometer entfernt an einem Grillplatz. Dort steht auch unser Wohnmobil. Wer nicht gut zu Fuß ist, nimmt lieber den Bus. In Tittmoning gibt es zudem einen Campingplatz.

Mit vielen ersten Eindrücken geht es am Abend zurück auf den Stellplatz. Am nächsten Morgen lockt das gemütliche Altstadtcafé am Salzachufer mit Frühstück. Der Weg zum Stadtplatz führt durch die Fußgängerzone „In den Grüben“. Kleine Läden wechseln sich mit Cafés, Kneipen und Werkstätten ab. Im Boden glänzen polierte Bronzeplatten.

Altstadt-Gassen: In den Grüben reihen sich neben kleinen Läden, Cafés, Kneipen und Werkstätten.
Foto: Burghauser Touristik GmbH

Seit 1970 finden in Burghausen Jazz-Veranstaltungen und die Internationale Jazzwoche statt. Hier traten schon einige Legenden auf. 44 der aufgetretenen Jazz-Künstler wurden auf Bronzeplatten im Pflaster der Fußgängerzone verewigt, die daher auch „Street of Fame“ genannt wird. Ein berechtigter Name, denn eine der Platten ziert der Name Ella Fitzgerald. Die „First Lady of Swing“, wie die amerikanische Jazz-Sängerin und Künstlerin seit den Fünfzigerjahren genannt wird, trat 1975 in Burghausen auf. Dave Brubeck und Chet Baker waren sogar zwei Mal da.

Am Ende der Flaniermeile gelangt man durch ein Tor zu einer Straßenbiegung. Beim Blick zurück fällt eine bunte Malerei über dem Torbogen ins Auge. Daneben ragt die schon aus der Ferne betrachtete Pfarrkirche mit ihrem Zwiebeldach empor, an die sich der Stadtplatz mit seinen pastellfarbenen Giebelhäusern anschließt. Es geht an leuchtenden Fassaden in Blau, Rosa, Gelb, blassem Grün und sattem Orange vorrüber. Am Stadtplatz 95 prangtüber einem Durchgang der Schriftzug des Altstadtcafés. Er führt auf einen kleinen Platz. Bei schönem Wetter lässt sich hier mit Blick auf die Salzach im Schatten der Bäume gemütlich draußen sitzen. Die Tische im Café sind gut gefüllt, Käseteller und Kaffee sehr fein.

Burganlage: Fünf Vorhöfe und die Hauptburg

Stattlich: Eine hölzerne Brücke führt über einen tiefen Graben zum Georgstor. Dahinter liegen der erste Vorhof und die Hauptburg. Das im Jahr 1494 errichtete Tor zieren ein bayerisches und ein polnisches Wappen.
Foto: Burghauser Touristik GmbH
Innerer Burghof: Die Hauptburg wurde bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Der linke Aufgang führt zur Dürnitz, ein spätgotischer Ess- und Aufenthaltsraum. Der Rechte in die Kemenate.
Foto: Burghauser Touristik GmbH

Nach dem Frühstück geht es zur Burg hinauf. Am Eingang gibt es eine Touristeninformation. Hier können Führungen gebucht und Tickets für die Museen gekauft werden. In dem Gebäude befindet sich zudem das Haus der Fotografie. Die ersten Schritte in den vordersten Vorhof sind gemacht. Fünf große Höfe unterteilen als Abschnitte die Festung auf dem Bergplateau. Von 1255 bis 1503 diente die Burg als Zweitresidenz der in Landshut residierenden niederbayerischen Herzöge.

Ihre wohl bekannteste Bewohnerin war die polnische Königstochter Hedwig. Sie heiratete im Jahr 1475 den bayerischen Herzog Georg der Reiche. Sie lebte bis zu ihrem Tod auf der Burg und ist auch als Hedwig von Burghausen bekannt. Ihre Landshuter Hochzeit gilt als eines der größten Feste des Mittelalters. Am imposanten Georgstor, durch das man in den ersten Vorhof gelangt, erinnert noch heute ein Doppelwappen an die Heirat: links das bayerisches Wappen, rechts das Polnische. Vor dem Tor führt eine hölzerne Brücke über den tiefen Graben. Dahinter eröffnet sich der letzte Hof mit Burgcafé. An ihn schließt die Hauptburg.

Große Teile der Hauptburg stammen bereits aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, errichtet unter Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern. Der Ausbau der Burg zu ihrem heutigen Zustand erfolgte während der Regierungszeit von Georg dem Reichen. Er ließ die Anlage vor allem in militärischer Hinsicht ausbauen, galt es doch das Fürstenpaar und den engen Hofstaat zu schützen.

Foto: Burghauser Touristik GmbH
Foto: Redaktion

Vom zweiten Vorhof führt jeweils links und rechts ein Weg den Burghang hinunter. Zur einen Seite in die Altstadt und auf der anderen zum Wöhrsee. Über Treppen und Schotter schlängelt sich der Pfad den Burghang hinab, an dem im Sommer Ziegen weiden. Tauernschecken sind eine vom Aussterben bedrohte Gebirgsziegenrasse. Sie fühlen sich an steilen Hängen besonders wohl und finden in Burghausen somit ideale Bedingungen. Dabei leisten sie ganz nebenbei einen Beitrag zur Landschaftspflege.

Bereits im Mittelalter wurden die Hänge um die Burg beweidet. Mit den Jahren des deutschen Wirtschaftswunders wurde dies aufgegeben und es entwickelte sich ein Wald. Seit 2002 gibt es nun wieder Ziegen. Sie fressen die jungen Triebe der Bäume ab, so kann sich der Wald nicht mehr ausbreiten. Zuvor musste der Hang aufwendig mit einem Helikopter gemäht werden. Schön, dass der Blick auf die weltlängste Burg nun wieder frei ist.

Mobil in Burghausen, Adressen und Sehenswürdigkeiten

Burghausen liegt im oberbayerischen Landkreis Altötting am Fluss Salzach, der auch die Grenze zu Österreich markiert. 2025 feierte die historische Stadt ihr 1.000-jähriges Bestehen, denn Burghausen wurde bereits 1025 in einer Urkunde der Kaiserinwitwe Kunigunde erwähnt. Über der Altstadt erstreckt sich auf einem Höhenzug die weltlängste Burg, zudem ist Burghausen für seine internationale Jazzwoche im März bekannt.

Burghauser Touristik, Stadtplatz 99, 84489 Burghausen, Tel.: 08677/881870, www.visit-burghausen.com

Weltlängste Burg, Burg 1

Street of Fame, In den Grüben

Bichl – Café Bar Restaurant, In den Grüben 162, 84489 Burghausen, Tel.: 08677/6690052, www.bichl-burghausen.de

Altstadtcafé Burghausen, Stadtplatz 95, 84489 Burghausen, Tel.: 08677/6691141, www.altstadtcafe-burghausen.com

Burg Café, Burg 46, 84489 Burghausen, Tel.: 08677/877340, www.burgcafe-burghausen.de

Camping in Burghausen und Umgebung

Wohnmobilplatz am Grillplatz, Berghamer Str. 1, 84489 Burghausen, Tel.: 08677/887140, www.visit-burghausen.com. Am Waldpark, 2 km vom Ortszentrum entfernt. 18 Stellplätze auf Schotterrasen. Strom, Wasser, WC, Dusche, Entsorgung (Chem/Grau), Hunde erlaubt. Ganzjährig geöffnet. 12 € inkl. WC, Strom 0,50 €/kWh, Wasser 1 €/70-80 Liter, Dusche 0,50 €/Pers. Bezahlung am Parkscheinautomaten. WC-Schlüssel im Bürgerhaus gegen 50 € Kaution.  Siehe auch Bordatlas Deutschland 2026, Seite 202.

Camping Niedergerner Alpaka-Ranch, Moosen 10, 84533 Haiming, Tel.: 08678/8389, www.niedergerner-alpaka-ranch.de, 8 Kilometer bis ins Zentrum von Burghausen.

Campingplatz Seebauer, Furth 9, 84529 Tittmoning, Tel.: 08683/1216, www.camping-seebauer.de, 16 Kilometer bis ins Zentrum von Burghausen.

Redaktion
Meike Nimmesgern
Reiseredakteurin, Weltenbummlerin und Gute-Laune-Kollegin.
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