> Städtetipp Bad Reichenhall, Oberbayern

Reichenhall im Art déco

31.05.2024
Text: Jessica Thalhammer | Bild: Bad Reichenhall Tourismus & Stadtmarketing

Eine Tour durch Bad Reichenhall zeigt eine vitale Alpenstadt mit Shoppingmeile, Deutschlands einzigem philharmonischem Kurorchester, mit einer der spektakulärsten Seilbahnen der Welt und noch vielem mehr. Ein Besuch lohnt sich für Camper allemal.

Bad Reichenhall am Alpenfluss Saalach in Bayern darf sich zurecht mit klangvollen Attributen schmücken. Natürliche Salzvorkommen – sogenannte AlpenSole – haben die „Mini-Metropole“ im Südosten Oberbayerns bekannt und reich gemacht. 2021 feierte Bad Reichenhall 175 Jahre Badekur: Seit Eröffnung der ersten Kuranstalt hat sich die ehemalige Industriestadt zu einem modernen Kurort weiterentwickelt.

Am anderen Ufer der Saalach liegt langgestreckt der Campingplatz Staufeneck in Piding. Mit dem Rad oder zu Fuß sind es knapp sieben Kilometer ins Zentrum von Bad Reichenhall, da man die Saalach über den Staufensteg queren kann. Mit dem Auto ist es deutlich weiter. Dort wimmelt es von prächtigen Gründerzeitvillen. Ein königlicher Kurpark lockt zum Flanieren und das Industriedenkmal Alte Saline ist ein echtes architektonisches Highlight.

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Die Baugeschichte der oberbayerischen Alpenstadt reicht trotz eines verheerenden Brands im Jahr 1834 bis ins Mittelalter zurück. So blieben etwa die kleine Johanneskirche und die westlich davon noch aufragende Stadtmauer von der Katastrophe verschont. Ein neuer Themenweg, die Architek-Tour, führt seit 2021 zu den spannendsten Stationen, Start ist an der Villa Rein, seit 1938 im Besitz der gleichnamigen Familie.

Der einstige Grundstücksbesitzer Fritz Ackermann riss das alte Gebäude 1898 ab und errichtete an derselben Stelle die jetzige Villa als Kurpension mit Eck-Erkertürmchen, Schweifgiebel-Risalit, Mansarddach und Jugendstilbalkonen. Nach neun Monaten behutsamer Generalsanierung eröffnete das denkmalgeschützte Boutiquehotel 2019 neu. Erhalten blieben das reich verzierte Gründerzeit-Treppenhaus, der Parkettboden, die Einbauschränke und die Türen der 14 Hotelzimmer, kombiniert mit Antiquitäten und schnörkellos-modernem Interieur aus natürlichen, hochwertigen Materialien.

Weiter führt die Strecke in den Königlichen Kurgarten, der Park gilt als einer der schönsten seiner Art in Mitteleuropa. Vorbei am Gradierhaus (1910), größtes AlpenSole-Freiluft-Inhalatorium der Welt, läuft man zum Königlichen Kurhaus. Erbaut 1899/1900 im Stil von Neo-Renaissance und -Barock, offenbart sich dort die einstige, monarchisch-bayerische Bäderszenerie. Die herrschaftliche Freitreppe zum Foyer mit Stuck, Marmor, edlem Messing und prächtigen Kronleuchtern zeugen von Bad Reichenhalls mondäner Geschichte. Noch heute ist der Säulenbau Schauplatz von Musikaufführungen der Bad Reichenhaller Philharmoniker.

In Bad Reichenhalls verkehrsberuhigter Innenstadt offenbaren sich gleich mehrere Architekturstile auf kleinstem Raum: Über das derzeit noch in Renovierung befindliche, klassizistische Axelmannstein, erstes Kurhotel der Alpenstadt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, spazieren Interessierte weiter zum Kurmittelhaus der Moderne. Das Gebäude wurde 1927 im späten Jugendstil für die zentrale Verabreichung von Therapien erbaut und bietet noch heute Inhalationen, Bäder sowie Massagen.

Info Bad Reichenhall

Touristeninformation Bad Reichenhall, Wittelsbacherstraße 15, 83435 Bad Reichenhall, www.bad-reichenhall.de

Die Stadt blickt auf eine viertausendjährige Siedlungsgeschichte zurück, die eng mit der Gewinnung von Salz aus Sole verknüpft ist. Das Bad Reichenhaller Alpensalz hat einen Marktanteil von über 50 Prozent. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Stadt als Kur- und Urlaubsort bekannt, seit 1890 trägt sie das Bad im Namen und 1899 wurde der Stadt das Prädikat eines Königlich Bayerischen Staatsbads verliehen. Die Kurstadt liegt im Saalachtal, eingerahmt von den Ausläufern der Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen.

 

Entlang der Fußgängerzone passiert man dann zuerst das Café Reber. Die historische Fassade und der rote Baldachin des Familien-Stammhauses sind seit 1938 unverändert, im Inneren herrscht Biedermeier-Flair. Kaffeetrinker kehren dort ein und sollten sich unbedingt eine der Mozartkugeln gönnen, für die die Confiserie so weltberühmt ist. Shopping-Begeisterte bummeln ein paar Häuser weiter durchs elegante Kaufhaus Juhasz, 2019 mit dem German Design Award in der Kategorie „Retail-Architektur“ ausgezeichnet.

Nichts spielt in der Alpenstadt eine größere Rolle als das Salz, was im ReichenhallMuseum im historischen Salinen- und Getreidekasten eindrucksvoll dokumentiert wird. Die Ursprünge des heutigen Gebäudes gehen auf das 14. Jahrhundert zurück: Alljährlich hat man die Knechte der Saline zur einen Hälfte aus dem dort gelagerten Getreide, zur anderen mit Geld ausbezahlt. Nur wenige Gehminuten entfernt freuen sich Hobby-Historiker über das bildschöne Industrie-Denkmal Alte Saline, bis 1926 Herstellungsort des Bad Reichenhaller Salzes und in Auftrag gegeben von Ludwig I.

Das prachtvolle Hauptbrunnhaus beherbergt heute die historischen Salzquellen und das Salzmuseum, das ehemalige Sudhaus unter anderem das stylishe Restaurant Salin – auf dem Boden römischer, mittelalterlicher und neuzeitlicher Salzgewinnung. Vom großen Stadtbrand 1834 verschont blieb der beschauliche Florianiplatz nur ein paar Schritte entfernt, wo sich schon im 8. Jahrhundert die sogenannte Dingstätte für Gerichtsversammlungen befand.

Das Viertel bewohnten im späten Mittelalter Bürger, die in verschiedenen Bereichen der Saline tätig waren – so etwa Küfer, die Salzfässer herstellten oder Arbeiter in den Salz-Trocknungsanlagen. Während des 18. Jahrhunderts lebten dort vorwiegend Arbeiter und Taglöhner. Der Name wird auf den Schutzpatron vor Feuergefahr zurückgeführt, so auch der ab 1895 errichtete Brunnen. Die flankierenden, bunten Häuser mit Giebel- und Flachdächern, zum Teil aus dem 16. und 17. Jahrhundert, sind mit Klappläden versetzt. Sie vermitteln eine Ahnung davon, wie Bad Reichenhall einst ausgesehen haben muss.

Die letzte Laufstrecke dauert zwar gut 20 Minuten, doch es lohnt sich: Denn die historische Predigtstuhlbahn mit ihren zwölfeckigen Pavillon-Kabinen von 1928 ist an sich schon ein Architekturdenkmal und zudem die älteste, im Original erhaltene Bahn ihrer Art auf der Welt. Ziel war es damals, das „deutsche Davos“ zu werden. Angelehnt an den Stil des Berliner Hotels Adlon konstruierte Architekt Wilhelm Kahrs die passenden Gebäude an Berg- und Talstation. Die kurze Epoche der „neuen Sachlichkeit“ als Wegbereiter des Bauhauses spiegelt sich vor allem im schlicht gehaltenen Bergrestaurant mit großer Aussichtsterrasse wider. Im Souterrain lädt das „Evelynes“ mit prachtvoller Bar in edlem Art-déco-Ambiente zu exklusiven Veranstaltungen ein.

Campingplatz Staufeneck

Campingmöglichkeit in der Region

Campingplatz Staufeneck, Strailachweg 1, 83451 Piding, Tel.: 08651/2134, camping-staufeneck @t-online.de, www.camping-staufeneck.de

Der Platz entlang des Westufers der Saalach mit alten Baumbeständen misst zirka 2,5 Hektar. Er liegt inmitten eines Landschaftschutzgebietes auf 470 Metern Höhe. Der Fluss mit den Auwäldern ist ein ideales Naherholungsgebiet. Jeder Stellplatz hat Stromanschluss sowie Ver- und Entsorgung. Ganzjährig offen. Stellplatz 9 Euro, Erwachsene 7 Euro, Kinder (bis 14) 5 Euro, Dusche 50 Cent/5min. Hund 2 Euro, Vergleichspreis: 37 Euro.

 

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