> Mit dem Wohnmobil sicher fahren im Schnee

Heiß auf Eis

10.11.2023
Text: Karsten Kaufmann | Bild: Mercedes

Winterliche Straßenbedingungen mit Schnee und Eis erfordern besondere Fahrkenntnisse. Wichtige Tipps für ein sicheres Vorwärtskommen mit dem Wohnmobil im Winter.

Sie sind im Winter mit Ihrem Reisemobil unterwegs? Glückwunsch. Sie werden unvergessliche Momente in märchenhaften Landschaften erleben. Doch kennen Sie auch die Herausforderungen, die auf eisigen Fahrbahnen lauern? Keine Sorge, diese lassen sich durch entsprechendes Know-how und fahrerischem Können durchaus meistern. Und Fahrzeugbeherrschung lässt sich vortrefflich trainieren.

Wir zeigen Ihnen wie und wo. Zudem unterstützen in modernen Reisemobilen clevere Fahrassistenzsysteme wie beispielsweise ABS, ESP oder eine Bergabfahrassistenz. Trotz hilfreicher Technik sollten Sie in unvorhersehbaren Gefahrensituationen schnell und richtig reagieren. Lesen Sie hier 17 hilfreiche Tipps, wie Sie sich und Ihr Reisemobil bestens für diese besonderen Bedingungen fit machen. Sie werden sehen: Sicherheits- und Spaßfaktor steigen parallel.

TIPPS: IM WINTER SICHER MIT DEM WOHNMOBIL UNTERWEGS

  • Der Luftdruck:

    Wer bei Schnee und Eis unterwegs ist, sollte den Reifenfülldruck um 0,2 bar gegenüber dem vom Fahrzeughersteller empfohlenen Wert erhöhen. Der erhöhte Druck öffnet das Lamellenprofil der Winterreifen weiter, was sowohl der Griffigkeit der Pneus zugutekommt, aber auch die Selbstreinigung des Profils fördert.

  • Die Reifen:

    Winterreifen sollten bei winterlichen Bedingungen stets eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern aufweisen. Unter vier Millimetern gilt der Reifen in Österreich als Sommerreifen, es drohen saftige Strafen. Wer auf Ganzjahresreifen unterwegs ist, muss auf ein Fabrikat mit Schneeflocke oder POR-Kennzeichnung setzen. Sonst wird der Reifen in manchen Reiseländern nicht als Winterausrüstung akzeptiert.

  • Scheibenwischer:

    Scheibenwischer sollten in der dunklen Jahreszeit neuwertig, der Wischwassertank samt Frostschutz voll sein. Trocknet aufgewirbelter Schmutz von der Straße auf der Windschutzscheibe, ist binnen Sekunden die freie Sicht nach vorn dahin. Brandgefährlich.

  • Die drei S:

    Spiegel, Scheinwerfer, Scheiben: Die Sicht aus der Windschutz- und den Seitenscheiben sollte stets frei, Spiegel und Scheinwerfer sauber und eisfrei sein. Ein kleines Guckloch in der Windschutzscheibe reicht nicht aus. Eiskratzer und ein sauberes Tuch gegen Kondenswasser innen an den Scheiben gehören in jedes Reisemobil.

  • Schneefrei:

    Rutscht Schnee während der Fahrt vom Dach, kann das für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer gefährlich werden. Unbedingt Schnee vor Fahrtantritt vom Fahrzeugdach entfernen.

  • Schuhe:

    Aufgepasst beim Einsteigen – Ihre Schuhsohle sollten trocken sein. Sonst besteht Rutschgefahr auf den Pedalen. Auch ansonsten gilt: Möglichst wenig Schnee an der Kleidung ins Fahrzeug bringen. Die erhöht die Feuchtigkeit im Fahrzeug und die Gefahr beschlagener Scheiben.

  • Sitzposition:

    Die Hände liegen in der Position drei und neun Uhr auf dem Lenkrad, der Oberschenkel liegt auf dem Sitz auf, das Bein ist bei vollem Druck aufs Bremspedal nahezu, aber nicht ganz gestreckt. So ist man adäquat auf Extremsituationen vorbereitet.

  • Clever fahren:

    Auf Nässe, Schnee und Eis verlängert sich der Bremsweg enorm. Halten Sie Abstand – und passen Sie Ihre Geschwindigkeit den Bedingungen an. „Fühlen“ Sie übers Lenkrad den Untergrund und gehen Sie behutsam mit Bremse, Gas und Kupplung um.

  • Richtig bremsen auf Schnee:

    Maximale Bremswirkung erzielen Sie durch Kupplung treten und voll auf die Bremse! Das Zusammenspiel von ESP und ABS in modernen Reisemobilen hält das Fahrzeug in der Spur – auch in der Kurve. Aufgepasst mit älteren Fahrzeugen: Schiebt der Camper auf blockierten und rutschenden Vorderrädern aus der Kurve heraus? Dann von der Bremse gehen, bis Reifen wieder lenkbar sind und behutsam neu einlenken.

  • Gefährliches Untersteuern:

    Insbesondere Fahrzeuge mit Vorderradantrieb (Ducato) schieben bei zu starkem Einlenken über die Vorderachse. Tipp: Lenkeinschlag reduzieren, Gas wegnehmen, bis die Vorderachse wieder Grip aufbaut und dann behutsam Reisemobil wieder auf Spur bringen. Anders bei neuen, hinterradangetriebenen Reisemobilen auf Sprinter-Basis: Hier hält ESP die Fuhre perfekt in der Spur.

  • Ketten:

    Grundsätzlich werden Ketten an der angetriebenen Achse montiert. Wer allerdings eine lange, steile Bergabfahrt vor sich hat, sollte die Ketten an der Hinterachse montieren. So verhindert er, dass das schlechter gebremste Heck ohne Kette ausbricht.

  • Behutsam Gegenlenken:

    Weniger ist oft mehr. Hektisches Gegenlenken provoziert meist eine zu starke Reaktion des Fahrzeugs. Meist reicht eine ¼ Lenkradumdrehung völlig aus. Cool bleiben.

  • Temperaturen im Auge behalten:

    Unter vier Grad Umgebungstemperatur droht gefährliches Glatteis. Ein Eisbelag bei vergleichsweise milden Temperaturen ist gefährlicher als bei strengem Frost, da sich um den Gefrierpunkt herum auf Eis ein Wasserfilm bilden kann.

  • Vorsicht auf Brücken:

    Brücken kühlen von unten aus, deswegen bleibt dort Schnee früher und länger liegen. Schon die Feuchtigkeit von Nebel lässt die Fahrbahn überfrieren.

  • Vorsicht beim Abbiegen:

    Nebenstraßen und Autobahnausfahrten sind meist weniger befahren und werden häufig wenig oder gar nicht geräumt oder gestreut. Wer hier zu schnell ist, landet schnell im Straßengraben.

  • Obacht beim Schalten:

    Beim Runterschalten sollten Reisemobilisten die Kupplung gefühlvoll kommen lassen. Das verhindert, dass die Antriebsräder beim Einkuppeln auf glattem Untergrund blockieren. Kommt das Reisemobil durch die Einwirkung der Motorbremse dennoch ins Rutschen, schnell auskuppeln und sanft bremsen.

  • Winter-Care-Paket:

    Im Winter gehört eine warme Decke, Handschuhe für den Pannenfall, Unterlegmatten fürs Anlegen der Ketten, Taschenlampe, Schneeketten und/oder eine Anfahrhilfe ins Fahrzeug.

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Reisemobil International gibt Ihnen die wichtigsten Tipps und nennt Tricks für ein gelungenes Wintercamping-Erlebnis.

Foto: ADAC Südbayern e.V.

Fahrsicherheits-Training: Ein Sicherheitsplus für den Reisealltag

Ein Fahrsicherheitstraining zahlt sich aus: Allein schon durch das gute und sichere Gefühl, zukünftig bestmöglich auf Gefahrensituationen vorbereitet zu sein. Der ADAC bietet Trainings für Reisemobilisten und Caravanfahrer an verschiedenen Locations im ganzen Bundesgebiet. Wer bucht, sollte darauf achten, dass der Kurs nur für eine Zielgruppe ausgelegt ist. Alternativ zum ADAC bietet Event-Fahrtrainings 2024 schon an drei festgelegten Terminen spezielle Trainings für Reisemobilisten an (28.04./21.07./27.10.2024). Infos: www.event-fahrtrainings.de.

Grundsätzlich schulen ADAC und Event-Fahrtrainings ähnliche Inhalte, die Preise pro Schulungstag und Person starten bei rund 200 Euro, Preise für Beifahrer und Verpflegung bitte abfragen:

• Bremsen auf verschiedenen Fahrbahnbelägen und bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten

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Karsten Kaufmann
Karsten Kaufmann ist seit 2007 bei der Reisemobil International und ist Experte für Praxis und Zubehör.
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