Gerade bei Campern ist der Weg eigentlich das Ziel. Doch manchmal will man einfach nur schnell von A nach B kommen und sucht Stellplätze entlang der Autobahn. Dabei dürfen die Wohnmobilstellplätze für die Durchreise aber ruhig etwas mehr bieten, als die reine Übernachtung.
Wer aus dem Süden oder der Mitte Deutschlands auf dem Weg nach Norden ist – oder umgekehrt -, braucht früher oder später einen Übernachtungsplatz. Genauso verhält es sich, wenn es beispielsweise in die Bretagne, nach Katalonien, auf den italienischen Stiefel oder nach Slowenien oder Kroatien geht.
Dann braucht es oft nicht viel mehr, als einen Stellplatz in Autobahnnähe, der einfach zu erreichen ist und entsprechend viele Stellflächen bietet, um nicht enttäuscht wieder umkehren zu müssen. Reine Transitplätze gibt es viele, aber es gibt auch Wohnmobilstellplätze für die Durchreise, die sich wirklich lohnen anzusteuern. Zum Beispiel ein angrenzender Barfußpfad zur Regeneration, eine Burg oder Sehenswürdigkeit zum Beine vertreten oder eine deftige Brotzeit vom Stellplatzbetreiber direkt an den Camper gebracht. Persönliche Stellplatztipps der Redaktion, die noch etwas mehr bieten, als die reine Übernachtung.
Wer von Süd-/Mitteldeutschland nach Paris oder in die Bretagne fährt, passiert in der Regel die französische Region Lothringen. Die ist allerdings mehr als nur eine Transitregion: siehe Stellplatz-Check Lothringen (RMI 6/2024). Bei Verdun, in der Nähe von Metz, lockt der Camping-Car Park Stellplatz Charny-sur-Meuse. 50 Stellplätze, teilweise auf Wiese oder geschottert, also reichlich Platz, direkt am Fluss Maas gelegen und unweit der Schlachtfelder von Verdun. Die Fahrt durch die Wälder ist zwar bedrückend, aber interessant zugleich und sehr gut als Abstecher kombinierbar.
Alternativ wartet im Amnéville, nördlich von Metz, ein Stellplatz mit 36 Plätzen direkt neben einem wunderschönen Zoo. Im Winter lohnt sich ein Abendbesuch zur Lichtershow (Luminescence). Beide Plätze liegen unweit der Autobahn.
Der Stellplatz in Egestorf, am Naturerlebnisbad Aquadis, am Rande der Lüneburger Heide, ist für den Autor dieser Zeilen seit Jahren ein Fixpunkt auf dem Weg Richtung Skandinavien. Überzeugend ist nicht nur die Lage kurz vor Hamburg und gerade mal fünf Minuten von der Autobahn A7 entfernt, inklusive Tankstelle am Ortsausgang, sondern auch die Begebenheiten vor Ort. Der große, explizit für Wohnmobile ausgewiesene Bereich des terrassiert angelegten Parkplatzes bietet rund 40 nicht parzellierte Schotterflächen, sodass eigentlich immer ein Platz frei ist. Bei Bedarf kann am Abend zusätzlich auf die anderen Bad-Parkplätze ausgewichen werden. Top! Bezahlt wird am Automaten (Kontrolle am nächsten Morgen), auch V/E und Strom ist vor Ort möglich. Was den Platz so empfehlenswert macht, hat aber noch einen anderen, triftigen Grund: Der angrenzende Barfußpfad neben dem Naturerlebnisbad ist nach Stunden auf der Autobahn eine Wohltat für den Körper. Frische Waldluft inklusive.
Südlich von Kassel: Drei Minuten von der Autobahn entfernt und gefühlt in einer anderen Welt: Die Lage mitten im Wald macht den Stellplatz Heiligenberg unweit der A7 als Zwischenstopp empfehlenswert. Tipp: Am Nachmittag oder frühen Morgen einen kleinen Fußmarsch hinauf zur frei zugänglichen Burgruine (ca. 5 Minuten) und die herrliche Fernsicht vom Burgturm genießen. Die 6 Stellplätze inkl. V/E gehören zum Burghotel (www.burghotel-heiligenberg.de, Abendessen möglich) und sind trotz Autobahnnähe erstaunlich ruhig.
Wer sich auf die Sonnenseite ins spanische Andalusien aufmacht, hat einige Tausend Kilometer vor sich. Die bürstet unser werter Kollege Juan Gamero gerne mal in zwei Tagen runter, kennt aber auch die schönen Plätze für alle, die es etwas gemütlicher mögen. Im Süden Frankreichs, hinter Genf oder Lyon, liegt an der A9 die Abfahrt zum Pont du Gard, einem römischen Aquädukt mit beeindruckender Höhe. Das Bauwerk wurde im 1. Jahrhundert nach Christus erbaut und gehört seit vierzig Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Camping-Car Park Stellplatz in Remoulins mit 31 Plätzen ist ganzjährig geöffnet, der nähere Campingplatz La Sousta in der Avenue du Pont du Gard ab April bis in die ersten Tage des Novembers.
Die Region zwischen Bellinzona und Mailand entlang der A2 ist relativ arm an Stellplätzen für einen Übernachtungsstopp gen Süden. Tipp: Der kleine, idyllisch gelegene Campingplatz Monte San Giorgio in Meride, rund zehn Minuten von der Autobahn entfernt. Er liegt noch auf Schweizer Seite kurz vor Como und bietet wunderschöne Natur, Ruhe und einen kleinen Pool – alles Dinge, nach denen man sich nach einer anstrengenden Etappe auf der Straße sehnt. Dank einer der wichtigsten Meeresfossilienvorkommen der Welt liegt der Platz in einem der interessantesten geologischen Gebiete der Welt und ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Das Fossilienmuseum liegt fußläufig erreichbar im Ort.
Der Weg nach Slowenien zieht sich. Wer an Salzburg vorbei auf der A10 nach Kärnten unterwegs ist, sollte einen klitzekleinen Umweg nach Friesach in Kauf nehmen. Am Rande der Burgenstadt bietet der Genusshof Friesach zehn schön hergerichtete Stellplätze auf dem Bauernhof inkl. Strom und V/E. Das Beste: Vorab kann für den Abend eine deftige Brotzeit in den Camper bestellt werden oder man deckt sich im 24/7-Hofladen ein. Sehenswert: Die älteste Stadt Kärntens mit Stadtmauer und mehreren Burgen ist per Rad erreichbar.
Wer aus Deutschland über die Alpen nach Süden reist, hat hinter dem Brenner oft schon viele Kilometer hinter sich. Dann bietet sich dieser Platz in der nördlichsten Stadt Italiens für eine Übernachtung an, bevor es weitergeht: Der Autohof Sadobre, oder auf Deutsch Sterzing, ist erreichbar über die A22 (Ausfahrt Autohof-Sadobre-autoporto) oder von der Penserjochstraße SS508 aus. Achtung, die Zufahrt führt durch ein Gewirr aus Kreisverkehren und Lkw-Stellplätzen, davon darf man sich nicht entmutigen lassen. Irgendwann kommt eine Schranke zum Autocamp. Dahinter warten ein großzügig dimensionierter Platz, relativ charmefrei, aber mit neuen und überaus komfortablem Sanitärgebäude. Tipp: Vorher auf Maps die Wegführung anschauen.
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