> Exklusiv von 5 Experten geprüft

Attraktiver Teilintegrierter: Pilote P720FC Spring Edition im Profitest

29.11.2025
Text: Mathias Piontek | Bild: Hardy Mutschler

Pilote legt vier technisch hochwertig ausgestattete Sondermodelle mit dem Namen Spring Edition auf: zwei Integrierte und zwei Teilintegrierte, jeweils mit Einzelbetten oder Queensbett über der Heckgarage. Ein gutes Angebot? Das soll der teilintegrierte Pilote P720FC aus der Serie Pacific zeigen.

Sondermodelle sind beliebt. Bei Reisemobilherstellern und Händlern, weil sie den Verkauf ankurbeln, und beim Endkunden, weil er häufig sehr
gut ausgestattete Fahrzeuge zu attraktiven Preisen erhält.

Auch Pilote aus dem westfranzösischen La Limouzinière bei Nantes und einer der der großen Hersteller in Frankreich weiß um die Attraktivität solcher Fahrzeuge und bringt nun insgesamt vier Modelle mit dem Namen Spring Edition auf den Markt: zwei je 7,25 Meter lange Integrierte aus der Baureihe Galaxy auf Fiat Ducato mit 180-PS-Turbodiesel (132 kW) und Automatikgetriebe sowie zwei 7,20 Meter lange Teilintegrierte aus der Baureihe Pacific auf Fiat Ducato mit 140 PS (103 kW) und Automatik.

Der Kunde hat jeweils die Wahl: Einzelbetten oder Queensbett über der Heckgarage. Davor baut Pilote stets ein Raumbad ein und vorm Raumbad die Küche mit separat neben Aufbautür platziertem Kühlschrank. Im vorderen Fahrzeugteil findet sich – ebenfalls bei allen vier Typen – eine geräumige Face-to-Face-Sitzgruppe sowie ein elektrisch angetriebenes Hubbett.

Alle vier Sondermodelle sind somit auf vier Reisende ausgelegt. Allen gemein ist eine äußerst üppige Ausstattung, die bis hin zu Solaranlage, Lithiumbatterie, Wechselrichter, TV-Anlage und Kaffeemaschine reicht. Während die Integrierten einen Grundpreis von 93.900 Euro haben, beginnen der getestete teilintegrierte Pilote P720FC Spring Edition und sein Schwestermodell bei jeweils 83.500 Euro.

Grundriss: Pilote P720FC Spring Edition

Das Testmobil

Pilote P720FC Spring Edition

Basis: Fiat Ducato mit originalem Tiefrahmenchassis, 140/180 PS (103/132kW) und Automatik
Grundrisse: zwei Teilintegrierte und zwei Integrierte Länge: 7,20 und 7,25 m
Grundpreis: 83.500 und 93.900 €

www.wohnmobil-pilote.de

1. Karosserie

Auf das originale Tiefrahmenchassis des Fiat Ducato montieren die Franzosen eine 49 Millimeter starke Sandwich-Bodenplatte mit GfK-Unterseite. Die Wände bestehen aus 29 Millimeter dickem Sandwich mit GfK-Außenseite, und das Dach aus 29-Millimeter-Sandwich hat eine Oberseite aus GfK. Als Isolierung kommt wasserabweisendes XPS zum Einsatz. Alle Partien des Aufbaus sind gut zueinander abgedichtet. Im Aufbau kommen an neuralgischen Stellen statt Holzleisten solche aus nässeunempfindlichem, hochfestem PU zum Einbau.

Beim Heckstoßfänger und an den seitlichen Aufbauschürzen, partiell unterlegt mit Dichtlippen, gefällt die hohe Passgenauigkeit. Weniger gut: Die Kunststofffender vom Aufbau zum Fahrerhaus montiert der Hersteller ohne Dichtnaht. Sie scheuerten beim Testfahrzeug am Lack des
Fahrerhauses.

Der Unterboden präsentiert sich sehr gut versiegelt, und mit Ausnahme der Vorwiderstände der Rückleuchten sind sämtliche Kabel sehr ordentlich verlegt und gut geschützt. Die Rahmenverlängerung unter der vollisolierten Heckgarage ist an ihren Enden schön abgerundet, sodass das Verletzungsrisiko minimiert ist.

„Dach, Wände und Boden des GfK-Aufbaus sind sehr gut abgedichtet. Doch an den Fendern fehlen die Dichtfugen, was dazu führt, dass die Kunststoffteile am Lack des Fahrerhauses scheuern.“ (Rudi Stahl, Karosseriebaumeister)

Am Aufbau setzt Pilote serienmäßig Rahmenfenster ein, und in der Dachhutze lässt ein Fenster zusätzlich zu den übrigen Dachfenstern Licht in den Innenraum. Die Aufbautür verriegelt doppelt, ist an die Zentralverriegelung angeschlossen und mit Türfenster ausgestattet. Das hilft dem Fahrer beim Blick nach rechts hinten. Auch die elektrische Trittstufe ist ebenso serienmäßig wie die sehr gut zur Seitenwand hin abgedichtete Markise mit LED-Beleuchtung. So punktet der Aufbau des Pilote P720FC Spring Edition mit guter Verarbeitung und guter Ausstattung.

Foto: Hardy Mutschler

2. Innenausbau

Profitester Tilo Kiess betritt den Innenraum des Pilote und betrachtet das helle, moderne Mobiliar. Er zieht hier, rüttelt dort, fixiert Spaltmaße zwischen Auszügen und Oberschrankklappen, streicht an Möbelkanten entlang und sagt erst einmal gar nichts. Doch dann entfährt es ihm: „Also hier möchte ich überhaupt nicht mehr aufhören, überall anzufassen.“

In der Tat erweist sich das geradlinige Mobiliar als eines der Sahnestücke des geräumigen Franzosen. Die Möbel sind ausgesprochen stabil, hervorragend verarbeitet, die Küchenarbeitsplatte ist zwar ohne Dichtfuge, aber rundum, also auch zu den Wänden hin, mit präzise aufgebrachten Umleimern versehen.

Die Duschkabine? Verfugt wie in einem Oberklasse-Mobil. Das solide, wackelfreie elektrische Hubbett ist per Schlüssel gesichert, und die optionale Höhenverstellung des Queensbetts zur Erweiterung der Heckgarage darunter funktioniert ebenfalls tadellos. Die tragfähigen Auszüge der Küche kennt Tilo Kies aus dem Möbelbau für zu Hause.

„Ich möchte überhaupt nicht aufhören, überall anzufassen: Sämtliche Umleimer sind entgratet, die Küchenauszüge ausgesprochen stabil und der gesamte Innenausbau ist sehr gut verarbeitet.“ (Tilo Kiess, Sachverständiger Tischler-/Schreinerarbeiten)

Zwei Dinge am Innenausbau könnte man verbessern: Zum einen die hintere rechte Ecke vom Hubbett abrunden, denn sie reicht bei abgesenkter Liegefläche in den Türdurchgang hinein. Und zum anderen die beiden Bodendeckel für Frisch- und Abwassertank sowie die dazugehörigen Ausschnitte im Sperrholz des Fußbodens gegen Nässe versiegeln.

3. Sitzen und schlafen

Der Pilote P720FC Spring Edition hält für seine Reise-Crew eine großzügige, insbesondere in Frankreich, zunehmend aber auch hierzulande sehr beliebte Face-to-Face- oder F-Sitzgruppe bereit. Das Zweier-Sofa auf der Fahrerseite und der Einzelsitz gegenüber sind bequem und lassen sich im Nu zu je einem Sitzplatz mit Dreipunkt-Sicherheitsgurt umbauen. Hierbei kommt es dem Nutzer sehr entgegen, dass Pilote die Rückenlehnenpolster der Sitzbänke mit eingenähten Magneten und an den Möbeln angeschraubten Metallplatten fixiert – besser kann man es nicht machen.

Während in der Sitzbanktruhe die kombinierte Diesel-Luft-Heizung Truma Combi 6 DE CP Plus mit zusätzlicher Elektro-Heizpatrone und das Frostschutzventil FrostControl sehr gut zugänglich installiert sind, finden sich in der Truhe des Einzelsitzes Komponenten der Elektrik.

Die Tischplatte auf zentralem Fuß lässt sich drehen, verschieben und hälftig umklappen, damit man einfacher zu den dreh- und höhenverstellbaren Vordersitzen mit je zwei Armlehnen gelangt. Mit 83 Zentimetern aufgeklappt und 86 Zentimetern umgelegt, ist die Tischplatte für normalgroße Menschen jedoch rund zehn Zentimeter zu hoch. Die Ausleuchtung der Sitzgruppe mit LED-Einbauspots, LED-Lichtleisten und LED-Ambientebeleuchtung ist sehr gut, Licht von oben fällt zudem durch das Fenster in der Dachhutze sowie durch das Dachfenster über der Küche.

„Für mehr Autarkie spen- diert Pilote hochwertige Komponenten wie eine 200-Amperestunden-Lithiumbatterie, einen Wechselrichter sowie zwei Solarmodule. Zudem ist die Installation im gesamten Innenraum sehr ordentlich ausgeführt.“ (Götz Locher, Elektromeister)

Unterm hochgefahrenen Hubbett bleibt eine Stehhöhe von üppigen 1,94 Metern. Die Elektrik der absenkbaren Liegefläche ist sehr gut vor Kinderhänden geschützt: Um die Mechanik in Gang zu setzen, ist sie zunächst im übersichtlichen Zentral-Elektropaneel und zusätzlich mit einem Schlüssel am Bedienpaneel des Hubbetts freizuschalten.

Zum Absenken des Hubbetts wird an der Sitzgruppe darunter nichts umgebaut. An vier Gurten aufgehängt und in zwei vertikalen Schienen geführt, ist die Liegefläche wackelfrei und stabil. Die 199 mal 125/100 Zentimeter große und 10 Zentimeter dicke Matratze ruht auf Holzlattenrosten. Die Einhängeleiter könnte etwas längere Haltelaschen haben, sie rutscht relativ leicht aus den Ösen am Hubbett.

Sehr gut: Dank einer Wechselschaltung erlöschen bei auffahrendem Hubbett die beiden LED-Leseleuchten überm Kopfende, bei herabfahrender Liegefläche die LED-Einbauspots an der Unterseite des Hubbetts. Zentrales Element im Schlafzimmer ist das komfortable Queensbett mit 190 mal 150 Zentimeter großer, zwölf Zentimeter starker Matratze auf Holzlattenrost mit aufstellbarem Metallrahmen, unter dem sich zwei Schubladen und mehrere Staufächer verbergen. Weil sich die Matratze erst am Fußende verjüngt, ist der Durchgang am Bett vorbei zu den seitlichen Kleiderschränken etwas beengt. Die gute Ausleuchtung des Schlafzimmers und die optionale Höhenverstellung der Liegefläche sind wiederum positiv.

4. Küche und Bad

Die sehr gut ausgeleuchtete Küche bietet wegen des partiell im Küchenunterschrank installierten Gasflaschenkastens nicht allzu viel Stauraum, dafür ist sie mit 149-Liter-Kompressorkühlschrank, Kaffeemaschine und ausreichend großer Spüle gut ausgestattet. Der Abstand der beiden Brenner des Gasherds indes ist mit 21 Zentimetern nicht sehr groß.

Das Raumbad bietet mit geöffneter als Abtrennung zur Küche fungierender WC-Raumtür und Holz-Schiebetür zum Schlafzimmer hin viel Privatsphäre. Zwei Dachfenster erlauben einen schnellen Luftaustausch. Weitere Highlights: das Dreh-WC von Dometic mit Porzellan-Inlay sowie die geräumige und sehr gut verfugte Duschkabine mit per Magnet fixierten Duschtüren.

„Ein elektrisches Hubbett, bedient von Kindern, kann eine Gefahr darstellen – nicht so im Pilote: Die Elektrik ist am Zentralpaneel freizuschalten und zudem per Schlüssel zu entsichern. Besser geht es nicht.“ (Achim Niethammer, Dekra-Sachverständiger)

5. Pro & Contra - das ist uns aufgefallen

6. Auf der Teststrecke

Der Pilote P720FC Spring Edition rollt mit originalem Fiat-Tiefrahmenchassis aufs Testgelände. Bis an seine Lastgrenze beladen, durchfährt der 3,5-Tonner den doppelten Fahrspurwechsel mit 55 km/h und liegt damit im Durchschnitt. Für den 18-Meter-Slalom benötigt der Teilintegrierte 15,1 Sekunden, ist hier langsamer als der Durchschnitt. Ursachen dafür sind das tiefe Eintauchen und Untersteuern der originalen Fiat-Vorderachse, die aufgrund des langen Hecks zum Übersteuern neigende Hinterachse sowie das recht früh eingreifende ESP. Letzteres bremst das Fahrzeug vor Erreichen des Grenzbereichs zuverlässig ab, verhindert so aber eine kürzere Durchfahrzeit.

Bei der Komfortmessung leitet die Vorderachse an McPherson-Federbeinen Fahrbahnunebenheiten deutlich bis in die straffe Sitzpolsterung ein. Die hintere Starrachse an einlagigen Längsblattfedern absorbiert Stöße etwas besser. Erfreulich gering ist das Innenraumgeräusch. Zwar ist der Motor des Fiat Ducato akustisch präsenter als bei Mercedes-Benz und Ford, doch fallen Windgeräusche – und trotz harter Federung sogar die Möbelgeräusche – erfreulich gering aus. Mit dem Basismotor mit 140 PS (103 kW) ist der Pilote, insbesondere vollbeladen, keine Rakete, doch um im Verkehr auch auf der Autobahn mitzuschwimmen, reicht der Vortrieb gut aus, und die serienmäßige Achtgang-Automatik wählt komfortabel stets das passende Übersetzungsverhältnis.

Der Verbrauch an Diesel liegt bei passablen 11,3 l/100 km. Die Sicht für den Fahrer ist dank hoher Sitzposition und kurzer Ducato-Motorhaube nach vorn und zu den Seiten hin sehr gut. Auch der Ausblick nach links hinten und dank Türfenster auch nach rechts hinten ist ebenfalls gut. Die serienmäßige Rückfahrkamera liefert ein klares Bild an das Radiodisplay.

7. Testfazit

Foto: Hardy Mutschler

Ein solide gemachter Aufbau, ein hervorragendes Mobiliar, dazu eine elektrische Ausstattung, die keine Wünsche offen lässt – der Pilote P720FC Spring Edition ist ein attraktiver, moderner Teilintegrierter für vier Personen, und das zu einem äußerst attraktiven Preis. Dass an den Fendern Dichtmasse fehlt oder der Tisch zu hoch ist, das sind leicht zu behebende Kleinigkeiten. Bei Reisen zu viert aber ist eine Auflastung unumgänglich. Zahlen, Zahlen, Zahlen – die exakte Bewertungsmatrix lesen Sie hier.

Redaktion
Mathias Piontek
Mathias Piontek ist seit Juli 2006 im Team von Reisemobil International und für die Fahrzeugtests zuständig.
zum Profil
AKTUELLE AUSGABE
12/2025
Abo
abschließen,
Prämie
sichern!
Akuelle image