Der toskanische Reisemobilhersteller Laika blickt auf eine lange Geschichte zurück – in bester Nachbarschaft zu den Etruskern.
Fast hätte es das Laika-Werk in San Casciano in Val di Pesa bei Florenz nie gegeben. Denn bei den Bauarbeiten stießen die Arbeiter auf Überreste etruskischer Siedlungen aus vorrömischer Zeit. Immer wieder wurden die Planungen modifiziert, bis die moderne Produktionsstätte 2016 feierlich eingeweiht werden konnte. Ehrengast: der damalige Präsident des Ministerrats der Italienischen Republik, Matteo Renzi.
Doch die Geschichte von Laika begann 52 Jahre zuvor. In den 60er-Jahren erlebte Italien den wirtschaftlichen Aufschwung. Die Bauarbeiten an der berühmten Autostrada del Sole A1 von Mailand nach Neapel waren in vollem Gange, das Asphaltband erreichte 1964 Florenz. Im selben Jahr gründete Giovanbattista Moscardini ein Unternehmen, um Caravans zu bauen. Gleich zu Beginn machte sein Laika 500 von sich reden: ein leichter Polyester-Caravan, dessen obere Aufbau-Hälfte sich herunterkurbeln ließ, um den Luftwiderstand zu verringern – ideales Anhängsel für den winzigen Fiat 500.
Giovanbattista Moscardini errichtet sein Werk einige Kilometer südlich des heutigen Hauptwerkes, in Tavarnelle in Val di Pesa. Hier laufen heute noch die Campervans vom Band. Auch ein Name für das Unternehmen war schnell gefunden: Die von den Sowjets 1957 ins All geschossene Hündin Laika genoss im Italien der 1960er-Jahre regelrecht Kultstatus. Seither ziert ein ursprünglich roter, heute meist grauer geflügelter Hund jedes Freizeitmobil der toskanischen Marke.
Im Jahr 2001 tritt Laika der Erwin Hymer Group EHG bei. Dadurch profitiert das Unternehmen auch von Synergieeffekten, etwa beim Einkauf. Gleichzeitig bewahrt sich Laika aber seine Eigenständigkeit beim Außendesign wie auch beim Interieur. 1999 hatten die Italiener ihre gehobene Baureihe Kreos vorgestellt. Die Serie Ecovip feierte ihr Debüt bereits 1992 – damals noch mit Reisemobilen und Caravans. Kreos und Ecovip finden sich bis heute im Programm, ergänzt um die günstige Baureihe Kosmo.
Laika gilt heute als Vollsortimenter: Von Campervans über Teilintegrierte über Integrierte bis hin zu Alkovenmobilen findet der Kunde ein breites Angebot. Unterhalb der Stammmarke fertigt Laika Einsteigerfahrzeuge der Marken Etrusco und Corigon, und neuerdings rollen auch Reisemobile der rheinland-pfälzischen Marke Ahorn Camp auf Renault Master aus den Werkshallen in San Casciano in Val di Pesa.
Das alte Werk in Tavarnelle in Val di Pesa platzte in den 2000er-Jahren aus allen Nähten – da eröffnete die neue 30.000 Quadratmeter große Produktionsanlage in San Casciano in Val di Pesa neue Möglichkeiten: Dank dreier Produktionslinien lassen sich neue Modellreihen vergleichsweise einfach integrieren. Als Basis kommen, je nach Baureihe und Marke, in erster Linie der bewährte Fiat Ducato, aber auch der Ford Transit und speziell für Ahorn Camp der Renault Master zum Einsatz. In der Vergangenheit setzte Laika auch schon öfter auf den Mercedes-Benz Sprinter. Bei Integrierten und Teilintegrierten der Serien Kreos und Ecovip mit isoliertem und beheiztem Stauraum-Doppelboden kombiniert der Hersteller das Basisfahrzeug mit einem feuerverzinkten Chassis von Al-Ko mit komfortabler Drehstab-Hinterachse.
Das neue Werk ist so konzipiert, dass die einzelnen Fertigungsschritte am Fahrzeug erfolgen, ohne dass dieses seine Fertigungslinie verlassen muss. Nach jedem Arbeitsschritt führen die Mitarbeiter eine Kontrolle durch.
Die Basisfahrzeuge rollen zu Beginn des Fertigungsprozesses in die Halle. Die originalen Chassis erhalten alsbald eine Rahmenverlängerung für den Heckgaragenboden. Bei den Chassis von Al-Ko ist diese teils schon installiert.
Auf das Chassis montieren die Mitarbeiter eine isolierte Bodenplatte. Bei allen Laika-Reisemobilen besteht deren Unterseite aus verrottungsfestem GfK, und als Isolierung kommt geschlossenzelliges XPS zum Einsatz, das aufgrund seiner Struktur kein Wasser aufnimmt. Die einfacheren Fahrzeuge, etwa der Marken Etrusco oder Corigon, sind mit EPS isoliert. Sie erhalten aber ebenfalls eine Unterseite aus GfK.
Je nach Modell folgt dann die Konstruktion eines Doppelbodens. Dieser nimmt später Teile der Wasseranlage, der Heizung sowie der Elektrik auf. Dank des isolierten und beheizten Zwischenraums freut sich der Urlauber dann später über einen angenehm warmen Fußboden – beheizt von einer Gas- oder Dieselheizung von Truma oder aber von einer Gas-Warmwasserheizung von Alde. Zudem bietet der Doppelboden zusätzlichen Stauraum.
Nun erfolgt der Aufbau der im Werk vorbereiteten Möbelgruppen samt ihrer Einbaugeräte wie zum Beispiel Kühlschrank und Herd. Ohne die Außenwände geht das viel einfacher. Erst wenn der Innenausbau in seinen Grundzügen erledigt ist, komplettieren Wände, Dach und Frontmaske bei den Integrierten oder die Dachhutze bei den Teilintegrierten den Aufbau. Die Wände haben Außenseiten aus Alublech. Isolierung ist auch hier XPS bei den Laika-Modellen und EPS bei den übrigen Fahrzeugen. Die im Werk produzierten Wände erhalten schon vor dem Einbau Fenster, Klappen und Türen.
Ab und zu gleitet ein Schatten durch die Halle – dann ist unter der Gebäudedecke ein Dach unterwegs zu einem der Reisemobile. Auch die Dächer, sie bestehen aus Sandwichplatten mit GfK-Oberseite und XPS oder EPS als Isolierung, sind bereits mit Dachfenstern und Lüftern bestückt und werden ebenfalls von Laika hergestellt.
Dach, Wände und Boden verbinden die toskanischen Mitarbeiter mit stabilen, leichten Aluprofilen. Und auch beim Möbelbau sind die einzelnen Komponenten so stabil wie nötig und so leicht wie möglich.
Auch bei der Installation der Elektrik und der Wasseranlage lassen die Mitarbeiter viel Sorgfalt walten und achten auf gute Praxistauglichkeit. Der Wasseranlage etwa spendiert Laika ein Druckausgleichsgefäß, das allzu häufiges Anspringen der Druckwasserpumpe unterbindet.
Vor allem aber ist es das unverwechselbare Design und das hochwertige Mobiliar, das die Kunden in ganz Europa an Laika schätzen und das dieser traditionsreichen Marke ihren festen Platz in der Hymer-Gruppe sichert.
Giovanbattista Moscardini war ein Visionär, glaubte an den Fortschritt und sah bei seinen Landsleuten einen Reiseboom voraus. Ab 1964 baute er den Laika 500.