Die Kirchen in Hildesheim sind weltweit bekannt. Seit 1985 gehören der Mariendom und die Michaeliskirche zum UNESCO-Welterbe. Auf der Rosenroute geht es durch die Stadt – die ist auch vom Wohnmobil-Stellplatz gut zu erreichen.
So flüchtig wie ein einzelner Atemzug scheint ein ganzes Menschenleben im Vergleich zur tausendjährigen Geschichte des ältesten Rosenstocks der Welt. Der streckt sein Geäst im Innenhof des Hildesheimer Mariendoms über die Außenmauer bis zum Dach hinauf, dicht gewachsen, dazwischen Blüten in Zartrosa. Das niedersächsische Hildesheim, 30 Kilometer südöstlich von Hannover, bezeichnet sich selbst als Rosenstadt. Die sogenannte Rosenroute führt durch Hildesheim zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Sie beginnt am Marktplatz.
Der Stellplatz für Wohnmobile liegt etwas mehr als zwei Kilometer entfernt vom Marktplatz am Hohnsensee, eine halbe Stunde zu Fuß. Der Weg in die Innenstadt führt an einer Kirche vorbei, der Basilika St. Godehard. Sie liegt am Südrand der Altstadt. In den Straßen um das romanische Gotteshaus reiht sich ein Fachwerkgebäude an das nächste. Zwischen den vier Straßen Gelber Stern, Hinterer Brühl, Lappenberg und der Kesslerstraße erstreckt sich das historische Fachwerkviertel Hildesheims.
Im Gelben Stern 21 steht das Waffenschmiedehaus mit seinen roten Balken und Schnitzereien, das älteste erhaltene Fachwerkhaus der Stadt – errichtet im Jahr 1548. Heute birgt es das Neisser Heimatmuseum. Die meisten Häuser im Viertel wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, später jedoch originalgetreu wiederaufgebaut.
Entlang der wunderschönen Fassaden geht es durch die Hintere Brühl und dann über die Brühl weiter bis zur Bürgerkirche St. Andreas. 364 Stufen führen in ihren Turm hinauf. Der Blick von der Aussichtsplattform auf 75 Metern Höhe reicht über die Dächer Hildesheims bis in die Region hinaus.
Hierbei sticht das türkis-grüne Dach des Mariendoms nur wenige Straßen entfernt unter den roten Ziegelflächen hervor. Im Winter ist der St.-Andreas-Kirchturm geschlossen. Die Aussichtsplattform öffnet wieder im April und ist bis zum Saisonende Anfang November immer freitags bis sonntags sowie an Feier- und Brückentagen geöffnet – in den niedersächsischen Oster-, Sommer- und Herbstferien sogar täglich.
Gleich gegenüber der Kirche lädt am Andreasplatz die Kaffeebar Das kleine Röstwerk zu Cappuccino, Espressi und Kuchen. Im Sommer gibt es Tische und Liegestühle auf dem Platz, während im Winter drinnen ein Kamin wärmt. Weiter geht es quer über die Hildesheimer Fußgängerzone zum Marktplatz. Unterwegs fällt ein im Boden eingelassenes Miniatur-Stadtmodell aus Bronze auf. Es zeigt Hildesheim als Befestigung mit Stadtmauern und Gräben, datiert auf 1641.
Wer den Markplatz über die Rathausstraße betritt, erblickt zuerst einen imposanten Sandsteinbau am Ende des Platzes – das Rathaus mit großen gotischen Fenstern. Der älteste Teil der denkmalgeschützten Stadtverwaltung wurde zwischen den Jahren 1268 und 1290 erbaut.
Auf dem Platz davor plätschert Wasser in einem Brunnen. Rechts davon sitzen auf einer hellen Hausfassade zwei schmale Türme. Das sogenannte Tempelhaus war einst ein Herrenhaus, heute beherbergt es die Touristen-Information. Hier gibt es zahlreiches Infomaterial und auch eine Broschüre zur Rosenroute. Entlang dieser zweieinhalb Kilometer Tour erkunden Besucher die Sehenswürdigkeiten der Stadt auf eigene Faust. Sie beginnt am historischen Marktplatz am Eingang zur Judenstraße neben dem Tempelhaus. Im Boden weist eine Rose auf einer Bronzetafel den Weg. Von hier leiten im Boden eingelassene Keramik-Rosen durch die Straßen Hildesheims.
Ein Blick schweift über die alten Häuserfassaden des Marktplatzes. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er fast vollständig zerstört. Im Jahr 1989 begann die Stadt, die Fassaden wiederaufzubauen, jede für sich enthält kunstvolle Elemente.
Etwa zwei Stunden dauert der Spaziergang entlang der Rosensymbole. Er führt zurück ins Fachwerkviertel, auch die St. Andreas Kirche liegt darauf. Statt der Route zu folgen, geht es daher als Nächstes in den Magdalenengarten, einen der ältesten historischen Gärten Niedersachsens mit mehr als 1.800 Rosen, wilden Tulpen, alten Obstbäumen und einem Weinberg.
Anfangs gehörte der Garten zur Michaeliskirche. In Beeten wurde Gemüse angepflanzt. Erst im 19. Jahrhundert wurden zwei Wege darin eingezogen, die sich mittig kreuzen. 200 Jahre lang interessierte sich niemand für die Fläche – bis 2003. Seitdem führt ein Weg aus dem Magdalenengarten zur Kirche St. Michaelis.
Die Benediktinerabteikirche St. Michael gehört seit 1985 zum UNESCO-Welterbe. Sie wurde von 1010 bis 1022 von Bischof Bernward von Hildesheim erbaut. Die Türme und Fenster symmetrisch ausgerichtet, ist die Michaeliskirche eine von wenigen Großbauten in Europa, die der Jahrtausendwende entstammt. Im Inneren beeindruckt die bemalte Holzdecke aus Eichenbohlen. Fast wie Spielkarten-Motive wirken die Figuren mit ihren roten Umhängen vor dem blauen Hintergrund. Die acht Bilder zeigen die Wurzel Jesse, den Stammbaum Jesu.
Lediglich 500 Meter entfernt, fußläufig über die Burgstraße zu erreichen, ruht der Hildesheimer Mariendom, ebenfalls seit 1985 Welterbe. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 815 zurück. Monumental und schwer erhebt sich das Mauerwerk auf dem Domhof.
Im Jahr 1046 zerstörte ein Feuer große Teile des Doms. 15 Jahre später wurde der neue Mariendom geweiht. Neben den Kunstschätzen, dem riesigen goldenen Leuchter und der Bernwardtür aus Bronze zieht ein dorniges und ebenso zartes Gewächs viele Besucher nach Hildesheim.
Seit Anbeginn klettert im Innenhof des Doms ein Rosenstock an den Steinmauern empor – selbst das Feuer konnte ihn nicht zerstören. Der Rosenstock verbrannte, doch aus Erde und Trümmern sprossen 25 neue Triebe hervor, so die Legende.
Wer noch etwas Zeit hat, erkundet in den Stadtteilen Moritzberg, Oststadt, Nordstadt und Neustadt die Ateliers, Kunstwerksstätten und Galerien. Zu entdecken gibt es Keramik, Schmuck, bunte Street-Art-Gemälde, gemütliche Cafés und Restaurants.
Bevor es mit dem Wohnmobil weiter geht, wartet 18 Kilometer von Hildesheim entfernt ein Märchenschloss, das jüngst Film- oder eher Seriengeschichte schrieb. Das Schloss Marienburg ist Hauptdrehort der Serie „Maxton Hall“.
Seit dem Start der zweiten Staffel im November 2025 besuchen zahlreiche Fans das neugotische Schloss. Es dient in der Serie als Kulisse für eine Privatschule. „Maxton Hall“ gilt als erfolgreichste deutsche Serie des Streaming-Dienstes Amazon Prime Video, ausgestrahlt in über 120 Ländern.
Im Moment wird das Schloss renoviert und kann nur von außen bestaunt werden. Doch aufgrund des großen Interesses werden Teile des Schlosses vorübergehend bereits während der Sanierungszeit für Besucher geöffnet. Vor Ort gibt es Parkplätze.
Mit dem Rad führt der Weg vom Hildesheimer Stellplatz zum Schloss durch grüne Weite. Schon aus der Ferne erhebt sich die ehemalige Sommerresidenz am Berghang, als würde sie gerade aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Doch hier wächst kein tausendjähriger Rosenstock.
Das Schloss wurde erst um 1860 von König Georg V. von Hannover für seine Gemahlin Marie von Hannover errichtet. Jedoch wurde nach ihr eine duftende Edelrose benannt, die Rose „Königin Marie“ in Porzellan-Rosa.
Hohnsen, 31134 Hildesheim, Tel.: 05121/17980, www.hildesheim-tourismus.de, 52°8‘20.31“N/9°57‘14.13“E. Naturnahe Lage mit Blick auf den Hohnsensee, 2,1 km vom Marktplatz/Ortszentrum entfernt. 6 Stellplätze auf Schotter, Hunde erlaubt, öffentliches WC in 0,2 km. Ganzjährig geöffnet. Übernachten kostenlos, Aufenthalt max. 2 Nächte. Siehe Bordatlas Deutschland 2026 von Reisemobil International, Seite 323.