> Stellenabbau bei Dethleffs

"Es gibt keine Krise. Es ist vielmehr eine Rückkehr zur Normalität."

06.01.2026
Text: Claus-Georg Petri | Bild: Dethleffs

Dethleffs baut in seinem Werk in Isny 90 Stellen ab. Dabei stellt der Caravan- und Reisemobilhersteller seiner Belegschaft Abfindungen in Aussicht. Geschäftsführer Bernhard Kibler erklärt im Exklusiv-Interview die Hintergründe.

Bereits seit Juli haben Geschäftsführung und Betriebsrat verhandelt, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Dethleffs baut in seinem Allgäuer Werk in Isny Stellen ab. Insgesamt 90 Freiwillige sollten bis Dezember gefunden werden – mit Aussicht auf eine Abfindung. Die Höhe der Abfindung richtet sich nach der Betriebszugehörigkeit. Für Mitarbeiter ab 60 Jahren wird ein sogenanntes Alters-Programm aufgesetzt.

Während des Booms der Corona-Jahre wurden zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt. Die erhöhte Nachfrage klang ab, doch der Personalbestand blieb. Es folgten Monate der Kurzarbeit. Nun soll die Kapazität im Werk wieder der Produktion angepasst und der Standort zukunftssicher aufgestellt werden.

"Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir jetzt handeln."

Gegenüber Reisemobil International betont der Vorsitzende der Geschäftsführung Bernhard Kibler, das Abfindungsmodell von Dethleffs sei attraktiv. Vielleicht wolle sich der ein oder andere Mitarbeiter schon länger verändern, sich selbstständig oder eine Weltreise machen, fügt er ergänzend hinzu. Wer den Hersteller fix verlässt, sollte bis zum Jahresende feststehen. Mehr zu der Entwicklung im exklusiven Interview.

RMI: Herr Kibler, Dethleffs entlässt 90 Mitarbeiter. Sie wollen damit Kapazitäten anpassen. Welche genau sind das?

Bernhard Kibler: Es ist richtig, dass wir Personalkapazitäten anpassen müssen und hierfür insgesamt 90 Stellen abbauen. Diese 90 Stellen betreffen alle Bereiche im Unternehmen – sowohl in der Verwaltung als auch in der Produktion.

Parallel zum Stellenabbau wird massiv in neue Produkte und Neuentwicklungen investiert.
Foto: Dethleffs

RMI: Wie ist es zu der Schieflage zwischen Produktion und Absatz gekommen, mit der Sie diese Maßnahme begründen?

Der hohe Fahrzeugbestand im Handel führt zu rückläufigen Bestellungen unserer Händler. Diese negative Entwicklung wurde noch verstärkt durch einen erheblichen Auftragsrückgang mehrerer großer OEMs (Original Equipment Manufacturer, Anm. d. Redaktion), die ihre Produkte bei uns fertigen lassen. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Caravans und vor allem auch Urban Campern in Europa weiter rückläufig. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir jetzt handeln und unsere Kapazitäten sowie Kostenstrukturen im Rahmen einer Restrukturierungsmaßnahme entsprechend anpassen. Diese Anpassung betrifft auch unsere personellen Kapazitäten. Es geht also nicht nur um ein Absatzthema, es geht auch um Kosten und Wettbewerbsfähigkeit.

RMI: Hat Dethleffs in den Spitzenzeiten der vergangenen Jahre zusätzliches Personal eingestellt?

Ja, um die extrem hohe Nachfrage abzudecken, haben wir Personal aufgebaut.

RMI: Wie vermeiden Sie betriebsbedingte Kündigungen?

Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, haben wir in Zusammenarbeit mit dem Dethleffs-Betriebsrat ein attraktives, sozialverträgliches Freiwilligenprogramm entwickelt. Das Interesse seitens der Belegschaft ist so, dass wir Stand heute davon ausgehen, dass es zu keinen betriebsbedingten Entlassungen kommen wird.

RMI: Gibt es außer den Entlassungen weitere Maßnahmen, um Dethleffs gut für die Zukunft aufzustellen?

Wir richten unser Werk neu auf die gegebene Marktsituation aus. Dabei legen wir gezielt redundante Bereiche zusammen, um unsere Kostenstrukturen zu verbessern. Diverse Insourcing-Projekte dienen der Beschäftigungssicherung am Standort. In diese Maßnahmen und in die Anschaffung neuer Maschinen investieren wir in den nächsten Jahren einen hohen einstelligen Millionenbetrag.
Außerdem treten wir mit unserer rebellischen Einsteigermarke Crosscamp zum Start der laufenden Saison mit einem komplett neuen Programm vom Urban Camper über den Campervan bis hin zu Reisemobilen neu auf. Dies ist sehr gut angelaufen und stimmt uns weiter hoffnungsvoll. Last, but not least investieren wir massiv in neue Produkte und Innovationen.

RMI: Wieso ist die Nachfrage bei Dethleffs so gering, dass Sie diesen Schritt gehen müssen, obwohl das Interesse an der Urlaubsform Camping doch laut Herstellerverband CIVD ungebrochen groß ist?

Die Nachfrage nach Dethleffs Fahrzeugen ist in keiner Weise gering. Vielmehr sind wir gut in die neue Saison gestartet und haben erfolgreiche Messen im In- und Ausland hinter uns, die uns hinsichtlich des Auftragsbestandes positiv in die Zukunft schauen lassen. Im Bereich der Caravans und vor allem der Urban Camper sind die Zulassungszahlen leider rückläufig. Hinzu kommt die erwähnte Sondersituation durch deutliche Auftragsrückgänge seitens wichtiger OEMs.

RMI: Konkret: Auf welchem Niveau bewegt sich die aktuelle Auftragslage?

Wir bitten um Verständnis, dass wir hierzu keine Zahlen nennen können. Allgemein kann man sagen, dass wir uns wieder auf Vor-Covid-Niveau bewegen.

RMI: Welche Sparte ist besonders betroffen, also: Wohnwagen, Van oder Reisemobil?

Wie bereits erläutert, ist der Markt für Caravans und vor allem Urban Camper rückläufig. Bei Dethleffs sehen wir im Campervan als auch im klassischen Reisemobilsegment nur äußerst geringe Rückgänge.

RMI: Bedeutet das im Umkehrschluss, dass der Markt an Freizeitfahrzeugen gesättigt ist?

Nein, überhaupt nicht. Die Urlaubsform Caravaning ist weiterhin sehr gefragt, das zeigt sich beispielsweise schon anhand der rekordverdächtig hohen Besucherzahlen auf dem Caravan Salon und den weiteren Herbstmessen. Nach dem extremen Corona-Boom pendelt sich die Nachfrage wieder auf einem durchaus gesunden Niveau ein.

RMI: Sind die Entlassungen bei Dethleffs nicht doch ein Indiz für eine Krise, in der sich die Hersteller befinden – und ist mit weiteren Einschnitten zu rechnen?

Wie gerade dargelegt: Es gibt keine Krise. Es ist vielmehr eine Rückkehr zur Normalität.

RMI: Wie startet Dethleffs auf der CMT ins neue Kalenderjahr und damit in die kommende Saison 2026?

Wir freuen uns auf die CMT und werden dort sowohl unser neues Modellprogramm 2026 präsentieren als auch interessante Premieren feiern.

Foto: mng

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Redaktion
Claus-Georg Petri
Chefredakteur Claus-Georg ist seit 1995 bei Reisemobil International und ist Experte für Reisen und Hintergründe.
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