> Neue Einreisebestimmungen für Großbritannien und Nordirland ab April 2025

ETA für Großbritannien: Welche Einreisebestimmungen ab April 2025 gelten

26.02.2025
Text: Heinz Bück | Bild: Ian Taylor_unsplash / gov.uk

Ab dem 2. April 2025 brauchen EU-Bürger für die Einreise in das UK und das britische Nordirland eine kostenpflichtige Genehmigung. Die neue Electronic Travel Authorisation (ETA) ist zudem an einen gültigen internationalen 32-seitigen Reisepass gebunden und gilt nur zwei Jahre. Über die Auswirkungen.

Wer ab dem 2. April 2025 nach Großbritannien reisen will, muss ich künftig im Vorfeld um die neue elektronische Einreisegenehmigung, kurz ETA (Electronic Travel Authorisation), kümmern. Selbst für den Transit durch britisches Hoheitsgebiet auf der Grünen Insel: etwa von Dublin in die irische Grafschaft Donegal.

Was der irische Regen nicht vermag, schafft nun die Britische Labour-Regierung. Sie trübt durch die Einführung einer Elektronischen Reisegenehmigung das unbeschwerte Reisen: nicht nur nach Großbritannien, sondern auch auf der Grünen Insel. Um in das Vereinigte Königreich einreisen zu dürfen, ist für Nicht-EU-Bürger seit dem 8. Januar und für europäische Reisende – Erwachsene wie Kinder – ab 2. April 2025 die Electronic Travel Authorisation (ETA) verbindlich. Für Schottland, England, Wales – und eben auch für Nordirland.

Dessen nicht genug. Die ETA wird zudem – per Online-Registrierung – formal an den Besitz eines dafür geforderten 32-seitigen, international gültigen Reisepasses gebunden. Touristisch, mental – und besonders auch wirtschaftlich – werden damit europäische Grenzen in Fortführung des Brexit weiter verhärtet. Ärgerlicherweise auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger: hüben und drüben. Zu Lasten derer, die im „Norden“ vom Tourismus leben. Sie befürchten drastische Einbußen – 200 bis 250 £ Millionen befürchteten Branchensprecher. Zu Lasten derer, die den „Norden“ besuchen. Und dabei vor allem die Finanzschwächeren: Junge Familien etwa. Eltern mit zwei Kindern aus Deutschland oder Frankreich, die UK oder Nordirland bereisen wollten, müssten für neue Pässe und ETA mehr als 300 € aufwenden. Eltern und zwei Kinder aus den Niederlanden sogar 400 €. (s.u. Beispielrechnung im Detail)

Einfach seinen Reisepass vorzeigen und nach Großbritannien einreisen? Das ist ab 2. April 2025 nicht mehr möglich. Für EU-Bürger – Erwachsene wie Kinder – ist künftig die Electronic Travel Authorisation (ETA) verbindlich, die im Vorfeld beantragt werden muss.
Foto: Marcin Nowak_unsplash

Reisegenehmigung ETA für UK und Nordirland zwingend erforderlich

Während die Britische Insel – spätestens seit dem Brexit – ein zunehmend geschlossener Kosmos ist und sein möchte, ist es auf der Grünen Insel anders. 55,8 % der Nordiren hatten für den Verbleib in der EU votiert. Das Vereinte Europa mit offenen Grenzen hatte geholfen, die inneririschen Beziehungen zu normalisieren. Mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 waren die blutigen Troubles zwischen Protestanten und Katholiken im Nordirlandkonflikt beendet worden. In jenem „Good Friday Agreement“ schufen die nordirischen politischen Parteien auf der einen und die Republik Irland nebst Großbritannien auf der anderen Seite einen neuen Status: u.a. paritätische parlamentarische Selbstbestimmung für Nordirland, Freizügigkeit und offene unkontrollierte Grenzen auf der Grünen Insel. In getrennten Referenden wurde das Abkommen in der Republik Irland sowie in Nordirland bestätigt. Ausländische Reisende profitierten bislang gleichermaßen davon.

Die „ETA sei kein Visum“ heißt es offiziell abwiegelnd. Ist es auch nicht. Welcher Urlauber will schon in UK arbeiten? Es ist ein Touristenvisum: eine formalistische Ausgrenzung und de facto eine innerirische Grenzziehung. Touristen sind gewarnt, nicht ohne ETA über die grünen Grenzen einzureisen. Nur Briten und Iren seien der ETA enthoben, erklärt GOV.UK. Wie gut die Briten es doch in Britannien haben.

Weiße Betonhäuser auf der Meeresklippe in der Grafschaft Donegal in Irland.
Foto: K. Mitch Hodge_unsplash

Vergessene Grafschaft: Visumpflicht für Donegal?

Mit der neuen britischen ETA reicht für Touristen auf der Grünen Insel ein Personalausweis zum Grenzübertritt in den „Norden“ nicht mehr aus. Anders als bisher! Wohl aber und immer noch für einen Besuch der Republik Irland. Also diesbezüglich keine Sorge. Wenn aber Irlandfreunde im „Norden“ einreisen oder nur das Land im Transit durchqueren wollen, muss ein jeder diesen Antrag persönlich stellen und eine Genehmigung einholen. Ab dem 2. April. Kein Aprilscherz!

Karte von Irland mit der Grafschaft Donegal „The Forgotten County“ ganz im Norden.
Foto: GoogleMaps

EU- und Schweizer Staatsbürger, die nur die Republik Irland besuchen wollen, sind von den britischen Reiseerschwernissen möglicherweise dennoch betroffen, und zwar indirekt. Etwa diejenigen mit Reiseziel Donegal, der nördlichsten irischen Grafschaft im äußersten Nordwesten der Insel: „The Forgotten County“. Die (oftmals) „vergessene Grafschaft“ – wie sie in Irland heißt – liegt zwar im Territorium der Republik. Sie ist aber von der nordirischen Grenze fast vollständig umschlossen. Bis auf einen gut 12 km breiten „Schlupft“ zu ihrer einzigen irischen Nachbar-Grafschaft Leitrim im Süden: zwischen Ballyshannon und Bundoran. Auf direktem Wege von Dublin aus ist Donegal nur über britisches Hoheitsgebiet erreichbar. Doch auch der bloße Transit verlangt jetzt jene ominöse „Electronic Travel Authorisation“ (ETA). Ob mit dem Auto oder Fahrrad, ob mit einem Mietwagen oder Camper. Oder auch nur als Backpacker mit dem Express-Bus X32 von Dublin Airport nach Letterkenny auf jener kurzen zweistündigen Etappe durch Nordirland nach Donegal. Die Umfahrung unterhalb der Grenze ist gut 80 km bzw. eine Stunde länger.

Wer in Nordirland den Besitz einer ETA oder gar die individuelle Anwesenheitsdauer von 6 Monaten über die bewilligten zwei Jahre kontrollieren soll und kann, ist indessen (noch) nicht bekannt. Wie bei so vielen Brexit-Konstruktionen. Im Karfreitagsabkommen sind innerirische Grenzen und Kontrollen ausgeschlossen. Vor dem Fahren ohne ETA wird jedoch offiziell gewarnt. Nordirische Polizeikontrollen – selbst stichprobenartig – wären für ausländische Besucher jedenfalls keine Werbung für das Reisen in ein so gastfreies Land, das nach den Troubles so viel für die Normalisierung seines Images getan hat. Joanne Stuart von der Northern Ireland Tourism Alliance befürchtet spürbare Einbußen.

Die Menschen beiderseits der Grenze eint erneut die Sorge, im Regen stehen gelassen zu werden, ob Nordiren oder Iren. Donegal, the „Forgotten County“, scheint in all diesen Fragen übersehen worden zu sein. Noch drängen viele den britischen Premierminister Keir Starmer und die Britische Regierung – offiziell und hinter den Kulissen – auf eine Ausnahmeregelung, nicht zuletzt Stormonts Wirtschaftsminister Conor Murphy. Denn 70 Prozent der Besucher kommen über Dublin oder sonst wo aus der Republik.

Infobox

ETA-Beispielrechnung: Folgende Kosten kommen auf Sie zu

Für junge Familien, die UK oder Nordirland besuchen oder auch nur durchqueren wollen, kommt das ETA besonders teuer. Hierzu ein Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei Kindern etwa zahlt für die erforderlichen Pässe in Deutschland 2 x 70 € für sich (10 Jahre gültig) und 2 x 37,50 € für die Kids (6 Jahre gültig). Das macht 215 €. Zum Vergleich: in Frankreich 206 € (je 86,00 € bzw. 17,00 €), in den Niederlanden 305,10 € (je 86,85 € bzw. 65,70 €).

Dazu braucht es vier biometrische Passbilder: ob im Automaten, online oder beim Fotografen. Dafür fallen zwischen 5 und 20 € an. Vorschriftsgemäß und fehlerfrei werden solche Fotos von professionellen Fotografen gemacht. Im Durchschnitt für jeweils 12,50 €. So kommen für unsere junge Familie weitere 50 € hinzu. Damit sind bereits 265 € erreicht. Danach müssen 10 Pfund für jeden bei der Elektronischen Antragstellung berappt werden. Das sind gerundet 48 € (Wechselkurs aktuell bei 1:1,18). Die neuen ETAs bedeuten für unsere vierköpfige Familie damit unterm Strich: 313 Euro für eine wertlose Aufenthalts- bzw. Transitgebühr ohne jede verwertbare positive Gegenleistung für einen Urlaubsantritt in Großbritannien und Nordirland.

ETA: Das benötigen Sie für die Online-Genehmigung

Unumgänglich für die anstehende UK-Reise ist die Online-Genehmigung. Sie ist für zwei Jahre und mehrere Reisen gültig, maximal für 6 Monate vor Ort. Nach zwei Jahren ist ein neuer Antrag fällig. Die Anfrage muss digital für jeden Mitreisenden einzeln erfolgen. Für unsere Beispielfamilie vier Mal. Die ETA darf ab dem 5. März – zumindest für Dritte – beantragt werden.

„Die Registrierung“ – so Tourism Ireland in Anlehnung an die offizielle britische Regierungs-Website – „ sei schnell und einfach“. Für IT-fernere Menschen wird das eher verharmlosend klingen. Ein Foto jedes Passes und ein Foto vom Gesicht jedes Antragstellers – Kinder und Babys eingeschlossen – muss hochgeladen werden. Dies kann auf einem PC erfolgen sowie auf dem Android Smartphone oder iPhone. Die Apps dazu kann der Antragstellende bei Google Play oder im App Store downloaden und installieren. Für Apple steht die „UK ETA-App“ im Netz und auf gov.uk

Die erteilte ETA wird elektronisch an den vorgelegten Pass geknüpft, der auf der Reise mitgeführt werden muss. Die Genehmigung komme postwendend per E-Mail, wenn der Antrag genehmigt wurde. Spätestens in 48 bis 72 Stunden, so heißt es. In Stoßzeiten dauere es „verständlicherweise“ etwas länger. Als Zahlungsmittel für die anfallenden 10 Pfund Gebühr zählen Kredit- und Debitkarten, Apple Pay oder Google Pay. Überweisungsgebühren können je nach Bank für den Auslandstransfer hinzukommen. Denn UK ist auch zahlungstechnisch von der EU abgerückt. Der Vorgang dauere zehn Minuten, heißt es. Private Reisedaten müssen jedenfalls nicht angegeben werden.

Foto: GOV.uk

FAZIT

Das Post-Brexit-Britannien wird noch komplizierter. Dass die Labour-Regierung die Politik von Theresa May und Boris Johnson fortsetzt, erstaunt. Welche Folgen die Regelung für den Tourismus hat, wird sich bald zeigen. Auf der Grünen Insel ist die bislang unkomplizierte Irlandumrundung auf jeden Fall gestorben. Für manche sogar der Nordirland-Besuch. Denn viele Europäer besitzen aufgrund der Freizügigkeit und Reisefreiheit in Europa keinen Pass, sondern nur ihren Personalausweis. Andere verweigern das Genehmigungsverfahren prinzipiell, wieder andere schreckt das digitale Verfahren.

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