Mit rauen Klippen, Sandstränden und schönen Buchten zeigt die spanische Mittelmeerküste fern des Klischees als Partymeile ihre wilde Seite – und überrascht im Hinterland mit einem der wenigen Astro-Campingplätze weltweit. An der Küste führt ein Wanderweg die gesamte Costa Brava entlang.
Es duftet nach Pinien. Unten an den Felsen glitzert das Meer. Zwischendurch tauchen die Dächer und Pools schicker Villen auf. Zu gerne würde ich einen Blick dort hineinwerfen, doch die Herrschaften haben sich geschickt abgeschirmt. Wir sind auf dem Cami di Ronda unterwegs, auf dem Abschnitt zwischen Calella de Palafrugell und Begur. Der Wanderweg führt nahezu die gesamte Costa Brava entlang, insgesamt sind es 220 Kilometer von Portbou an der französischen Grenze bis nach Blanes, 60 Kilometer nördlich von Barcelona.
Gerade außerhalb der Hochsaison im Juli und August kann man auf dem Cami di Ronda ungestört wandern, das tolle Panorama genießen oder immer wieder zu einer der Buchten absteigen. Im Meer zu baden ist bis Ende Oktober angenehm, die Füße darin abzukühlen fast das ganze Jahr möglich. Gerade in der Nebensaison hat die Costa Brava überhaupt nichts mit dem vorauseilenden Klischee zu tun, das so mancher pflegt, der noch nie hier war: das von stark alkoholisierten Jugendgruppen in Lloret de Mar, das leichtfertig auf die gesamte Küste projiziert wird.
Außerhalb von Llorets Partymeile zeigt die wilde Küste, so die Übersetzung von Costa Brava, ein völlig anderes Gesicht. Hier kann man zwischen beeindruckenden Felsen paddeln oder ein paar Kilometer landeinwärts zu mittelalterlichen Städtchen radeln, zum Beispiel von L’Estartit nach Peratallada. Aber auch ruhig und dunkel geht, denn keine 50 Kilometer vom Golf von Roses entfernt, in der Dark Sky Area in Albanyà, hat der Camping Bassegoda Park sogar ein Observatorium für Sternegucker am Platz.
Gute Stellplätze findet man überall. Denn die Provinz Girona, zu der die Costa Brava gehört, gilt als die Provinz mit den meisten Campingplätzen in ganz Spanien. Die meisten der rund 120 Plätze sind im Verband Campings in Girona organisiert. Weitere Plätze werden wohl nicht hinzukommen.
Nach Auskunft der Geschäftsführerin des Verbands, Montse Ruiz, gibt es einfach nicht genug Raum für neue Plätze. Stattdessen soll in Qualität investiert werden. Bei den Renovierungen steht dabei Nachhaltigkeit an erster Stelle, auch in Kombination mit Smart Camping. Es sollen intelligente Systeme zum Einsatz kommen, die die Umweltbelastung reduzieren und zum Beispiel Energie sowie Wasser sparen.
Auf unserer Reise haben wir sieben Campingplätze an der Costa Brava besucht, die besonders schön gelegen und jetzt schon nachhaltig unterwegs sind.
Weiße Häuser mit üppig blühenden Bougainvilleen prägen das Ortsbild von Cadaqués, keine Bettenburgen weit und breit. In der Bucht von Portlligat startet Guifré vom Kayaking Costa Brava seine Touren. Der sportliche Kanute, der im Winter als Skilehrer in Kitzbühel arbeitet, ist im Sommer Kanuguide und am liebsten in Richtung Cap de Creus unterwegs. Hier ist die Küste besonders stark zerklüftet, das Wasser karibikblau.
Das Gebiet am Cap de Creus ist seit 1998 ein Naturpark. Der spanische Staat kaufte das Gelände auf und baute dort den Club Med ab, der bereits in die Jahre gekommen war. Auch Salvador Dalí, der ganz in der Nähe lebte, setzte sich für den Schutz des einzigartigen Geländes ein. Der Künstler fand in den bizarren Gesteinsformen immer wieder Anregungen für seine Werke – und auch weniger fantasievolle Wanderer können in den Felsen mal ein Kamel, mal einen Adler oder auch einen Affen erkennen.
Wer wissen will, wie der große Meister eingerichtet war, besucht am besten Dalís früheres Wohnhaus in Portlligat bei Cadaqués. Der Maler hat im Laufe der Jahre mehrere kleine Fischerkaten gekauft und sie zu einem Domizil zusammengefügt. Ganz in der Nähe liegt Wecamp Cadaqués. Der empfehlenswerte Camping gehört zu einem katalanischen Unternehmen, das zum Verkauf stehende Plätze übernimmt, sie schick renoviert und anschließend neu eröffnet. Mittlerweile gehören zwölf Campingplätze, vorwiegend in Spanien, dazu.
Lange Sandstrände gibt es vor allem am Golf von Roses, dem Mekka der Surfer, in Blanes, aber auch am Strand von L’Estartit, hier mit Blick auf die Medes-Inseln. Das Gebiet vor den Inseln ist bei Tauchern sehr gefragt. Hier gibt’s Korallen und viele bunte Fischschwärme zu sehen. Ein Sohn der Familie Pla-Coll, die seit Jahrzehnten den Campingplatz Medes in L’Estartit betreibt, bietet in der Tauchschule Aquàtica Tauchgänge an.
Wer sich lieber an Land bewegt, kann aufs Rad steigen und die mittelalterlichen Städtchen in der Umgebung erkunden. Ein wahres Schmuckstück ist Peratallada, ein Ensemble mit gewundenen Gassen, Säulengängen und mächtigen Festungsmauern. Ebenso sehenswert: Pals und Ullastret. Die Radwege sind recht gut ausgeschildert, sie führen meist über Feldwege oder wenig befahrene Nebenstraßen.
Die Costa Brava ist ein attraktives Ziel für Naturfreunde, am besten in der Nebensaison. Wer von Mitte September bis Mai an der Küste unterwegs ist, kann die Vielfalt der Region in Ruhe genießen: Wandern, paddeln, Rad fahren oder tauchen und dazu die hervorragende Gastronomie genießen, oft zu ausgesprochen moderaten Preisen. Schon früh im März blüht es an der Costa Brava und mit den Füßen baden geht auch schon. Zum Jahresende hin ist das Meer auch im Oktober noch angenehm warm. Es gibt einsame, unverbaute Buchten und großartige Wanderwege, etwa den Cami di Ronda an der Küste entlang oder die Routen in Naturparks wie Cap de Creus direkt am Meer und Alta Garrotxa, rund 40 Kilometer landeinwärts.
Die meisten Campingplätze sind zwar nur bis Ende September oder auch noch im Oktober geöffnet, etliche der Plätze haben mittlerweile jedoch auch ganzjährig offen. Und wem es im Winter an der Küste zu einsam ist: Mit dem Zug ist man schnell in Girona, eine lebendige Studentenstadt mit gut erhaltenem Altstadtviertel. Und auch Barcelona ist mit der Bahn gut zu erreichen.
Da die zerklüftete Küste nicht ausreichend Fläche bietet, liegen die Campingplätze in Begur und der Umgebung in diesem Bereich der Costa Brava ein gutes Stück landeinwärts. Vom Camping Begur sind die Strände von Aiguablava, Sa Tuna und Sa Riera, die mit kristallklarem Wasser punkten, jedoch gut mit dem Auto oder Mobil zu erreichen. Und ebenso Calella de Palafrugell und Llafranc, zwei der hübschen Küstenorte. Ein einfacher und besonders malerischer Abschnitt des Cami de Ronda verbindet die beiden Orte.
Tossa ist ganz klar die Attraktivere der beiden „de Mars“. Die Vila Vella, die Altstadt des Ortes, ist von einer Stadtmauer mit sieben Wachtürmen umschlossen. Wer den Weg zum höchsten Punkt, dem Leuchtturm, erklimmt, kommt an Ava Gardner – in Eisen – vorbei. Die Hollywood-Diva drehte in den 50er-Jahren in Tossa den Film „Pandora und der Fliegende Holländer“ und machte so den Ort über Spaniens Grenzen hinaus bekannt.
Während der Dreharbeiten soll sich die Schauspielerin und Geliebte Frank Sinastras in einen Torero verliebt haben – worauf Sinatra, angeblich wild vor Eifersucht, postwendend an der Costa Brava auftauchte. Die eiserne Gardner lässt den Blick über den schönen Hauptstrand schweifen. In der sanft geschwungenen Sandbucht starten Ausflugsboote zu Höhlen und Buchten in der Umgebung.
Doch auch Lloret de Mar kann schön sein. Etwa in den Jardins de Santa Clotilde. Diesen Park ließ Marquis Roviralta 1919 zum Andenken an seine verstorbene Frau anlegen. Der Garten liegt auf einer Klippe zwischen den malerischen Buchten der Cala Boadella und Playa de Fenals: eine grüne Oase mit fantastischem Blick aufs Meer. Vom Camping Cala Llevadó kann man Tossa und auch Lloret de Mar gut erreichen, Tossa sogar zu Fuß auf dem Cami de Ronda.
Der südlichste Ort der Costa Brava, Blanes, hat einen vier Kilometer langen Sandstrand zu bieten. An der Küstenlinien stehen etliche Apartmenthäuser und Hotels. Es gibt aber auch eine Altstadt mit gotischen und klassizistischen Gebäuden und dem Castell de Sant Joan auf dem Hügel oberhalb.
Außerhalb des Zentrums haben sich einige Campings angesiedelt, ein paar direkt hinter der Uferpromenade. Vom empfehlenswerten Camping Bella Terra oder nebenan vom Camping Blanes kann man entspannt in die Stadt schlendern oder radeln. Demnächst soll der Radweg bis Lloret de Mar ausgebaut werden, wann genau steht noch nicht fest.
Zum Schluss geht es auf einen Abstecher zu den Sternen: Nur 40 Kilometer von der Küste entfernt kann man in eine komplett andere Welt eintauchen. Der Nationalpark Garrotxa mit seinen Wäldern und Flüssen ist ein Ort zum Abschalten und ein Paradies für Sternegucker. Denn hier, außerhalb des winzigen Örtchens Albanyà, liegt einer der wenigen Astro-Campingplätze weltweit – ansonsten soll es in der Atacama-Wüste noch einen geben und in Namibia wohl auch. Da ist der Weg nach Spanien deutlich kürzer.
Die Sternwarte Observatori Astronòmic Albanyà gehört zum Camping Bassegoda Park und liegt in einer Dark-Sky-Arena mit minimaler Lichtverschmutzung, also ganz wenigen künstlichen Lichtquellen. „Wir sind gut abgeschirmt von den Pyrenäen auf einer Seite und durch das 40 Kilometer lange Muga-Tal auf der anderen Seite“, sagt Sergio, der Chef des Observatoriums. Er hat sein Berufsleben als Architekt in Barcelona aufgegeben, ist in die Berge gezogen und mittlerweile ein versierter Hobby-Astronom. Die Campingplatz-Betreiber haben die Sternwarte 2017 bauen lassen und mit hochwertigen Teleskopen ausgestattet. Wenn es dunkel wird im Tal des Rio Muga, starten die Vorstellungen mit Live-Blick in den Sternenhimmel von Katalonien. Bei Tageslicht gibt es Vulkankegel oder mit etwas Glück einen Schreiadler im Nationalpark zu entdecken. Die Costa Brava hat mehr zu bieten, als die meisten glauben.
In unmittelbarer Nähe zu Sandstränden und Küstenorten finden sich an der Costa Brava zahlreiche Campingplätze. Wir stellen Ihnen sieben besonders schöne Campingplätze vor, darunter ein Platz im Hinterland, der als einer der wenigen Astro-Campingplätze weltweit überrascht.
> Zu den Campingplätzen