Viele Jahre ließ Ahorn Camp aus Speyer seine Fahrzeuge bei Rimor fertigen. Ab sofort kommen die Modelle zwar immer noch aus der Toskana, doch produziert sie nun die Erwin Hymer Group. Und zwar auf neuem Renault Master.
Selten sind komplett neue Reisemobile so komplett neu wie beim komplett neuen Sortiment bei Ahorn Camp. Da wäre zunächst einmal der aktuelle Renault Master. Ahorn Camp ist der erste Anbieter, der sein gesamtes Produktportfolio auf dem neuen großen Gallier anbietet. Und nicht nur das: Bediente sich der bisherige Produzent beim früheren Renault Master für seine Teilintegrierten und Alkovenmobile der Version mit Flachbodenchassis, greift der neue Produzent branchenüblich auf das besser zugängliche Tiefrahmenchassis zurück. Neuer Produzent – weitere spektakuläre Neuheit – ist die Erwin Hymer Group (EHG). Sechs Teilintegrierte, drei Alkovenmobile sowie zwei Campervans, ebenfalls auf Renault Master, laufen im Werk von Laika, Etrusco und Corigon vom Band.
Im Profitest: der Ahorn Camp T 690 First Edition. Der 6,99 Meter lange Teilintegrierte bietet mit Einzelbetten über der Heckgarage, Bad und Küche in der Mitte, L-Sitzgruppe mit Seitensitz im Bug und optionalem Hubbett einen beliebten Grundriss. In der Basisversion mit 2,0-Liter-Turbodiesel und 130 PS (96 kW) beträgt sein Grundpreis attraktive 61.900 Euro, plus beachtliche 2.450 Euro Abwicklungspauschale für COC-Dokumente, Gasprüfung, Reinigung und Einweisung.
Ahorn Camp T 690 First Edition
Basis: Renault Master mit originalem Tiefrahmenchassis, 130 PS (96 kW) und Automatik Grundriss: Teilintegrierter, Länge: 6,99 m Grundpreis: 61.900 €
www.ahorn-camp.de
Auf das Tiefrahmenchassis des Renault setzen die Mitarbeiter in der Toskana eine 42 Millimeter starke Sandwichplatte mit GfK-Unterseite. Die Seitenwände des Aufbaus entstehen aus 34 Millimeter dickem Sandwich mit GfK-Außenseite und das Dach aus 33 Millimeter-Sandwich mit GfK-Oberseite. Als Isoliermaterial kommt EPS zum Einsatz, das im Falle einer Undichtigkeit Wasser aufnehmen könnte. Dies ist in dieser Preisklasse aber durchaus üblich, und zudem ist der Aufbau sehr gut verarbeitet und gewissenhaft abgedichtet. Insgesamt entspricht die Machart der Kabine weitgehend jener bei Etrusco und Corigon.
Deshalb kommt nun bei der Heckgarage ein nicht isolierter Boden aus Siebdruckplatte statt wie früher ein isolierter Sandwich-Garagenboden zum Einbau – doch das lässt sich verschmerzen. Sehr gut: Die höherwertigen, besser isolierenden Rahmenfenster von Dometic statt einfacher Vorhängefenster sind ebenso Serie wie die zweite Garagentür sowie das Fenster in der einfach verriegelnden Aufbautür von Hartal. Lediglich das Aufstellfenster in der Dachhutze ist Option. Sämtliche Fenster, Dachhauben und Außenklappen sind sehr ordentlich eingebaut.
Die Schürzen an den Seitenwänden unterlegt der Hersteller mit einem Gummikeder, damit sie nicht an der Kabine scheuern können. Der reparaturfreundlich mehrteilig ausgeführte Heckstoßfänger, die hinteren Radläufe und die Fender am Übergang von der Kabine zum Fahrerhaus hingegen haben direkten Kontakt zum Aufbau oder Lack des Fahrerhauses. Die Dachhutze wiederum ist zum Fahrerhausdach hin mit einer Dichtnaht versehen.
Der Gasflaschenkasten für zwei Elf-Kilogramm-Flaschen ist sauber zum Innenraum hin abgedichtet und die Bodenentlüftung mit Drahtgitter gegen Tierbesuche und darunter liegendem Spritzschutzblech vorbildlich ausgeführt. Der WC-Schacht ist nicht abgedichtet, aber immerhin setzt Ahorn Camp eine Auffangwanne für kleinere Leckagen ein. Insgesamt erhält der Käufer einen einfachen, aber sehr gut verarbeiteten Aufbau, der viele Jahre Freude bereiten dürfte. Übrigens: Sämtliche Fahrzeuge von Ahorn Camp sind technisch gesehen auf 3,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse abgelastete Viertonner, die sich ohne technische Änderungen wieder auflasten lassen.
Beim Betreten des neuen Ahorn Camp T 690 huscht dem Betrachter zunächst ein Schmunzeln, dann ein Lächeln übers Gesicht. Ersteres, weil der Innenausbau viele Parallelen zu Fahrzeugen von Carado, Sunlight, Etrusco und Corigon aufweist, Letzteres, weil der Innenausbau gegenüber Ahorn Camps früherer Produktion erheblich an Qualität gewonnen hat. Nichts wackelt, alles hinterlässt einen soliden Eindruck.
Auch das Finish überzeugt: Fast sämtliche Umleimer an den Möbelkanten sind sauber entgratet und von überflüssigem Kleber befreit. Die Scharniere und Möbelaufsteller sind ebenfalls stabil. Die Arbeitsplatte der Küche ist zur Seitenwand wie zum angrenzenden Bettfußende hin mit Kunststoffkedern abgedichtet.
Dass die Holzlattenroste der Längsbetten nicht aufstellbar sind, um einfacher an die Kleiderschränke in den Bettfußenden zu gelangen, lässt sich gut verschmerzen. Lediglich den Deckel des Staufachs in der unteren Bettstufe sowie die Holzschnittkanten des Bodenstaufachs im aufgedoppelten Fußboden unter der Sitzgruppe sollte Ahorn Camp gegen Nässe schützen. Insgesamt hinterlässt also auch der Innenausbau des Ahorn Camp T 690 First Edition einen sehr guten Eindruck.
Die hell ausgeleuchtete Sitzgruppe formiert sich aus der L-Sitzbank, Seitensitz, Tisch sowie den drehbaren Vordersitzen mit Armlehnen und bietet fünf Personen Platz. Die L-Sitzbank stattet Ahorn mit zwei Dreipunkt-Sicherheitsgurten und höhenverstellbaren Kopfstützen aus. Isofix-Befestigungen sind in Vorbereitung.
Für mehr Beinfreiheit während der Fahrt lässt sich der L-Schenkel im Nu demontieren. In der Sitzbank kommen die Gas-Luft-Heizung Truma Combi 4 CP Plus sowie ein solides Metallgestell für den Bordakku mit Platz für eine zweite Batterie unter. Die Truhe des Seitensitzes mit seitlicher Klappe steht als Stauraum bereit. Die große Tischplatte lässt sich verschieben und drehen.
Weniger überzeugend: Zum Drehen der Vordersitze muss der Camper die Fahrerhaustüren öffnen, und bei geschlossenen Türen müssen die gedrehten Sitze fast 180 Grad zur Fahrtrichtung stehen. Das funktioniert im Fiat Ducato deutlich besser.
Zur Nacht genügt ein Druck auf den Knopf, dann fährt das optionale elektrische Hubbett herunter. Hierzu muss der Urlauber an der Sitzgruppe nichts umbauen. Aber: Er muss sicherstellen, dass weder in der 230-Volt-Steckdose noch in der USB-/USB-C-Steckdose über dem L-Schenkel der Sitzbank ein Kabel eingesteckt ist – sonst ist es danach kaputt. Hier prüft Ahorn Camp, ob es möglich ist, die Steckdosen etwas tiefer zu platzieren.
Sitzt das Hubbett in unterster Position, entert eine Person die acht Zentimeter starke Matratze auf Holzlattenrosten über eine Einhängeleiter mit Verriegelungen. Hierbei wackelt an der Konstruktion nichts. Zwei LED-Spots und ein Dachfenster erhellen das Oberstübchen.
Noch bequemer als das Hubbett sind die beiden Einzelbetten über der Heckgarage. Die zwölf Zentimeter dicken Matratzen liegen auf Holzlattenrosten und lassen sich wie bereits beschrieben zum Doppelbett erweitern. Oberschrank und Betthaupt illuminiert Ahorn Camp indirekt mit LED-Bändern, und zwei LED-Leisten spenden Licht zum Lesen, ohne dabei die Kopffreiheit einzuschränken. Als Abtrennung des Schlafzimmers fungiert eine halblange Gardine.
Die Küche mit robuster, gut abgedichteter Arbeitsplatte stattet Ahorn Camp mit zweiflammigem Gasherd mit Piezozündung und großer Rundspüle aus, beide mit Glasdeckeln. Weil der Absorberkühlschrank im Unterschrank verbaut ist, fällt sein Volumen mit 89 Litern nicht übermäßig groß aus. Recht viel Stauraum bietet der unterteilte Oberschrank, von dessen Unterseite aus eine LED-Leiste die Küche hell und gleichmäßig ausleuchtet.
Das variable Bad im Ahorn Camp T 690 ist ein guter Bekannter aus dem EHG-Regal. Zum Duschen schwenkt der Waschtisch samt Spiegel vor die Drehtoilette von Thetford. Sowohl beim Duschen als auch bei weggeklappter Dusche hat der Urlauber im Bad genügend Platz. Einziges Manko im Bad: die kleine Dachhaube.
Ahorn Camp ist ein großer Wurf gelungen: Mit dem neuen Renault Master bietet der brandneue T 690 First Edition eine interessante Basis, die sonst kein anderer Hersteller hat. Dank Verlagerung der Produktion zur EHG hat der Aufbau qualitativ einen großen, der Innenausbau einen riesigen Sprung nach vorn gemacht. Die wenigen Mängel will Ahorn Camp prüfen. Und so darf sich der Kunde auf ein gut gemachtes Fahrzeug freuen. Nicht mehr zeitgemäß ist die üppige Abwicklungspauschale, doch selbst mit ihr ist der Ahorn Camp T 690 First Edition ein sehr attraktives Angebot.
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