Elektrische Mikromobilität hat mittlerweile viele Facetten. Zwei unterschiedlich flotte Vertreter haben wir ausprobiert. Die schnellere Spielart erschien nicht in jeder Hinsicht zielführend.
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Pedelecs haben sich als komfortable Alternative zum klassischen Fahrrad längst etabliert. Bei 25 km/h endet die Unterstützung jedoch. Vielen Nutzern reicht das nicht. In den USA sind 32 km/h üblich. Genau hier setzt Steereon an. Mit dem C30 (aktuell gegen 3.099 Euro erhältlich) hat die Zweiradmarke aus Köln einen E-Roller mit Sitz im Angebot, der per Daumengas dieses Tempo erreicht. Parallel bietet Steereon mit dem B25 (Preis aktuell 2.899 Euro) ein ultrakompaktes Pedelec an. Beide basieren auf einer gemeinsamen Idee, unterscheiden sich im Alltag jedoch deutlich. Nur eines überzeugt wirklich, wie ein Praxistest mit beiden zeigt.
Die Geschichte von Steereon beginnt in den späten 2010er-Jahren. Damals sorgten Start-ups und Verkehrswende-Euphorie für viel Bewegung im Markt. Mit dem PLEV Steereon präsentierte das Unternehmen einen ungewöhnlichen E-Scooter. Ein großes Vorderrad, ein kleines Hinterrad und eine mitlenkende Hinterachse ergaben einen Verkehrswende-Flitzer mit agilem Fahrverhalten und kleinem Kurvenradius.
Dieses Grundprinzip findet sich auch bei den aktuellen Steereon-Modellen wieder. Das ungleiche Rad-Layout bleibt erhalten, beim B25 mit 20 Zoll vorn und 16 Zoll hinten, beim C30 mit 18 Zoll vorn und 14 Zoll hinten. Auf die Allradlenkung verzichten B25 und C30 hingegen. Übriggeblieben ist davon jedoch die charakteristische Heckkonstruktion mit Lenkrohr für das Hinterrad, das nun allerdings einen Klappmechanismus integriert. Lenker, Pedale und Sattel lassen sich ebenfalls absenken oder einklappen. Dadurch eignen sich beide Fahrzeuge für den Transport im Auto, im Reisemobil oder im Zug. Mit den besonders kompakten Faltrad-Formaten wie beim Brompton können die Einspurstromer von Steereon allerdings nicht mithalten.
Dafür erweist sich das B25 als ausgereiftes und vielseitiges Pedelec. Das 20-Zoll-Vorderrad sorgt für eine stabile Lenkung, die sogar freihändiges Fahren erlaubt. Im 16-Zoll-Hinterrad sitzt ein kompakter Nabenmotor von Bafang. Die nominell 50 Newtonmeter wirken durch den kleinen Raddurchmesser deutlich kräftiger. Im Alltag steht damit ausreichend Schub zur Verfügung.
Eine Besonderheit ist das im Nabenmotorgehäuse integrierte Zwei-Gang-Planetengetriebe. Es wechselt automatisch über eine Fliehkraftmechanik die Gänge. Ab etwa 15 km/h wird wie von Geisterhand die längere Übersetzung eingelegt. Das reduziert die Trittfrequenz und erhöht den Fahrkomfort. Die Kraftübertragung erfolgt über einen Riemenantrieb, der wartungsarm arbeitet und ohne Schmierfett auskommt. Wer das Bike ins Auto lädt, muss nicht den hässlichen Kettenschmutz fürchten.
Auch die weiteren Eigenschaften des Antriebssystems verdienen Lob. Der Motor arbeitet leise und liefert kräftigen, gut dosierbaren Schub. Der Drehmomentsensor sorgt für eine natürliche Unterstützung. Nur an steilen Anstiegen fehlt gelegentlich eine manuelle Eingriffsmöglichkeit in die Gangwahl und ein Extrapunch. Auf flachen Strecken spielt der Antrieb seine Stärken voll aus.
Die Reichweite liegt in der Praxis unter der Herstellerangabe, bleibt aber alltagstauglich. Bei maximaler Unterstützung waren im Test rund 60 Kilometer möglich. Die Batterie mit 655 Wh sitzt am Unterrohr. Ein bequemer Sattel und ergonomische Griffe ermöglichen auch längere Fahrten. Eine 40-Kilometer-Tour ließ sich problemlos absolvieren und der Akku war danach noch nicht erschöpft.
Auch die Verarbeitung überzeugt. Das im Stadtteil Kalk in Köln montierte B25 nutzt viele Komponenten aus europäischer Fertigung. Der Rahmen stammt aus Polen. Hydraulische Scheibenbremsen, Schutzbleche, Ständer und ein lichtstarker Scheinwerfer gehören zur Ausstattung. Federelemente fehlen, was zum straffen Charakter passt. Eine gefederte Sattelstütze ist optional erhältlich beziehungsweise in den höheren Ausstattungen gleich integriert. Der Einstiegspreis liegt wie erwähnt bei rund 2.900 Euro. Für die besser ausgestatteten Varianten muss man einige Hundert Euro mehr investieren.
Noch etwas teurer ist das C30, das einen deutlich anderen Ansatz verfolgt. Pedale gibt es nicht. Dafür einen stärkeren Frontnabenmotor von Bafang, der den Antrieb übernimmt. Das Tempo wird per Daumengas reguliert. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 32 km/h. Daran sind auch einige Anforderungen wie etwa eine Ausstattung mit Blinker und Hupe gekoppelt, denn rechtlich handelt es sich um ein Kleinkraftrad.
Das höhere Tempo bringt im Alltag tatsächlich Zeitvorteile. Auf Pendelstrecken lässt sich die Fahrzeit spürbar verkürzen. Das C30 ist also flotter und zudem ebenso wendig wie das B25. Was wir auch hier gelegentlich vermisst haben, ist ein Fahrwerk mit dämpfenden Eigenschaften, die auch hier nur eine gefederte Sattelstütze bietet. Flott durch enge Biegungen fegen, bereitet hingegen Freude. Auf langer Strecke bleibt zudem der Fahrspaß begrenzt, denn die Fortbewegung erfolgt passiv.
Statt die Zeit bis zum Ziel abzusitzen, kann man alternativ auch im Stehen fahren. Die Füße werden auf seitlichen Plattformen und Rohren stabil gestützt. Damit das C30 flott unterwegs ist, muss der vorn untergebrachte Motor kräftig ziehen, was speziell beim Anfahren das Vorderrad gerne Mal zum Durchdrehen bringt. Die E-Maschine arbeitet unter Last zudem vergleichsweise laut. Die Reichweite fällt mit rund 30 Kilometern gering aus.
Auffällig bei sinkendem Akkustand: Ab etwa halben Füllstand reduziert sich allmählich die Höchstgeschwindigkeit. Gravierender sind die rechtlichen Rahmenbedingungen. So besteht Helmpflicht, eigentlich wäre sogar ein Motorradhelm erforderlich. Weil der C30 als Kleinkraftrad gilt, dürfen zudem Radwege nicht genutzt werden. Tatsächlich gehört das Fahrzeug auf die vom Autoverkehr genutzten Straßen. Dort wird es mit 32 km/h schnell zum Hindernis für die anderen Verkehrsteilnehmer. Als C30-Nutzer weicht man deshalb meist auf Radwege aus und bewegt sich damit außerhalb der Vorschriften.
Die beiden Modelle verfolgen unterschiedliche Konzepte. Das B25 überzeugt als durchdachtes, fahraktives und alltagstaugliches Kompakt-Pedelec. Der C30 punktet mit höherem Tempo, zeigt jedoch Schwächen bei Fahrdynamik, Reichweite und Alltagstauglichkeit. Hinzu kommen die rechtlichen Einschränkungen. Unterm Strich ist das B25 die deutlich stimmigere Lösung. Der C30 macht den Alltag jedoch komplizierter. Steereon sieht die Stärken des C30 deshalb auch als Mobilitätshilfe für Senioren oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen sowie als einfach transportierbares Mini-Bike für Wohnmobilnutzer. Soll es ein Letzte-Meile-Flitzer ohne Pedalantrieb sein, bieten sich als günstige Alternative zum C30 beispielsweise E-Kickscooter für einige Hundert Euro an. www.steereon.com