Auffahrkeile für Camper im Test: Stabilität, Handhabung, Preis. Bonus-Tipp: Wie gut schlägt sich die Alternative Luftkissen?
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Rampe frei: Auffahrkeile sind ein unverzichtbares Zubehör für jeden Camper. Sie helfen Caravan, Campingbus, Kastenwagen oder Vollintegrierten perfekt waagrecht ausgerichtet zu parken – auch auf ordentlich schiefen Stellplätzen. Optimal eingesetzt sind Bett, Kochstelle und Duschwanne bestmöglich nivelliert, der optimale Komfort aller Wohnbereiche garantiert. Kurzum: Ohne die Standardausrüstung Auffahrkeile rutscht nicht nur das Spiegelei in der Pfanne in Schieflage, sondern auch die Stimmung im Camper.
Gute Auffahrkeile gibt es für vergleichsweise kleines Geld. Zwischen 20 und 50 Euro kosten die meisten Paare. Kleine Ausreißer in unserem Test: die extrem robusten Stufenkeile XL von Froli für 79 und die Lippert Level9 für 125 Euro. Bei letzteren hilft eine App dem Camper, das Nivellieren deutlich einfacher zu erledigen. So die Theorie. Das spannende Ergebnis lesen Sie im Testbrief. Preislich auch außen vor: das Luftkissen Camper 2.0 von Flat-Jack. Hier kostet schon ein Kissen 149 Euro. Was es bietet und warum die Investition doch lohnt: im Testbrief.
Auch bei den klassischen Auffahrkeilen ohne App-Unterstützung zeigen sich schon allein in der Bauart und Handhabung etliche Unterschiede: Stufenkeile mit Rampen oder Mulden, Schräg- oder Rundkeile. Wie robust sind die Dinger, wie unterscheiden sie sich in der Handhabung? Schlussendlich müssen 11 Auffahrkeile und ein Luftkissen ihre Standfestigkeit in einem Praxis-Check unter Beweis stellen – und zeigen dabei ganz erstaunliche Unterschiede.
Beginnen wir mit den Gemeinsamkeiten: Die Handhabung ist bei allen Auffahrkeilen ganz ähnlich. Keil vor den Reifen legen und bis zur gewünschten Höhe auffahren. Hierbei bieten Stufenkeile bauartbedingt nur zwei oder drei mögliche Parkpositionen (Höhen), Rund- oder Schrägkeile sowie ein Luftkissen, quasi stufenlos, so viele wie gewünscht. Eines vorneweg: Wer auf Kriegsfuß mit seiner Kupplung steht oder schlicht ein ganz entspanntes Auffahren wünscht, greift eher zum Schräg- oder Rundkeil.
Werfen wir einen Blick auf ganz offensichtliche Unterschiede der Konzepte: (Pack-)Maße, maximaler Höhenausgleich und Gewicht. So wiegen die Zweiersets der Auffahrkeile im Test von 1,7 bis 5,4 Kilogramm. Nicht immer wächst mit dem Gewicht auch die versprochene Tragfähigkeit der Auffahrkeile. So tragen die 1,5 Kilo schweren Fiamma Level Up jeweils 2,5 Tonnen, die 1,6 Kilogramm schweren Carbest Stufenkeile nur je 1,25 Tonnen. Frolis Maxi-Keile sollen bei einem Gewicht von 1,9 Kilogramm sogar stolze 5 Tonnen schultern.
Frolis Kompaktkeil hebt den Reifen maximal 5, der Level9 von Lippert um satte 18 Zentimeter, der Werkthor Rundkeil ist schlanke 335 Millimeter kurz, der Stufenkeil aus demselben Hause satte 600 Millimeter lang. Trotzdem zeigt der Test: Etwas „Übergewicht“ sorgt durchaus für bessere Stabilität und Haltbarkeit. Ein Blick auf die technischen Eckdaten und/oder Tragfähigkeit der Auffahrkeile lohnt also in jedem Fall.
Daher gilt vor dem Kauf: Hinterachslast des Fahrzeugs ermitteln – und zwar reisefertig. Nur so weiß man, welche Tragfähigkeit die Auffahrkeile fürs eigene Fahrzeug unbedingt bieten sollten. Auch sollten die Reifenbreite in etwa der Breite des Auffahrkeils entsprechen. Da die Reifenaufstandsfläche meist (abhängig vom Luftdruck) etwa 10 bis 15 Prozent kleiner als die nominale Reifenbreite ist, braucht ein 225er-Reifen auch nicht unbedingt einen 225 Millimeter breiten Auffahrkeil. Der darf auch schlanke 180 oder 190 Millimeter breit sein.
Alle Hersteller greifen zu robusten Kunststoffen. Doch neben der Wahl des Materials ist es vor allem die Formgebung, die entscheidet, ob die Auffahrkeile die tägliche Tortur lange überstehen. Insbesondere punktuelle Belastungen durch versteckte Steine oder Wurzeln im Boden schädigen so manchen Keil schon nach einmaliger „Fehlbelastung.“ Schotterparkplätze sind wahre Killer für Auffahrkeile. Daher gilt: Stellplatz mit Bedacht wählen. Zudem verteilen dicke Gummimatten unter den Auffahrkeilen den Druck deutlich besser und schonen die Keile enorm.
Froli und einige andere Herstellen bieten Unterlegmatten für die Keile an – Froli für den großen Stufenkeil XL spezielle Auffahrmatten. Die minimieren zum einen das Wegrutschen der Keile beim Auffahren (passiert in der Praxis bei diesem Keil kaum), und zum anderen sollen sie die Keile vor dem Einsinken im weichen Boden schützen. Wer erstmals mit Auffahrkeilen hantiert, sieht sich vor eine knifflige Aufgabe gestellt. Die offensichtliche Ausgangslage: Der Camper steht schief. Doch wie weit muss ich mit welchem Reifen auf welchen Keil fahren? Ganz ehrlich: Hier hilft nur Übung, Erfahrung und ein unterstützender Partner. Mehr Tipps zum richtigen Nivellieren finden Sie hier.
Was die Haltbarkeit der Keile angeht: Chemische Reiniger und UV-Strahlung mag kein hochbelasteter Kunststoff besonders gerne. Ergo: Auffahrkeile nur mit Wasser reinigen und in praller Sonne abdecken. Das gilt auch für Luftkissen. Last, but not least: Achten Sie beim Kauf darauf, dass eine Tasche zum Lieferumfang gehört. Sie erleichtert das Verstauen im Camper schon enorm.
Stufen-, Schräg- oder Rundkeil sowie Luftkissen – alle Konzepte eignen sich zum Nivellieren des Campers. Wichtig: Nach erfolgreicher Nivellierung gilt immer: Handbremse anziehen. Auch bei Stufenkeilen.
Die Klassiker: Zwei oder drei „Plattformen“ bieten verschiedene Höheniveaus. Manchmal wünscht man sich ein Zwischenniveau. Je nach Formung des Keils kann die Fahrt von einem Niveau aufs nächsthöhere eine Herausforderung sein – insbesondere, wenn man nicht über das höchste hinweg fahren möchte. Leichter gelingt dies, wenn die Stufen als Mulden geformt sind und der Reifen hier besser stoppt. Je nach Fahrzeug und Fähigkeit des Fahrers etwas kupplungsfordernd. Muss flächig aufliegen, nicht über Mulden verwenden. Extreme Bandbreite an Robustheit und Tragfähigkeit.
➕ Camper parkt auf kleiner Plattform (Handbremse muss weniger halten) ➕➖ Reifen über größere Fläche unterstützt (manchmal an Kante) ➖ mitunter knifflig, von einer Stufe auf die nächste zu fahren ➖ Nivellierung nur auf festgelegten Stufen
Mit Schrägkeilen ist exaktes Nivellieren zentimetergenau möglich. Mit gleichmäßig Gas rollt man deutlich entspannter aufs richtige Niveau – bis ganz oben. Es droht das „Überhüpfen“ der höchsten Stufe, wenn man – was mitunter beim Stufenkeil passiert – mit zu viel Gas von der vorletzten auf die letzte Stufe klettern möchte. Sehr kupplungsschonend. Muss flächig aufliegen, nicht über Mulden verwenden. Sehr hohe Tragfähigkeit (Froli).
➕ besonders einfach aufzufahren ➕➖ stufenlose, exakte Nivellierung ➕ im Idealfall mit Parkstoppern kombinieren ➖ ohne Parkstopper parkt Fahrzeug „am Berg“
Ein super Alternative und sehr kupplungsschonend – für all jene, die keine Automatik haben. Ranfahren und langsam über den Rundkeil, der sich mit jedem Zentimeter etwas höher dreht. Vom Gefühl beim Auffahren ganz ähnlich zum Schrägkeil. Die Gefahr, dass er wegrutscht, ist kaum gegeben. Bei etwas unebenem Untergrund kann es (selten) passieren, dass er sich durch die Formung leichter wegdreht. Mulde im Boden? Tödlich für Stufen- und Schrägkeile. Rundkeile zeigen sich davon unbeeindruckt. Während Werkthor eine Tragfähigkeit von 3,25 Tonnen pro Rundkeil verspricht, reduziert Froli beim Rundkeil Mini und Pro auf je 1,25 Tonnen. Perfekt für „Langzeitsteher“, da die Form der Rundkeile die Reifen optimal unterstützt.
➕ sehr einfaches „Auffahren“ ➕ optimale Schonung der Reifen ➖ Freiraum zur Schürze/Schweller Fahrzeug nötig ➖ Ausgleichshöhe begrenzt ➖ verdreht sich selten beim Auffahren auf unruhigem Untergrund ➖ sinkt bei weichen Böden/Schnee weiter ein als lange Auffahrkeile
Drauffahren, entspannt Motor abstellen und auf gewünschte Höhe aufpumpen. Leichter geht’s kaum. Die Testversion hebt stattliche 20 (wow), der kleine, günstigere Flat-Jack 6 Zentimeter. Wer Luftkissen nutzt, hat einen kleinen, tragbaren Kompressor im Fahrzeug: Aber sogar mit der Fahrradpumpe war der Flat-Jack in zwei Minuten aufgepumpt. Zwei kleine Mankos: bei spitzen Steinen muss eine stabile Unterlage unter das Kissen (Hartholzplatte oder dicke Gummimatte), und das Fahrzeug bewegt sich bei Bewegungen im Wohnraum leicht auf dem Kissen. Pluspunkt: Kleine Mulden im Boden sind dem Luftkissen egal. ➕ exaktes Nivellieren ➕ problemloses Auffahren ➕ sehr hoher Ausgleich (Flat-Jack Camper 2.0) ➕ extrem reifenschonend ➖ auf Schotter nur mit Unterlegmatte einsetzbar ➖ verhältnismäßig geringe Tragkraft ➖ Pumpe/Kompressor nötig
Wer mit Auffahrkeilen hantiert, sollte nicht immer mit idealen Untergründen rechnen. Mitunter muss man auf fiese Untergründe und auf schwierige Umstände vorbereitet sein.
➡ Fahrtrichtung: Vorzugsweise vorwärts auf die Auffahrkeile fahren – das schont Kupplung oder Getriebe. Der erste Gang ist kürzer als der Rückwärtsgang übersetzt.
➡ Löchriger Boden: Auffahrkeile benötigen flächige Unterstützung. „Überbrückt“ der Keil eine Mulde, drohen Verformung und Bruch.
➡ Unterlagen: Auf groben Schotten lohnt es immer, eine materialschonende Unterlage (dicke Gummimatte, Meterware Baumarkt/Internet) unter die Keile zu legen, auf Sand verhindern sie das Einsinken von unten sehr offen gestalteten Keilen. Hier können auch solide wetterfeste Hartholzplatten helfen. Werkthor liefert solch eine Gummimatte beim Rundkeil mit. Fiamma und Froli im Zubehör.
➡ Libelle oder elektronische Wasserwaage: Schon beim Rangieren auf dem auserwählten Stellplatz können ein paar Zentimeter weiter rechts oder links darüber entscheiden, ob man Auffahrkeile braucht oder nicht – oder ob man viel oder wenig Nivellieren muss. Und beim Parken/Rangieren kann der Partner auf Tisch oder Arbeitsplatte die optimale Parkposition prüfen. Nach dem Nivellieren nochmals checken, ob man perfekt steht.
➡ E-Level: E-Level ist ein Baustein von E-Trailer und signalisiert via App die nötige Höhe pro Achse. Clever und hilfreich: Das Starterpaket Basic schlägt allerdings mit 250 Euro zu Buche.
➡ Walkie-Talkie: Es ist laut auf dem Stellplatz, die Rückfahrkamera hat kein Micro, die Verständigung zwischen Fahrer und Partner funktioniert nicht so richtig? Bevor die Nerven blank liegen – Walkie-Talkies nutzen. Die Teile kosten nicht die Welt und helfen auch beim Rangieren an Engstellen in der Stadt oder Gelände. Kleines Geld – gewaltiger Nutzen.
➡ Vollhydraulische Hubstützen: Vergessen Sie ab sofort jeglichen Stress beim Nivellieren. Auf Knopfdruck startet das System vollautomatisch und nivelliert den Camper perfekt. Nachteil: sehr hoher Preis und Gewicht.
Alle Auffahrkeile im Praxistest werden von der Testredaktion vermessen und gewogen. Im Praxistest müssen sich alle Auffahrkeile auf einer Wiese mit verhältnismäßig hartem Boden und auf einem Parkplatz mit recht kleinkörnigem, aber scharfkantigem Schotter beweisen. In beiden Tests fahren die Tester langsam an den Keil heran und bis auf die höchste Stufe hinauf – jeweils 10-mal pro Untergrund. Die ermittelte Achslast der beiden Testfahrzeuge lag bei wenig mehr 1.200 Kilogramm pro Hinterrad – also für alle Keile im Test im grünen Bereich. Die tragfähigsten Keile im Test waren bei diesem Check weit unterhalb der Belastungsgrenze.
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