Blaue Umweltplakette Magazin Dicke Luft in vielen Städten

Lange hat Deutschland an dem Problem rund um Feinstaub in Innenstädten laboriert und als Gegenmittel Umweltzonen eingerichtet. Nun droht erneut dicke Luft: Diesmal belasten erhöhte Stickstoffdioxid-Werte (NO2) die Atemluft in Großstädten. Das giftige Gas gehört zu den Stickoxiden und löst Kopfschmerzen sowie Schwindel aus. Stärker konzentriert kann es Atemnot und Lungenödeme hervorrufen.

Gegen diese Gefahr sind nun verschärfte Umweltzonen im Gespräch, gestützt durch blaue Umweltplaketten. Wer die nicht bekommt, soll draußen bleiben müssen – selbst mit grüner Plakette. Reisemobile wären davon im großen Stil betroffen.

So ist der Stand der Dinge: Einstimmig hat die Umweltministerkonferenz von Bund und Ländern am 7. April 2016 die Bundesregierung gebeten, eine neue Kennzeichnung für Pkw zu entwickeln, die nur wenige Stickoxide ausstoßen. Dieser Bitte folgt das Bundesumweltministerium und entwickelt die bereits existierende Umweltplaketten-Verordnung weiter. Damit bekommen Kommunen ein Werkzeug, die Luftqualität in jenen Stadtgebieten, die sehr stark mit Stickstoffdioxid belastet sind, deutlich zu verbessern.

Die Kommunen können danach veranlassen, dass nur Fahrzeuge mit geringem Stickstoffdioxidausstoß
bestimmte Gebiete befahren dürfen. Die Plaketten-Verordnung soll frühzeitig auf den Weg gebracht werden, um den Kommunen mittelfristig Planungssicherheit für ihre Luftreinhaltepläne zu geben.

Das heißt nicht, dass morgen die meisten Dieselfahrzeuge – es betrifft ja auch Lkw und Nutzfahrzeuge, damit also auch Reisemobile – nicht mehr in die Innenstädte dürfen. Der jeweilige Zeitpunkt wird vor Ort bestimmt und umfasst längere Übergangsphasen.

Stuttgart etwa, immer wieder in der Kritik wegen seines Feinstaubalarms, erwägt, die blaue Plakette einzuführen, sofern die Luftqualität 2019 wegen vieler anderer Maßnahmen immer noch über dem zulässigen Grenzwert liegt und 80 Prozent der Pkw die neue Plakette erhalten.

Für die Plakette hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schon im Sommer 2015 plädiert. Vorausgegangen war ein Mahnschreiben, das die EU-Kommission am 18. Juni 2015 an die deutsche Bundesregierung verschickt hatte. Dabei handelte es sich um das 24-seitige „Aufforderungsschreiben –Vertragsverletzung Nr. 2015/2073“ (liegt der Redaktion vor). Anlass: anhaltende Überschreitung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid in der Umgebungsluft im Sinne der Richtlinie 2008/50/EG (siehe unten). Der Ist-Zustand entspricht nicht den gesetzlichen Forderungen.

In dem Papier heißt es, „dass die von Deutschland ergriffenen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität nicht wirksam und angemessen genug waren.“ Mahnt die EU-Kommission einen Missstand in solcher Deutlichkeit an, droht als nächster Schritt die Klage gegen das Land. Damit steht Deutschland unter Druck.

Dabei geht es keinesfalls um ein Kavaliersdelikt: Laut Europäischer Umweltbehörde (EEA) gehen allein in Deutschland jährlich mehr als 10.000 vorzeitige Todesfälle auf die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid zurück.

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3 Kommentare zu “Dicke Luft in vielen Städten

  1. Die Politiker machen mit uns was sie wollen. Da kauft man sich ein neues Wohnmobil mit der aktuell gültigen grünen Plakette und kurz darauf verliert man nicht nur seinen „normalen“ Wertverlust sondern gleich fast den ganzen Wert, da schon wieder eine neue Plakettenfarbe eingeführt wird. Gibt es denn keine Stelle, wo man sich erfolgreich wehren kann? Müssen wir, wie uns die Franzosen vormachen, auf die Straße gehen um deutlicher zu werden?

  2. Der Gösste Schwachsinn aller Zeiten sind Umweltzonen. Zahlreiche Studien haben ergeben dass es keinerlei Effekt hat.
    Doch! Einen hat es: es füllt die Säckel der Städte auf wundersame Weise. Und wer ist wieder mal der Dumme? Der Autofahrer.

    Kauft Autos, davon hängt unsere Industrie ab, aber Parken? Bitte hier nicht (überall Halteverbotsschilder, kann man gut abkassieren) und nun noch Umweltzonen (kann man auch wieder gut abzocken). Der Effekt ist gleich null.

    Woher der Feinstaub kommt? Hat mal irgendjemand über die Millionen Tonnen Abgase nachgedacht die ein einzige Jet am Himmel rausbläst bei jedem Start und Landung sind es tausende Tonnen Stickoxide. Aber nein der Autofahrer ist ja die Melkkuh der Nation.
    Mit den Airlines legt man sich lieber nicht an, da hänen ja wieder Arbeitsplätze dran. Also gewährt man ihnen grosszügige Ausnahmeregelungen und baut die Flughäfen sogar noch aus (wie akztuell in Frankfurt).

    DA dürfte die Politik mal dran gehen. Aber die Autofahrer haben ja keine Lobby und machen sowieso alles mit – also – gehen wir da mal dran.

  3. Ich kann es ja kaum glauben. Die EU mahnt uns ab. Mich würde ja mal brennend interessieren, wie es denn mit der Luft in den sonstigen EU-Großstädten aussieht. Ist die Luft in Paris, Madrid, Rom usw. oder auch in Bozen ok? Ich glaube ganz und gar nicht. Ich habe den Eindruck, dass mal wieder unterschiedliche Messlatten angelegt werden. Und zum Schluss: Vieles der Regeln der EU-Administration da ganz weit oben, unerreichbar weit weg vom Volk, ist einfach nur MURKS.

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